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Bei der sprechenden Medizin sollte der Patient das Wort haben

Praxisteams sind häufig unter Zeitdruck. Das kann dazu führen, dass Patienten nicht ausreichend zugehört wird. Doch obwohl es paradox klingt, kann dem Patienten schneller geholfen werden, wenn er ausreichend zu Wort kommt. Ein Hoch auf die „Hörstunde“.

Schon vor Jahren fand eine Ärztin der Berliner Charité heraus, dass Ärzte den Redeschwall des Patienten fürchten. Im Durchschnitt werde ein Patient, der den Grund seines Besuchs in der Praxis schildert, bereits nach 19 Sekunden unterbrochen. Überraschend: Lässt man Patienten in Hausarztpraxen ausreden, reichen ihnen durchschnittlich 64 Sekunden, um ihr Leid zu schildern und den Arzt zu informieren. Das spart Zeit. Zudem ist der Patient relativ entspannt, weil er sich nicht gehetzt fühlt. Das fördert die Vertrauensbeziehung.

Natürlich gibt es Patienten, die Ihnen am Empfang oder im Vier-Augen-Gespräch zunächst die Wehwehchen ihres Hundes schildern. Hier dürfen Sie klar, deutlich und freundlich Grenzen setzen. Doch überlegen Sie, wie viele Patienten so ausschweifend sind. Es dürften eher wenige sein.
 

Bereiten Sie ein Gespräch gut vor

Wenn der Arzt ein Gespräch an Sie delegiert, helfen Ihnen folgende Hinweise, um es auf den Punkt zu führen und dem Patienten das gute Gefühl zu geben, dass Sie ganz Ohr sind:

  • Bereiten Sie das Gespräch vor. Machen Sie sich die Diagnose klar und überlegen Sie sich eine Struktur.
  • Treten Sie dem Patienten wertschätzend gegenüber. Je akzeptierter ein Patient sich fühlt, desto größer die Heilungschancen. Das belegen viele Studien.
  • Geben Sie dem Gespräch schon mit der ersten Frage die richtige Richtung. Eine fokussierte Einstiegsfrage wie „Was hat sich seit Ihrem letzten Besuch bei uns verbessert?“ führt direkt und positiv ins Thema. Eine sogenannte „Scheunentorfrage“ wie „Wie geht es Ihnen?“ kann redefreudige Patienten zu einem langen Monolog verleiten.
  • Informieren Sie den Patienten über den gesetzten Zeitrahmen. „Heute habe ich eine Viertelstunde Zeit für Sie.“ Darauf kann ein Patient sich einstellen.
  • Bedenken Sie, dass jeder Patient etwas anderes braucht: Trost, Verständnis, Tipps, Motivation, Medizinwissen. Als gute Zuhörerin entwickeln Sie bald ein Gespür dafür.
     

Legen Sie Zettel und Stift bereit, um für den Patienten wichtige Stichworte zu notieren. Manchen helfen kleine Zeichnungen. Andere möchten sich selbst Notizen machen.
 

Patienten mit einer lebensbedrohlichen Diagnose

Eine schwere Diagnose übermittelt der Arzt selbstverständlich selbst. Doch auch hier kann es für Sie als MFA wichtig sein zu wissen, was dem Patienten in dieser schweren Stunde guttut:

  • Ein einziges Gespräch reicht nicht aus, um eine lebensbedrohliche Erkrankung, die Therapieformen und die zu erwartenden Einschränkungen der Lebensqualität zu besprechen. Im ersten Gespräch sollte es deshalb nicht um die Symptome, sondern um die Belastung gehen. Als MFA können Sie sich beim Patienten erkundigen: Was ist jetzt für Sie am schlimmsten?
  • Wenige Tage nach dem Erstgespräch folgt idealerweise ein weiteres, um Details der Diagnose und die Therapie zu besprechen. Motivieren Sie den Patienten, zu diesem zweiten Arztgespräch eine vertraute Begleitperson mitzubringen. Sie kann nicht nur trösten, sondern auch wichtige Informationen verstehen, die für den aufgewühlten Patienten in seiner Situation zu komplex sind.
  • Wer dem Tod ins Auge blickt, hat Angst. Das hat mehrere Folgen. Bei einem starken Angstgefühl können andere Teile des Gehirns, die z.B. das Gedächtnis betreffen, aussetzen. Schriftliche Informationen können zwar die mangelnde Gedächtnisleistung überbrücken, sind aber nicht sehr menschlich. Persönlicher ist, wenn Sie als MFA den Patienten einige Tage, nachdem er in der Praxis war, anrufen und fragen, welche Informationen er noch braucht.
     

Ehrlichkeit schafft Vertrauen. Vertrauen mildert die Angst. Deshalb ist es so wichtig, auch mit Tabus wie Schmerzen und Tod offen, aber einfühlsam umzugehen.

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