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Eine zu kleine oder zu große Blutdruckmanschette kann zu fehlerhaften Ergebnissen führen

Immer mehr Patienten kontrollieren ihren Blutdruck zu Hause. Im Jahr 2023 wird der Umsatz von Blutdruckgeräten knapp 5 Milliarden Euro betragen. Deutschland belegt bei den TOP 5 der umsatzstärksten Länder Platz 4, nach China, den USA und Japan und vor Frankreich. Doch bei der Messung ist vieles zu beachten. Eine Studie wies jetzt nach, dass eine zu große oder zu kleine Manschette zu fehlerhaften Blutdruckwerten führt.

Was bei Blutdruckmessungen zu beachten ist, lernt jede Medizinische Fachangestellte in der Ausbildung. Das Thema ist ein beliebtes Prüfungsthema, weil es in der Praxis so relevant ist. Eine auch für Laien verständliche Version ist auf der Website der Deutschen Herzstiftung zu finden.

 

Regeln für das Anlegen der Blutdruckmanschette

Im Praxisalltag schleichen sich schnell Flüchtigkeitsfehler ein. Daher zur Erinnerung hier 5 Aspekte, die die Manschette betreffen:

  • Die Blutdruckmanschette am Oberarm sollte auf Herzhöhe liegen.
  • Sie soll nicht über der Kleidung angelegt werden.
  • Enge Ärmel am Oberarm sind zu vermeiden.
  • Deraufblasbare Teil der Manschette liegt an der Innenseite des Oberarms, der Verschluss außen.
  • Die Manschette nicht zu straff anlegen: Zwischen Manschette und Arm soll noch ein Finger passen.

 

Welche Größe soll die Manschette haben?

Für die meisten Menschen ist eine Standardmanschette geeignet. Diese hat einen Durchmesser von rund 25 bis 32 cm. Bei Patienten mit dünnen oder sehr kräftigen Oberarmen sollten passende Manschetten gewählt werden, da die Messung mit Standardmanschetten zu fehlerhaften Blutdruckwerten führen kann. Das fand eine aktuelle amerikanische Studie heraus, die auf das Risiko einer Fehldiagnose mit Über- oder Unterversorgung hinwies. Die in die wissenschaftliche Untersuchung eingeschlossenen 195 Personen mit Hypertonie waren durchschnittlich 54 Jahre alt.

 

Messunterschiede bei unpassenden Manschetten

Wurde der Blutdruck bei Menschen mit geringem Oberarmumfang mit einer Standardmanschette statt mit einer kleinen Manschette (Größe S, 20 bis 25 cm) gemessen, kam es zu niedrigeren Werten. Beim systolischen Blutdruck lagen diese bei rund 3,6 mmHg. War der Oberarmumfang größer, differierten die Unterschiede sogar zwischen 4,8 mmHg bei empfohlener Manschettengröße L (32,1 bis 40 cm) bzw. 19.5 mmHg bei einer empfohlenen Manschettengröße der Größe XL (40,1–55 cm).

 

Je dicker der Oberarm, umso größer die Messfehlergefahr

Bei Menschen, deren Blutdruck idealerweise mit einer XL-Manschette gemessen werden sollte, wurde am häufigsten eine Über- oder Unterdiagnose der Hypertonie festgestellt. Statt 125/79 mmHg mit passender Manschette wurden bei den Messungen mit der Standardmanschette durchschnittliche Blutdruckwerte von 144/87 mmHg festgestellt. In der Folge erhielten diese Personen die Diagnose Hypertonie Grad II – zu Unrecht. Fehler bei der systolischen Blutdruckmessung von 5 mmHg führten dazu – so das Forscherteam –, dass weltweit 84 Millionen Menschen wegen ihres Blutdrucks unter- oder überversorgt würden.

 

Manschetten individuell auswählen!

Die Studienergebnisse legen die individuelle Auswahl von Blutdruckmanschetten nahe – nicht nur für medizinische Einrichtungen, sondern auch für die Blutdruckmessung zu Hause. Bei automatischen Messgeräten sollten Patienten die Herstellerangaben beachten. Medizinische Einrichtungen wie Arztpraxen sollten mindestens 2 Manschettengrößen (Standard und Größe L) sowie eine Kindergröße vorhalten.

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