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Ohne Anmeldung zur Gesundheitsberatung im Quartier

In den letzten Wochen war in mehreren Medien von Gesundheitskiosken die Rede, die die Bundesregierung einführen will. Nachzulesen ist der Beschluss im Koalitionsvertrag 2021–2025 zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP, der Ende November 2021 verabschiedet wurde. Ganz neu ist die Idee aber nicht.

 

In strukturschwachen Stadtteilen und ländlichen Regionen ist der Beratungsbedarf in Gesundheitsfragen besonders groß, der Zugang zu medizinischen Ressourcen aber erschwert. Doch nicht jede Informations- oder Organisationslücke muss in einer Arztpraxis geschlossen werden. Als niederschwellige Anlaufstelle fungieren so genannte Gesundheitskioske. In ihnen arbeiten interdisziplinäre und mehrsprachige Angehörige von Gesundheitsberufen zusammen. Sie beraten Menschen bei allen Fragen zur Gesundheit kostenlos, bereiten Arzttermine vor und nach, vermitteln Termine oder Ansprechpartnerinnen für benötigte Hilfen und bieten Gesundheitskurse an. So können die medizinische Versorgung und der Gesundheitsstatus der Bevölkerung verbessert und gleichzeitig Arztpraxen entlastet werden.
 

Woher die Idee stammt

In den USA und Finnland sind Gesundheitskioske in Einkaufszentren etabliert. Die in Amerika als „Retail Clinic“ und in Finnland als „Walk-in-Clinic“ oder „Terveyskioski“ genannten neuen Versorgungsmodelle erfreuen sich seit ihrer Einführung 2007 bzw. 2009 zunehmender Beliebtheit. Eine Studie fand heraus, dass amerikanische Gesundheitskioske öfter von Frauen in Anspruch genommen wurden. Häufigste Konsultationsgründe waren einfache Erkrankungen wie Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis, Ohrinfektionen, Grippe und Bindehautentzündung, berichtete die Ärzte Zeitung bereits 2012. Ging man in den USA davon aus, dass übliche Erreichbarkeiten medizinischer Einrichtungen mit limitierten Öffnungszeiten nicht mehr zeitgemäß seien, wollten die finnischen Aktivisten mit den kommunalen Gesundheitskiosken Personen ansprechen, „die sonst nie bis selten eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen“.
 

Wo es bundesweit schon Gesundheitskioske gibt

Der erste deutsche Gesundheitskiosk öffnete 2017 in Hamburg-Billstedt/Horn, inspiriert vom finnischen Modell und gefördert vom Innovationsfonds des G-BA. Aktuell gibt es 3 Standorte in Hamburg. Nach Ende der Projekt-Förderung schlossen mehrere Krankenkassen Selektivverträge ab, um die Finanzierung zu sichern. Die Übernahme in die Regelversorgung wurde empfohlen.

Mit seinen gesundheitsfördernden und aktivierenden Angeboten zielt der Kiosk darauf ab,

  • den Gesundheitsstatus der Bevölkerung zu verbessern und den Anteil der Chronifizierungen zu verringern
  • die Gesundheitskompetenz sowie Eigenverantwortung der Bevölkerung zu stärken,
  • die Patientenzufriedenheit, -erfahrung sowie -zentrierung zu erhöhen,
  • Fehlinformationen und lange Suchbewegungen nach Erstinformationen zu vermeiden,
  • die Versorgungsdefizite im ambulanten Bereich zu minimieren, vorhandene Ressourcen zielorientiert einzusetzen und
  • die wohnortnahe Versorgung zu stärken.
     

Bemerkenswert ist, dass die Hamburger Gesundheitskiosk-Initiatoren – unter anderem – qualifizierte Medizinische Fachangestellte als zentrale Akteure im ambulanten Sektor wertschätzen. MFAs arbeiten laut Website als Versorgungskoordinatorinnen, die engen Kontakt zu Patienten beispielsweise mit Diabetes oder Herzinsuffizienz halten und das komplexe Betreuungsnetzwerk pflegen.

Nach dem Hamburger Vorbild startete der Gesundheitskiosk am 1. April 2022 in der StädteRegion Aachen, einem Verbund von acht Städten und zwei Gemeinden. Ebenfalls im April 2022 öffnete ein Gesundheitskiosk in Essen, ein zweiter soll folgen. Innerhalb des Pilotprojektes „Dorf.Gesundheit.Digital“ im Kreis Höxter, an dem 30 ausgewählte Dörfer teilnehmen, soll jeweils ein barrierefreier Gesundheitskiosk als zentrale Anlauf-, Informations- und Beratungsstelle für die Erprobung digitaler Gesundheits- und Pflegeangebote eingerichtet werden.
 

Was die Politik in Deutschland plant

Durch den Ausbau multiprofessioneller, integrierter Gesundheits- und Notfallzentren stellen wir eine wohnortnahe, bedarfsgerechte, ambulante und kurzstationäre Versorgung sicher und fördern diese durch spezifische Vergütungsstrukturen. Zudem erhöhen wir die Attraktivität von bevölkerungsbezogenen Versorgungsverträgen (Gesundheitsregionen) und weiten den gesetzlichen Spielraum für Verträge zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern aus, um innovative Versorgungsformen zu stärken. In besonders benachteiligten Kommunen und Stadtteilen (5 Prozent) errichten wir niedrigschwellige Beratungsangebote (z.B. Gesundheitskioske) für Behandlung und Prävention. Im ländlichen Raum bauen wir Angebote durch Gemeindeschwestern und Gesundheitslotsen aus.

So steht es im aktuellen Koalitionsvertrag 2021–2025 (Seite 66), der unter dem Motto „Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ steht. Für die Errichtung der Gesundheitskioske kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Anfang Mai 2022 an, noch dieses Jahr einen Gesetzentwurf vorzulegen.

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