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ADHS, Depression, Autismus: Wie TikTok zu Selbstdiagnosen verleitet

Eine Studie der Universität Duisberg-Essen untersuchte mit weiteren wissenschaftlichen Partnerinnen und Partnern 177 deutschsprachige TikTok-Videos, die insgesamt auf rund 94 Millionen Aufrufe kamen. In den Clips ging es um Angststörungen, die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, Autismus, Depressionen, Narzissmus und posttraumatische Belastungsstörung.
Das Ergebnis der Forschenden:
Nur knapp jeder fünfte Videoinhalt (19,2 %) war korrekt.
- 33,3 % waren falsch.
- 18,1 % waren zu allgemein und ohne wissenschaftliche Grundlage formuliert.
- 29,4 % gaben persönliche Erfahrungen ohne wissenschaftliche oder medizinische Hintergrundinformationen wieder.
Was Eltern über TikTok wissen sollten
TikTok ist eine kostenlose Handy-App des chinesischen Technologiekonzerns ByteDance. „Nutzerinnen und Nutzer können kurze selbstgedrehte Videos aufnehmen und sie mit Musik, Spezialeffekten und Animationen unterlegen“, erklärt die Bundesaubeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheitt. Videos werden algorithmengesteuert angezeigt. Inhalte können mit anderen geteilt und weitergegeben werden.
Laut AGB darf TikTok nur nutzen, wer mindestens 13 Jahre alt ist und die Zustimmung der Eltern eingeholt hat. Geprüft wird das nicht. Für 90 % der 13- bis 18-Jährigen ist TikTok das wichtigste soziale Medium oder eines der wichtigsten Medien überhaupt. Das bestätigt das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI): „Soziale Medien sind heute das Leitmedium für Jugendliche – und prägen maßgeblich ihre Werte, politischen Einstellungen und Geschlechterbilder.“ In Deutschland wird von rund 21 Millionen TikTok-Usern ausgegangen, weltweit von über 1,5 Milliarden.
Die App steht u. a. wegen mangelndem Datenschutz und unzureichendem Jugendschutz in der Kritik. In diesen Ländern ist TikTok ganz oder teilweise verboten.
Medizinische Expertise schlägt Reichweite
Alle wissenschaftlichen Studien zur Thematik empfehlen, sich nicht auf ungeprüfte Inhalte zu Gesundheitsthemen zu verlassen. „Fehlinformationen können zu falschen Selbstdiagnosen oder einem verzögerten Therapiebeginn führen“, so die eindrückliche Warnung. Online durchführbare Selbsttests können allenfalls orientierenden Charakter haben. MFAs und ZFAs sollten daher stets auf verlässliche Gesundheitsinformationen verweisen. „Wenn Fachleute auf Social Media klare, verständliche und ansprechende Inhalte erstellen, könnten sie den Fehlinformationen entgegenwirken,“ so die Überzeugung der Autorinnen und Autoren der von der Universität Duisberg-Essen in Auftrag gegebenen Studie.
Eltern, die vom ständigen Gescrolle Ihrer Kinder genervt sind, können sich u. a. auf der Website des Universitätsklinikums Tübingen oder beim Zentrum für Verhaltenssucht über Internetsucht informieren und verschiedene kostenfreie Online-Trainings finden.
DM
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