

Blutspenden: Jede Spende zählt

Wie gut wäre das deutsche Gesundheitswesen auf eine größere Katastrophe oder sogar einen militärischen Konflikt vorbereitet? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Bundesärztekammer (BÄK) in ihrem Anfang September veröffentlichten Strategiepapier „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“. Darin geht es darum, wie die medizinische Versorgung auch unter gesellschaftlich schwierigen Bedingungen möglichst zuverlässig weiterlaufen kann.
Dazu gehört auch, dass weiterhin genügend Blut und Blutprodukte zur Verfügung stehen. Derzeit konzentrieren sich die Herstellung und die Verarbeitung auf relativ wenige Standorte. Sollte in einer Krise einer davon ausfallen, könnte das schnell zum Problem werden. Die BÄK schlägt deshalb vor, die Versorgung breiter aufzustellen und zusätzliche Möglichkeiten zur Herstellung und Verarbeitung an verschiedenen Orten zu schaffen. Gleichzeitig sollen die bestehenden Einrichtungen besser auf Ausnahmesituationen vorbereitet werden. Dazu gehören z. B. eine zuverlässige Notstromversorgung, Ersatzsysteme für wichtige technische Abläufe und ein besserer Schutz vor Cyberangriffen.
Blut wird jeden Tag gebraucht
Doch Blutspenden werden natürlich nicht erst im Katastrophenfall benötigt. Sie gehören zum medizinischen Alltag, etwa bei großen Operationen und Transplantationen, nach schweren Unfällen oder bei der Behandlung verschiedener Erkrankungen. Ein großer Teil wird beispielsweise in der Krebstherapie eingesetzt.
Blutprodukte lassen sich zudem nicht beliebig lange auf Vorrat lagern. Deshalb müssen regelmäßig Menschen zur Blutspende kommen. Der demografische Wandel könnte jedoch dazu führen, dass die Zahl potenzieller Spenderinnen und Spender langfristig sinkt, während der Bedarf an Blutprodukten gleich bleibt oder sogar steigt.
Wer kann Blut spenden?
Grundsätzlich können gesunde Menschen ab 18 Jahren Blut spenden. Sie müssen mindestens 50 kg wiegen. Eine pauschale Höchstaltersgrenze gibt es inzwischen nicht mehr. Ob eine Blutspende möglich ist, hängt stattdessen vom individuellen Gesundheitszustand ab. Jeder Spendende muss deshalb einen Fragebogen ausfüllen. Es werden der Hämoglobinwert bestimmt und Blutdruck, Puls und Temperatur kontrolliert. Anschließend findet ein ärztliches Gespräch statt.
Frauen dürfen innerhalb von 12 Monaten bis zu 4-mal Vollblut spenden, Männer bis zu 6-mal. Zwischen 2 Vollblutspenden müssen mindestens 8 Wochen liegen.
Nicht jede Erkrankung oder Medikamenteneinnahme schließt eine Blutspende grundsätzlich aus. Manchmal müssen Spendenwillige jedoch eine gewisse Zeit warten. Das kann beispielsweise nach Schwangerschaften, Infekten, bestimmten Impfungen oder Operationen sowie nach Tätowierungen und Piercings der Fall sein. Auch manche Auslandsreisen können eine vorübergehende Pause erforderlich machen.
Bei bestimmten schweren oder chronischen Erkrankungen und einigen Infektionskrankheiten kann ein dauerhafter Ausschluss notwendig sein. Weitere Tipps und Infos zum Blutspenden findet man beim Blutspendedienst des Roten Kreuzes.
Menschen motivieren
Für viele Menschen ist vor allem die erste Spende mit Unsicherheit verbunden. Wie viel Blut wird abgenommen? Tut das weh? Darf ich mit meinen Medikamenten überhaupt spenden?
Ärztliche Praxen können dabei helfen, solche Hemmschwellen abzubauen. Informationsmaterial im Wartezimmer, ein Hinweis auf Blutspendetermine in der Umgebung oder gelegentliche Beiträge auf der Praxiswebsite und in den sozialen Medien können das Thema „Blutspende“ stärker ins Bewusstsein rücken. Dabei muss das Praxisteam nicht selbst beurteilen, ob jemand tatsächlich zur Spende zugelassen wird. Diese Entscheidung trifft der Blutspendedienst nach der medizinischen Prüfung.
Manchmal fehlt schließlich gar nicht die Bereitschaft. Blutspenden geht im Alltag schlicht unter. Ein sichtbarer Hinweis in der Praxis kann dann schon reichen, damit aus dem Gedanken „Das könnte ich eigentlich mal machen“ tatsächlich ein Termin wird.
MT
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