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Botschaft für 10 Millionen Menschen: „Inkontinenz ist heilbar“

Gerade ging die 15. Welt Kontinenz Woche mit 70 Veranstaltungen bundesweit zu Ende. Initiiert wurde sie von der 1987 gegründeten Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Die 2.500 Mitglieder der interdisziplinär tätigen DKG wollen das Thema Harn- und Stuhlinkontinenz enttabuisieren. Und das nicht nur eine Aktionswoche lang im Jahr.

Inkontinenz ist kein Nischenproblem. Rund 10 Millionen Menschen sind in Deutschland jeden Alters und jeden Geschlechts davon betroffen. „Die Erkrankung kann jeden treffen und stellt für die Betroffenen eine enorme Herausforderung für ihren Alltag dar“, erklärte Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Ev. Krankenhaus Witten und 1.Vorsitzender der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft, anlässlich der Aktionswoche 2023.
 

Wenn Urin oder Stuhl in die Hose gehen

Gesunde Menschen merken, wenn ihre Blase gefüllt ist. Sie können den Urin bis zum Toilettengang zurückhalten. Medizinisch wird die Entleerung durch die Harnröhre als Miktion bezeichnet. Bei dem komplexen Vorgang spielen die Blase, die Beckenbodenmuskulatur und die Schließmuskeln mit. Wenn das krankheitsbedingt nicht funktioniert, wird unfreiwillig Urin verloren und es kommt zum Einnässen. Bei Frauen ist die Belastungsinkontinenz häufig: Beim Husten, beim Lachen, beim Niesen oder auch beim Treppensteigen oder Sport geht Urin unkontrolliert ab.
 

Immer mehr jüngere Frauen betroffen

Dr. med. Andrzej Kuszka, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital zum Heiligen Geist Frankfurt/Main, sprach in einem aktuellen Interview davon, dass jede dritte Frau von Inkontinenz betroffen ist und viele erst 30, 40 oder 50 Jahre alt sind. Bei jüngeren Frauen ist das Bindegewebe nach Spontangeburten oft geschwächt und führt zu Harninkontinenz. Diese kann sich auch als überaktive Blase, Überlaufinkontinenz, extraurethrale Inkontinenz oder Mischform zeigen.

Bei der noch unangenehmeren Stuhlinkontinenz kann der Stuhldrang nicht kontrolliert oder (rechtzeitig) wahrgenommen werden. Kann hier nicht schnellstens eine Toilette aufgesucht werden, entleert sich der Darm im wahrsten Sinn des Wortes in die Hose.
 

Lieber sprechen statt schämen

Die Thematik ist in der Bevölkerung schambesetzt, viele Patienten haben Schwierigkeiten, sich selbst ihrer Ärztin oder ihrem Arzt gegenüber zu dem Problem zu bekennen. Dabei ist die gemeinnützig arbeitende Deutsche Kontinenz Gesellschaft (DKG)  überzeugt davon, dass Inkontinenzerkrankungen mit der richtigen Expertise gut und individuell behandelbar sind. Wichtig ist eine richtige Diagnose. Die DKG empfiehlt ihre rund 1.400 zertifizierten Beratungsstellen oder die bundesweit rund 100 spezialisierten, interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenzentren. Die Online-Expertensuche ist für Deutschland, Österreich und die Schweiz möglich. Nur wer darüber spricht, kann qualifizierte Unterstützung bekommen. Das Motto der diesjährigen Welt-Kontinenz-Woche lautete deshalb: „Inkontinenz ist heilbar“.
 

Info-Material, Fortbildung und nützliche Apps

Auf der Website der DKG werden Informationsmaterialien und Broschüren zum kostenfreien Download zur Verfügung gestellt, darunter Miktions- und Stuhlprotokolle für Patientinnen und Patienten, die die ärztliche Behandlung unterstützen können. Zudem finden sich Hinweise auf spezialisierte Weiter- und Fortbildungen, auch für Medizinische Fachangestellte.

Toiletten-Apps sind nicht nur für Menschen mit Inkontinenz hilfreich. Es gibt diverse Anbieter. Einige Apps sind kostenpflichtig, nicht alle sind für Android und iOS erhältlich. Einige sind international nutzbar, bei manchen ist unklar, ob ein WC öffentlich zugängig ist oder nicht. Funktionalität und Nützlichkeit unterscheiden sich teils deutlich. Wiederholter App-Sieger in Tests war WC-Finder Deutschland mit 160.000 gefundenen stillen Örtchen.

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