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Essstörungen nehmen zu: Diese Warnzeichen sollten MFAs kennen

Schätzungsweise 18,1 Millionen Menschen lebten im Jahr 2023 weltweit mit Anorexie oder Bulimie. Das sind 71 % mehr als noch 1990. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Forschungsgruppe, die Daten aus 204 Ländern und Regionen ausgewertet hat. Die Untersuchung wurde Ende Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlicht.
Von den Betroffenen waren rund 12,6 Millionen weiblich und 5,5 Millionen männlich. 41,2 % der Betroffenen waren zwischen 10 und 24 Jahre alt. Besonders verbreitet sind Anorexie und Bulimie in wohlhabenden Regionen, darunter auch Westeuropa. Am stärksten gestiegen sind die Erkrankungszahlen allerdings in Teilen Asiens. Für 2050 prognostizieren die Forschenden weltweit rund 21,8 Millionen Betroffene.
Wenn Essen zum Problem wird
Bei Essstörungen handelt es sich um ernsthafte psychische Erkrankungen. Dabei drehen sich die Gedanken ständig um Essen, das Körpergewicht und das äußere Erscheinungsbild. Anorexie und Bulimie sind die bekanntesten Formen.
Anorexie (Magersucht): Betroffene schränken ihre Nahrungsaufnahme stark ein, vermeiden bestimmte Lebensmittel oder treiben übermäßig viel Sport. Auch, wenn sie schon deutlich untergewichtig sind, haben sie große Angst zuzunehmen. Häufig stimmen das eigentliche Gewicht und die eigene Wahrnehmung nicht überein. Die Folgen können schwerwiegend sein: Mangelernährung, Kreislaufprobleme, hormonelle Störungen und im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Organschäden, die auch zum Tod führen können.
Bulimie (Ess-Brech-Sucht): Typisch sind wiederkehrende Essanfälle, bei denen Betroffene innerhalb kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich nehmen. Anschließend versuchen sie, die Kalorien wieder loszuwerden, beispielsweise durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel oder exzessiven Sport. Anders als bei Anorexie haben Menschen mit Bulimie häufig Normalgewicht. Deshalb bleibt die Erkrankung oft lange unbemerkt.
Neben einer genetischen Veranlagung können psychische Belastungen, ein geringes Selbstwertgefühl oder gesellschaftliche Schönheitsideale eine Rolle spielen.
Warnzeichen im Praxisalltag erkennen
Nicht immer kommen Patientinnen und Patienten wegen ihrer Essstörung in die ärztliche Praxis. Manchmal sind es zunächst unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Schwindel, Bauchschmerzen oder Konzentrationsprobleme, die zu einem Termin führen. Bei jungen Menschen drängen häufig die Eltern auf einen Praxisbesuch.
Mögliche Warnzeichen für eine Essstörung sind:
- Auffälliger Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit
- Starke Beschäftigung mit Gewicht, Kalorien oder Diäten
- Ausgeprägte Angst vor einer Gewichtszunahme
- Häufige Kreislaufprobleme, Frieren oder Erschöpfung
- Wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden
- Auffällige Veränderungen beim Essverhalten
- Zugehörigkeit zu entsprechenden Gruppen in sozialen Medien
Behutsam das Gespräch suchen
Essstörungen sind häufig mit Scham verbunden. Viele Betroffene versuchen, ihr Verhalten zu verbergen, oder haben Schwierigkeiten, sich ihre Erkrankung einzugestehen.
Wenn MFAs Auffälligkeiten bemerken, sollten sie diese zunächst im Praxisteam ansprechen. Auch ein behutsames Gespräch mit der betroffenen Person kann sinnvoll sein, möglichst in einer ruhigen Umgebung und ohne andere Patientinnen und Patienten als Zuhörende.
Jetzt ist Sensibilität gefragt, vor allem bei den jungen Patientinnen und Patienten. Statt „Sie sind aber dünn geworden!“ eignet sich beispielsweise die Frage: „Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit häufiger erschöpft wirken. Wie geht es Ihnen denn?“ Gut gemeinte Ratschläge wie „Essen Sie doch einfach mehr“ helfen dagegen nicht weiter.
Besteht der Verdacht auf eine Essstörung, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Psychotherapie, gegebenenfalls ergänzt durch Ernährungsberatung und medizinische Betreuung. Bei schweren körperlichen Folgen kann auch eine stationäre Behandlung notwendig werden.
MT
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