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Gesunde Kinder, besorgte Eltern?

Die meisten Eltern schätzen die Gesundheit ihrer Kinder positiv ein. Dennoch vermuten viele eine chronische Erkrankung, ohne dass eine Diagnose vorliegt. Was der AOK-Kindergesundheitsatlas 2026 über Sorgen, Gesundheitskompetenz und das Vertrauen in Arztpraxen verrät.

Auf den ersten Blick geht es Kindern und Jugendlichen ziemlich gut: 94 % der befragten Eltern schätzen den Gesundheitszustand ihres Kindes als gut oder sehr gut ein. Doch der AOK-Kindergesundheitsatlas 2026 zeigt auch eine andere Seite. 55 % berichten von mindestens einer diagnostizierten oder vermuteten chronischen Erkrankung ihres Kindes. 29 % der 3- bis 17-Jährigen haben nach Einschätzung ihrer Eltern eine niedrige gesundheitsbezogene Lebensqualität, 24 % mehrere psychosomatische Beschwerden. Befragt wurden 5.000 Eltern von Kindern zwischen 0 und 17 Jahren im Rheinland und in Hamburg.

 

Viele Vermutungen, einige Diagnosen

Bei 34 % der Kinder liegt laut Eltern mindestens eine konkrete Diagnose vor. 38 % der Eltern vermuten jedoch mindestens eine Erkrankung, ohne dass diese diagnostiziert wurde. Besonders häufig gehen Diagnose und Vermutung bei ADHS, psychischen Erkrankungen, Entwicklungsstörungen und Verhaltenssüchten auseinander.

Etwa zwei Drittel der Eltern, die eine Erkrankung vermuten, haben bereits eine ärztliche Abklärung veranlasst oder einen Termin vereinbart. Wer bislang keine ärztliche Hilfe gesucht hat, möchte häufig zunächst beobachten, wie sich die Beschwerden entwickeln, oder hält eine Untersuchung noch nicht für notwendig.

Dr. Google und Prof. Gemini

Viele Eltern suchen häufig zunächst im Internet nach Antworten. 47 % nutzen mindestens monatlich Online-Suchmaschinen für Informationen zur Gesundheit ihres Kindes. KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini kommen bei 41 % zum Einsatz, soziale Medien bei 32 %. Am meisten vertrauen Sorgeberechtigte jedoch nach wie vor den medizinischen Fachleuten. Kinder- und fachärztlichen Praxen vor Ort vertrauen 81 % der Eltern. Damit liegen sie mit deutlichem Abstand an der Spitze. 

Hinzu kommt: Nur 53 % der befragten Eltern verfügen laut Atlas über eine ausreichende allgemeine Gesundheitskompetenz. So haben u. a. 28 % Schwierigkeiten beim Finden, Verstehen oder Bewerten von Gesundheitsinformationen.

 

Eltern suchen Unterstützung

Die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder sehen Eltern trotzdem vor allem bei sich selbst. 71 % betrachten Eltern bzw. Sorgeberechtigte als hauptverantwortlich, 10 % Kinder- und Fachärztinnen und -ärzte. Interessant ist jedoch: Gibt es bei einem Kind mehrere diagnostizierte oder vermutete Erkrankungen, schreiben Eltern sich selbst deutlich seltener die Hauptverantwortung zu. Offenbar wächst mit gesundheitlichen Problemen auch der Wunsch nach Unterstützung. Besonders deutlich zeigt sich das beim Thema psychische Gesundheit. Hier sehen 34 % der Eltern Kinder- und Fachärztinnen und -ärzte mit in der Verantwortung. 

 

Bewegung bleibt eine Baustelle

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Kinder und Jugendliche von 3 bis 17 Jahren mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag. 86 % der untersuchten Kinder und Jugendlichen erreichen diese Empfehlung nicht. 

 

Jeder Fünfte verpasst einen Praxistermin

21 % der Eltern konnten innerhalb der vergangenen 12 Monate mindestens einen vereinbarten Arzttermin ihres Kindes nicht wahrnehmen, 9 % sogar mehrere. Von den Betroffenen gaben 49 % an, alle ausgefallenen Termine vorher abgesagt zu haben. 16 % hatten keinen davon abgesagt. Als Gründe nannten Eltern u. a. vergessene Termine, Missverständnisse bei der Terminnotiz oder kurzfristige Hindernisse. 28 % derjenigen, die einen Termin ohne Absage verstreichen ließen, gaben außerdem an, Termine „auf Vorrat“ zu vereinbaren.

Gerade Familien mit gesundheitlich stärker belasteten Kindern verpassen häufiger Termine. Bei Kindern ohne diagnostizierte Erkrankung berichten 16 % der Eltern davon, bei Kindern mit 2 Diagnosen bereits 36 %. 

MT

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