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Gesundheitskioske – sinnvoll oder überflüssig?

Rund 1.000 Gesundheitskioske sollen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in sozialen Brennpunkten entstehen. Ihr Angebot soll sowohl medizinisch-pflegerische Basisversorgung als auch Sozialberatung umfassen. Obwohl Hausärzte es prinzipiell begrüßen würden, wenn medizinische und soziale Beratungsangebote besser verzahnt werden, ernten die Gesundheitskioske auch Kritik.

Was sind Gesundheitskioske?

Gesundheitskioske sollen Anlaufstelle sein für alle Fragen, die sich um Gesundheit und Pflege drehen. Sie sollen vor allem in Quartieren entstehen, in denen viele sozial benachteiligte Menschen wohnen und ein Beratungsangebot machen, das bestehende Versorgungsstrukturen unterstützt. Hauptaufgabe der Kioske ist es, die Versorgung von Patienten mit besonderem Unterstützungsbedarf zu verbessern.

Die Kioske sollen zum einen medizinisch-pflegerische Routineaufgaben übernehmen, wie z. B. Vitalparameter messen, Verbände wechseln und Wunden versorgen. Zum anderen sollen sie Patientinnen helfen, die richtige Stelle zur richtigen Zeit im Gesundheitswesen zu finden und in Anspruch zu nehmen. Dabei sollen die Kioske Teil eines sektorenübergreifenden Netzwerks werden, zu dem Arztpraxen, Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, Pflegestützpunkte, Jugendämter und andere soziale Dienste gehören.

Gesundheitskioske sollen eng mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst bei der Prävention und Gesundheitsförderung zusammenarbeiten. Gegründet werden sie von Kommunen, die mit den Krankenkassen einen Vertrag zur Finanzierung der Leistungen abschließen. Die Kommunen müssen sich jedoch an den Kosten beteiligen. Gesundheitskioske sollen von examinierten Pflegefachpersonen geleitet werden, wie z. B. Community Health Nurses.
 

Warum gibt es Kritik an den Gesundheitskiosken?

Gesundheitskioske wurden in einigen Modellregionen erprobt, z. B. in Hamburg-Billstedt und in Berlin-Neukölln. Zuletzt hatten sich jedoch einige Krankenversicherungen aus der Finanzierung der Kioske zurückgezogen. Die Beratungsleistung stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, so die Ersatzkassen. Außerdem würden einige der Leistungen in den Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge fallen. Die AOK Rheinland/Hamburg unterstützt Einrichtungen wie den Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt weiterhin, weil Kooperationsangebote dieser Art wichtig für Menschen seien, die sich alleine nicht oder nur schlecht im Gesundheits- und Sozialsystem zurechtfinden. Gesundheitskioske ermöglichten ihnen einen barrierefreien Zugang zur medizinischen Versorgung, auf den sie dringend angewiesen seien.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) befürchten, dass mit den Gesundheitskiosken eine Doppelstruktur entsteht. In einigen Regionen, z. B. in Nordrhein und Thüringen, gibt es Modelle von Gesundheitskiosken, an denen auch die KVen beteiligt sind. Nach dem Wunsch der KVen sollen sich die Kioske auf Vermittlung von Arztterminen und Wissen zum Thema Gesundheit konzentrieren. Viele Hausärzte befürchten jedoch, dass sich mit den Gesundheitskiosken der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte verschärft. 
 

Welche Alternativen zum Gesundheitskiosk werden diskutiert?

Einige Hausarztpraxen kooperieren bereits mit Sozialarbeitern, wenn Patienten Anliegen vorbringen, die die Kompetenz der Mediziner übersteigt. Für viele ältere und sozial benachteiligte Menschen sind Hausärztinnen erste Ansprechpartnerinnen, zum Beispiel wenn es Ärger mit dem Jobcenter gibt oder der Strom abgestellt wird.

Eine Arztpraxis in Dortmund sammelt Erfahrungen mit diesem Modell. Die Finanzierung von 4 Sozialarbeitern wird dabei von einem Verein übernommen, der von Ärzten gegründet wurde, die Substitutionstherapie bei Drogensucht anbieten. Die Ärzte können sich weitere Kooperationsangebote vorstellen, z. B. mit Ergo- und Physiotherapeutinnen. So würden bestehende Angebote verknüpft und nicht neue geschaffen.

Auch im Berliner Stadtteil Lichtenberg gibt es ein Modell, das aus der Not heraus entstand. Die Hausärztin Anneliese Roloff fand keine Nachfolge für ihre Praxis, wollte ihre Patienten jedoch nicht im Stich lassen und suchte nach einer Möglichkeit der Entlastung. Zusammen mit ihrer Schwiegerenkelin gründete sie den Verein soziale Gesundheit. Der Verein koordiniert mittlerweile die Zusammenarbeit von 2 Sozialarbeiterinnen mit 18 Arztpraxen.

Berufspolitisch stößt die Idee der praxisinternen Sozialarbeit auf Interesse. Der Hausärzteverband begrüßt die Idee, ebenso die KV Hamburg.

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