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Hausarztpraxen können bei knappen Intensivkapazitäten helfen, Leben zu retten

Die Zahl der COVID-19-Intensivpatienten steigt. Schon bald könnte sie den Höchststand vom Beginn des Jahres 2021 übertreffen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bereitet die Öffentlichkeit auf ein schlimmes Szenario vor: Die Intensivbetten reichen nicht mehr aus. Noch werden Patienten nach einem Kleeblatt-System verlegt. Doch es könnte der Zeitpunkt kommen, bei dem es auf die Hausarztpraxen besonders ankommt.

Am Wochenende fand die in Deutschland bisher größte Aktion statt, um COVID-19-Patienten zu verlegen. Die Luftwaffe setzte dazu ein Transportflugzeug ein, das für medizinische Evakuierungen ausgerüstet ist. Sie flog etwa 50 Patienten aus Kliniken in Bayern, Sachsen und Thüringen nach Norddeutschland, wo noch Intensivbetten frei sind. Es könnten noch viel mehr Patienten werden. Sogar von der Verlegung in benachbarte EU-Staaten ist bereits die Rede.

Doch noch sind innerhalb Deutschlands Intensivbetten frei. Bei der Organisation hilft das Kleeblatt-Konzept, das schon während der ersten Corona-Welle ausgearbeitet wurde. Es teilt Deutschland in fünf Bereiche, sogenannte Kleeblätter:

  • Nord: Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
  • Ost: Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin
  • West: Nordrhein-Westfalen
  • Süd: Bayern
  • Südwest: Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen
     

Zunächst werden Patienten möglichst in Krankenhäuser innerhalb ihres Kleeblatts verlegt. Sind die Kapazitäten erschöpft, werden die Patienten in andere Regionen gebracht – per Krankenwagen, Hubschrauber oder Flugzeug der Luftwaffe. Ziel ist, die Belastung möglichst gleichmäßig auf die Bundesländer zu verteilen und so viele Menschenleben zu retten, wie es irgend geht.
 

Die Überlebenschance ist entscheidend

Dennoch macht das Wort „Triage“ die Runde. Es kann sein, dass Intensivbetten und Beatmungsgeräte nicht reichen. Dann müssen die Intensivmediziner entscheiden, wem sie helfen. Dazu aktualisiert die DIVI zurzeit die Empfehlungen zur Zuteilung intensivmedizinischer Ressourcen im Kontext der COVID-19-Pandemie“. Wichtigster Punkt: Alle Menschen, ob geimpft oder nicht, werden gleich behandelt. Bei der Priorisierung der Patienten geht es allein um die Erfolgsaussichten. Wie groß ist die Chance, dass ein Patient die COVID-19-Erkrankung überlebt? Wer bessere Chancen hat als andere schwerstkranke Patienten, erhält die intensivmedizinische Behandlung. Nur so könne sichergestellt werden, dass möglichst viele Menschen überleben.
 

Wissen aus der Hausarztpraxis ist gefragt

Bei der Priorisierung werden alle Patienten einbezogen, auch diejenigen, die gar nicht an COVID-19 erkrankt sind. Auch spielt es keine Rolle, ob die Patienten auf einer Allgemeinstation, in der Notaufnahme oder bereits auf der Intensivstation sind. Die Kriterien für die Entscheidung sind laut DIVI u.a.:

  • Schweregrad der aktuellen Erkrankung
  • weitere schwere Erkrankungen (Komorbiditäten) wie fortgeschrittene Herzinsuffizienz oder fortgeschrittene Krebserkrankung
  • allgemeiner Gesundheitsstatus wie z.B. Gebrechlichkeit
     

All das können Notfall- und Intensivmediziner, die den Patienten kaum kennen, nicht gut wissen. Deshalb sind die Hausarztpraxen so wichtig. Sie kennen ihre Patienten oft seit vielen Jahren, haben eine vollständige Anamnese und Dokumentation. Es könnte also sein, dass Intensivmediziner sich bei Ihnen in der Praxis melden, um mehr über den Gesundheitszustand und den Willen eines Patienten zu erfahren. In der Leitlinie der DIVI heißt es dazu: „Wenn möglich sollte im Vorfeld unter Einbeziehung des Hausarztes ermittelt und verlässlich dokumentiert werden, ob eine Krankenhauseinweisung und ggf. Verlegung auf Intensivstation bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes medizinisch indiziert und vom Betroffenen gewünscht ist.“

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