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Langzeitfolgen nach Essstörungen

Eine britische Langzeitstudie, die im Fachmagazin BMJ Medicine erschienen ist, hat knapp 25.000 Menschen mit früherer Essstörung über 20 Jahre hinweg beobachtet. Die meisten davon waren weiblich (89 %). 14,5 % litten an Anorexie, 20,5 % an Bulimie, 5 % an einer Binge-Eating-Störung. Bei den restlichen 60 % wurde die Essstörung nicht genannt.
Die Seele leidet mit
Nach Auswertung der Daten zeigte sich, dass das Sterberisiko innerhalb der ersten 12 Monate nach der Diagnose 4-mal höher war als bei der nicht betroffenen Vergleichsgruppe. Die Suizidquote war in dieser Zeitspanne fast 14-mal so hoch. 10 Jahre nach der Diagnose lag das Suizidrisiko immer noch fast 3-mal höher.
Allgemein steigen die Risiken für psychische Erkrankungen mit einer Essstörung deutlich an. Betroffene haben im ersten Jahr ein 7-mal so hohes Risiko, an Depressionen zu erkranken und ein 9-mal so hohes Risiko für Selbstverletzungen. Auch Angststörungen, Phobien und andere Verhaltensauffälligkeiten kommen häufiger vor.
Mangel- und Fehlernährung hat langfristige Folgen
Durch Essstörungen entstehen jedoch auch zahlreiche körperliche Langzeitfolgen. So steigt die Wahrscheinlichkeit für Nieren- oder Lebererkrankungen stark an. Auch das Risiko für Osteoporose erhöht sich deutlich und ist etwa 6-mal so hoch wie bei Menschen ohne Essstörung. Besonders betroffen waren Frauen, die bereits im frühen Jugendalter erkrankten, also in einer Phase, in der der Körper normalerweise stabile Knochen aufbaut.
Die Forschenden führen dies unter anderem darauf zurück, dass der Körper während der Mangelernährung nicht ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt wird und sich das hormonelle Gleichgewicht verschiebt. Auch wenn sich Gewicht und Zyklus später normalisieren, erreicht die Knochendichte häufig nicht mehr das altersentsprechende Niveau. Wiederholte Phasen eingeschränkten Essens können diesen Effekt zusätzlich verstärken.
Auch Herzinsuffizienz und Diabetes können als Langzeitfolgen entstehen. Oft zeigen sich auch noch Jahre nach dem Überwinden der Essstörung Auffälligkeiten oder Beschwerden an den verschiedenen Organen. Diese entstehen besonders oft, wenn häufig erbrochen oder über einen längeren Zeitraum Abführmittel genutzt wurden. Auch dauerhaftes Unter- oder starkes Übergewicht sowie extreme Gewichtsschwankungen belasten die Organe.
Essstörung nicht vergessen
Für haus- und kinderärztliche Praxen bedeutet das, auch eine länger zurückliegende Essstörung bei akuten Beschwerden in die Diagnosefindung mit einzubeziehen. Viele Betroffene kommen Jahre später mit unspezifischen Beschwerden, ohne selbst noch einen Zusammenhang zu sehen. Wenn frühere Essstörungen in der Anamnese abgefragt werden, lassen sich Symptome oft besser einordnen. Dabei sind viel Sensibilität und Fingerspitzengefühl gefragt. Vor allem, wenn die Essstörung zwar eigentlich überwunden ist, die Neigung dazu jedoch immer noch besteht. Das ist bei vielen ehemaligen Essstörungs-Patientinnen und -Patienten der Fall.
Bei dem Verdacht auf eine Essstörung sollten Patientinnen und Patienten auch auf die möglichen Langzeitfolgen hingewiesen werden. Die Überweisung an psychiatrische Praxen oder spezielle Ambulanzen sollte zeitnah erfolgen, um psychische und körperliche Schäden zu vermeiden.
Viele junge Betroffene
Laut dem Statistischen Bundesamt hat sich die Anzahl der betroffenen jungen Frauen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren innerhalb von zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Während im Jahr 2003 rund 3.000 Jugendliche dieser Altersgruppe wegen einer Essstörung im Krankenhaus behandelt wurden, waren es 2023 etwa 6.000.
Unter den Essstörungen wurde 2023 mit 76 % am häufigsten Anorexia Nervosa behandelt. Danach folgte Bulimie mit 11,1 %.
Erste Anlaufstellen
Beratungen und Hilfe finden Patienten, Patientinnen und ihre Angehörigen z. B. beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit oder beim Therapienetz Essstörung.
MT
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