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Mehr Infektionen durch Klimawandel?

Dieser Sommer zeigte bereits einige unangenehme Begleiterscheinungen des Klimawandels – Hitze, Dürren und Überschwemmungen nahmen in vielen Teilen Europas erschreckende Ausmaße an. Die Veränderungen in unserem Klima könnten auch für steigende Erkrankungen bei Ihren Patienten aufgrund von bakteriellen und parasitischen Erregern sorgen.

Die beste Vorsorge gegen Krankheitserreger wie Campylobacter oder Salmonellen sind sorgfältige Hygiene und Kühlung bei der Lagerung, Verarbeitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln. Dazu zählen die Einhaltung von Kühlketten, gründliches Händewaschen vor der Zubereitung, Waschen von Gemüse und Obst mit Trinkwasser und umsichtiger Umgang mit rohem Fleisch. Außerdem sollte man zum Baden keine stark verschmutzten Gewässer aufsuchen, das gilt insbesondere nach Überschwemmungen.

Campylobacter

Hohe Temperaturen begünstigen die Verbreitung des Erregers Campylobacter. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist die Infektion die häufigste bakterielle Erkrankung des Menschen. Sie äußert sich durch wässrigen bis blutigen Durchfall, Erbrechen, Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Gelenkentzündungen. Seltener kann das Guillain-Barré-Syndrom ausgelöst werden. Der Hauptübertragungsweg des Campylobacter sind kontaminierte tierische Produkte, vor allem nicht durchgegartes Hühnerfleisch. Auch Gewässer, in denen sich viele Tierfäkalien befinden, stellen ein Risiko dar, wenn man etwas davon beim Baden schluckt.

Salmonellen

Der Klassiker ist die Salmonellen-Vergiftung – die Bakterien breiten sich meistens auf nicht durcherhitztem Fleisch sowie ungekühlter Rohmilch oder rohen Eiern aus. Seltener können sie sich auch auf Gemüse befinden, weshalb man dieses immer sorgfältig waschen sollte. Eine Salmonellen-Vergiftung kann sehr unangenehme Symptome wie starken Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen hervorrufen. Um eine Salmonellen-Entwicklung zu vermeiden, ist es wichtig, gefährdete Lebensmittel stets kühl zu halten und die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Salmonellen lieben Temperaturen zwischen 35 und 37 Grad, unter 15 Grad sinkt das Risiko deutlich.

Vibrionen

Noch relativ unbekannt ist die Gefahr durch Vibrionen. Sie sind gewöhnlicher Bestandteil der Bakterienflora in Nord- und Ostsee und vermehren sich verstärkt bei Wassertemperaturen über 20 Grad. Sie können zu Wundinfektionen, aber auch zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Atmet man kontaminiertes Wasser ein, können sie sogar Lungenentzündungen auslösen. Daher sollte man das Schwimmen mit offenen Wunden sowie Schlucken von Meerwasser vermeiden. Vibrionen können sich auch in Meeresfrüchten befinden, was vor allem bei Rohverzehr für Magen-Darm-Beschwerden sorgen kann. Die Infektion mit Vibrionen ist seit 2020 meldepflichtig, allerdings wird sie häufig nicht erkannt. 

Algentoxine

Mit den sogenannten Algentoxinen könnte sich eine weitere Bedrohung durch steigende Wassertemperaturen entwickeln. Dabei handelt es sich um natürliche, chemische Verbindungen, die von verschiedenen Algenarten produziert werden. Wenn sie in verzehrten Meeresfrüchten enthalten sind, können sie zum Gesundheitsrisiko werden. Je nach Art können sie Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Juckreiz, Muskelschmerzen, aber auch Nervenschädigungen hervorrufen.

Protozoen

Protozoen (z. B. Giardien) sind einzellige, mikroskopisch kleine Lebewesen, die sowohl in Gewässern und Böden, aber auch in tierischen oder menschlichen Körpern vorkommen. Durch Überflutungen können besonders viele davon aus dem Boden oder aus Abwässern gespült werden und in Badegewässer gelangen. Es gibt viele verschiedene Arten, einige können für den Menschen gesundheitsschädlich sein. Die Übertragung erfolgt in der Regel auf dem fäkal-oralen Weg, die Protozoen gelangen also in den Körper, wenn kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel geschluckt werden. Die Symptome variieren je nach Protozoon und können von leichten Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen reichen.

Weiterführende Informationen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Überblick über lebensmittelbedingte Infektionen und Intoxikationen

Verbraucherzentrale: Lebensmittelinfektionen: Höhere Empfindlichkeit bei Risikopersone

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