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Nicht ohne Nasenspray und Benzos?!

Die Wenigsten denken an eine Medikamentenabhängigkeit, wenn sie ihr Nasenspray in die Handtasche packen. Doch etwa 2,7 Millionen Deutsche zwischen 18 und 60 Jahren nehmen Medikamente in schädlichen Mengen ein oder sind süchtig danach.

Es ist unangenehm, wenn die Nase verstopft ist oder läuft. Vor allem Allergiker rechtfertigen sich seit Corona oft schon vorausschauend. Sie wissen: Ein Nasenspray soll nicht länger als 7 Tage genommen werden, auch wenn es frei verkäuflich ist. Der Langzeitgebrauch kann die Geruchszellen dauerhaft schädigen und zu einer sogenannten „Stinknase“ führen. Sind körperliche oder psychische Folgeschäden aufgetreten, spricht man von schädlichem Gebrauch.

Der Missbrauch rezeptfreier Schmerzmittel führt seltener zu einer psychischen, aber oft zu einer körperlichen Abhängigkeit. Statistisch betrifft das meist Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, aber auch Abführmittel, abschwellende Nasensprays, Diuretika und alkoholhaltige Arzneimittel.

Von beginnendem Missbrauch, ist die Rede, wenn Medikamente

  • für eine Erkrankung oder Symptome eingenommen werden, für die sie nicht bestimmt sind,
  • in einer höheren Dosis als verordnet angewendet werden,
  • in einer anderen Anwendungsform genutzt werden als vorgegeben
  • über einen längeren Zeitraum als verschrieben eingenommen werden.
     

Wird der Missbrauch länger betrieben, gewöhnen sich die Einnehmenden an das Medikament und werden abhängig. Sehr schnell kann das bei hoch dosierten Benzodiazepinen oder Schlafmitteln gehen. Gefährdet sind hier vor allem ältere Menschen, häufiger Frauen als Männer, sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie anderen Suchterkrankungen. Etwa zwei Drittel aller medikamentenabhängigen Frauen sind über 65 Jahre alt. 20- bis 40-Jährige neigen eher dazu, von opioidhaltigen Schmerzmitteln abhängig zu werden, hier Männer mehr als Frauen.

Etwa 4 bis 5 % aller häufig verordneten rezeptpflichtigen Medikamente können abhängig machen. Das betrifft vor allem opioidhaltige Schmerzmittel, Benzodiazepine oder Z-Substanzen (z. B. Zopiclon).
 

Was sagt die Statistik und welche Faktoren begünstigen eine Medikamentensucht?

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) waren im Jahr 2005 schätzungsweise 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen von Medikamenten mit Suchtpotenzial abhängig, davon 1,1 bis 1,2 von Benzodiazepinen. Derzeit gehen Experten von 2,7 Millionen Medikamentenabhängigen zwischen 18 und 60 Jahren bundesweit aus. Obwohl das Risiko der Medikamentensucht im Alter bekannt ist, liegen kaum aktuelle Zahlen zur Altersgruppe über 64 Jahre vor. Lebensereignisse wie der Eintritt in den Ruhestand, die Wechseljahre oder Verlusterlebnisse, aber auch chronische Erkrankungen können unbeabsichtigt den Weg in die Abhängigkeit bahnen. „Die ‚Medikamentensucht‘ ist [daher] insbesondere ein Problem von Frauen im höheren Alter, bei denen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren vor allem von Allgemeinärzten aus unterschiedlichen Gründen eine Therapie mit hauptsächlich benzodiazepinhaltigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln begonnen und nicht rechtzeitig unterbrochen wurde“, so das alarmierende Fazit zur Medikamentenabhängigkeit der Deutschen Hauptstelle für Suchtmedizin.
 

Wann spricht man von einer Medikamentenabhängigkeit?

Von einer Medikamentenabhängigkeit ist auszugehen, wenn 3 der folgenden 6 Kriterien im vergangenen Jahr erfüllt waren.

  • Starker Wunsch und/oder Zwang, das Medikament zu konsumieren
  • Verlust der Kontrolle über Beginn, Menge und/oder Ende der Einnahme
  • Körperliche Entzugssymptome bei beendetem oder verringertem Konsum
  • Bedarf von zunehmend höheren Dosen, um die gewünschte Wirkung des Medikaments zu erzielen
  • Verstärkte Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums; erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen oder sich von den Folgen des Konsums zu erholen
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz eindeutiger körperlicher oder psychischer Schäden, die dem Konsumenten oder der Konsumentin bewusst sind
     

Hier können Sie als MFA aufmerksam sein und – in Absprache mit den ärztlichen Vorgesetzten – sensibel mit Patientinnen oder Patienten sprechen, damit Entzugs-, Entwöhnungs- und ggf. psychotherapeutische Maßnahmen eingeleitet werden können.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Medikamentenmissbrauch in der Arztpraxis? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung: redaktion@pkv-institut.de

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