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Nur noch 4 Tage arbeiten – sinnvoll oder Schnapsidee?

Circa die Hälfte der Beschäftigten arbeitet mehr als ihnen lieb ist. Und tatsächlich: Längere Arbeitszeiten führen nicht zwangsläufig zu mehr Leistung. Mehrere Modellprojekte und Studien zeigen, dass eine 4-Tage-Woche Vorteile haben kann. Doch welche genau, hängt davon ab, wie die Arbeitszeitreduktion gestaltet wird.

Kürzere Arbeitszeiten: Ein Trend

Befragungen ergeben immer wieder, dass ungefähr die Hälfte der Menschen gefühlt zu viel arbeitet. Man könnte auch sagen: Ihre Work-Life-Balance ist nicht im Gleichgewicht. Das ist aber nicht nur ein subjektives Problem oder ein Zeichen für eine zu geringe Belastbarkeit. Wer zu viel arbeitet, gefährdet auch die eigene Gesundheit. So kam eine Studie von 2021 zu dem Ergebnis, dass das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle ab einer Wochenarbeitszeit von 55 Stunden deutlich steigt.

Den Trend zu kürzeren Arbeitszeiten gibt es schon lange. So war es bis Anfang des 20. Jahrhunderts üblich, 6 Tage in der Woche zu arbeiten. Nicht zuletzt, weil es für jüdische Beschäftigte unter diesen Umständen nicht möglich war, den Sabbat abzuhalten, führten viele Unternehmen ab den 1930er-Jahren die 5-Tage-Woche ein. Arbeiteten die Menschen damals oft noch 60 Stunden pro Woche, reduzierte sich die Arbeitszeit immer weiter. Die maximale Arbeitszeit liegt heute bei 8 Stunden pro Tag. Das ergibt bei einer 5-Tage-Woche 40 Stunden pro Woche.

Die Idee, die Arbeitszeit auf 4 Tage pro Woche zu begrenzen ist nicht neu, doch immer mehr Unternehmen bieten ihren Beschäftigten die Verkürzung der Arbeitszeit an. Nicht nur große Firmen wie Microsoft, auch kleinere Betriebe versprechen sich davon viele Vorteile.
 

Unterschiedliche Modelle

4-Tage-Woche ist nicht gleich 4-Tage-Woche. In manchen Modellen wird die Wochenarbeitszeit nicht reduziert. Die Beschäftigten arbeiten genauso viele Stunden, verteilen sie aber auf weniger Tage. In anderen Modellen reduziert sich die Arbeitszeit und damit auch das Einkommen. So wie bei den in Deutschland gängigen Teilzeitmodellen. In anderen Modellen arbeiten die Beschäftigten weniger Stunden an weniger Tagen bei vollem Lohnausgleich. Deshalb lassen sich die Ergebnisse aus Studien und Modellprojekten nicht immer leicht miteinander vergleichen.

So testeten 2.500 isländische Vollzeit-Beschäftigte aus Behörden, Pflege- und Bildungseinrichtungen die 4-Tage-Woche zwischen 2015 und 2019. In Großbritannien probierten 3.300 Arbeitnehmerinnen aus 70 Firmen im letzten Jahr für 6 Monate aus, was passiert, wenn man einen Tag pro Woche weniger arbeitet. In Spanien arbeiten seit Herbst 2021 6.000 Beschäftigte für ein Jahr nur noch 4 Tage in der Woche und Belgien ermöglicht seit dem Frühjahr 2022 die flexible Wahl zwischen einer 4- oder 5-Tage-Woche.

Auch in Deutschland wird mit 4-Tage-Wochen experimentiert. In Sachsen-Anhalt sogar an 12 Schulen. Dort wird der fünfte Tag für hybriden und digitalen Unterricht genutzt. Nun forderte der Virchowbund, eine 4-Tage-Woche für Arztpraxen einzuführen. Sein Vorschlag: Mittwochs sollen die Praxen geschlossen bleiben, um bürokratische Aufgaben zu erledigen und sich fortzubilden. Das ist bei genauer Betrachtung aber keine Arbeitszeitreduktion für die Praxisteams, sondern eher eine Leistungskürzung gegenüber den Krankenkassen. Ob sich damit das Ziel erreichen lässt, dass Arztpraxen Kosten einsparen, bleibt fraglich.
 

Vorteile einer 4-Tage-Woche

Trotzdem sehen viele eine 4-Tage-Woche prinzipiell sehr positiv. Umfragen ergaben, dass mehr als die Hälfte der Befragten für die Verkürzung der Arbeitszeit sogar finanzielle Einbußen in Kauf nehmen würde. Die Ergebnisse aus Modellprojekten und Studien liefern dafür auch Argumente: Die Arbeitszeitreduktion hat einige Vorteile. Trotzdem muss man nicht im vorauseilenden Gehorsam eine Lohnkürzung hinnehmen. Denn der isländische Versuch zeigte, dass die Produktivität auch bei einer kürzeren Arbeitszeit gleich hoch bleibt oder sogar zunimmt. Auch die Zwischenergebnisse aus Großbritannien bestätigen diesen Effekt.

Insgesamt zeigen die Modellprojekte und Studien, dass sich Motivation, Gesundheit, Teamgeist und Zufriedenheit durch die Arbeitszeitverkürzung verbessern. Das führen die Forscherinnen vor allem darauf zurück, dass Menschen durch den zusätzlichen freien Tag mehr Zeit für sich selbst, für die Familie und für notwendige Organisationsaufgaben haben, die sie ansonsten unter Zeitdruck während der Arbeitszeit erledigen müssten.

Arbeitspsychologen weisen jedoch darauf hin, dass für eine erfolgreiche Umstellung auf eine 4-Tage-Woche einige Bedingungen erfüllt sein müssen. Denn sonst besteht das Risiko der Überarbeitung. Unternehmen, die Arbeitszeiten reduzieren wollen, müssen ihre Arbeitsabläufe überdenken und ihre Priorität auf Zeitmanagement legen. Dazu gehört die gründliche Analyse der zu erledigenden Aufgaben, Reflexion über Pausenzeiten und Meetings und die Frage, ob sich Aufgaben delegieren oder auslagern lassen. Und nicht zuletzt muss geprüft werden, ob zusätzliches Personal gebraucht wird, wenn ein Teil des Teams nur noch an 4 Tagen in der Woche arbeitet.

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