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Polio-Impfschutz ist nach wie vor wichtig

Kinderlähmung. Ist die nicht längst ausgestorben? Nicht ganz. Vor 20 Jahren erklärte die WHO Europa für frei von Poliomyelitis. Aber aus Ländern mit unzureichendem Impfschutz kann die durch Viren übertragene Erkrankung neu übertragen werden. Der heutige Welt-Polio-Tag am 28. Oktober erinnert daran, die Immunisierung regelmäßig zu prüfen.

Die Poliomyelitis, auch Heine-Medin-Krankheit genannt, ist überwiegend als spinale Kinderlähmung bekannt. Der Begriff verkennt jedoch, dass sich auch Erwachsene anstecken können. Obwohl in Deutschland seit 1990 und in Europa seit 2002 fast keine Fälle mehr auftraten, bleibt der Impfschutz so lange dauerhaft wichtig, bis weltweit keine Übertragungen mehr stattfinden. „In einer ungeimpften Bevölkerung könnte sich der Erreger bei Einschleppung aus dem Ausland sonst wieder ausbreiten“, warnt das Robert Koch-Institut und erinnert an schwere Polio-Ausbrüche wie im Jahr 2010 in Tadschikistan. „Eine Impfquote von > 95 % kann eine Ausbreitung des Virus und somit größere Ausbrüche verhindern. Wenn diese Quote nicht erreicht wird, besteht auch in als poliofrei zertifizierten Ländern das Risiko eines erneuten Auftretens von Erkrankungsfällen“, so das RKI.

Den Polio-Impfstoff hat der US-amerikanische Bakteriologe Jonas Salk entdeckt. Zu seinen Ehren riefen UNICEF und WHO erstmals 1998 den Welt-Polio-Tag 2022 an seinem Geburtstag aus.
 

Eliminierung der Polio schwieriger als gedacht

Das Epidemiologische Bulletin 41/2022 des RKI ist am 13. Oktober 2022 unter dem Titel „Zum Stand der weltweiten Polio-Eradikation im Jahr 2022“ erschienen und kann kostenlos heruntergeladen werden. Einleitend heißt es: „Poliomyelitis ist eine fäkal-oral übertragbare Erkrankung, die Kinder und Erwachsene betrifft und lebenslange gesundheitliche Einschränkungen hervorrufen kann. Seit 2014 erklärt die WHO die Ausbreitung der Polioviren zu einer gesundheitspolitischen Notlage von internationaler Bedeutung. Obwohl durch den Einsatz des oralen Polio-Impfstoffs der Rückgang der Poliofälle weltweit um über 99 % möglich war, gestaltet sich die angestrebte Eradikation [komplette Auslöschung, Anm. d. Red.] der Poliomyelitis deutlich schwieriger als zunächst angenommen. Die Impfviren können mutieren und bei nicht ausreichendem Impfschutz in der Bevölkerung zirkulieren. Im Vorfeld des diesjährigen Weltpoliotages beschreibt dieser Bericht die Verbreitung von Poliowildviren und zirkulierenden impfstoffabgeleiteten Polioviren sowie die Möglichkeit der Abwassersurveillance als Frühwarnsystem.“
 

Ansteckung und Krankheitsverlauf

Polio-Viren zählen zu den Enteroviren. Sie werden mit dem Stuhl ausgeschieden und vorwiegend durch Schmierinfektion (Stuhl-Hand-Mund) übertragen. Durch Husten und Niesen ist eine Ansteckung per Tröpfcheninfektion möglich. Auch verschmutztes Trinkwasser kann eine Infektionsquelle sein.

Zwischen Infektion und Erkrankung können 3 bis 35 Tage liegen. Die meisten Infizierten (95 %) bemerken keine Symptome. Bei 5 % treten Fieber, Hals- und Kopfschmerzen auf. Bei jedem 100. bis 1.000. Infizierten kommt es zu bleibenden, schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskulatur, schlimmstenfalls auch der Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur. Lähmungen und Schwächungen der Muskulatur können noch lange (bis Jahrzehnte) nach einer Ansteckung auftreten. Für die Poliomyelitis und das Post-Polio-Syndrom gibt es keine Therapien.
 

Was die STIKO empfiehlt

Säuglinge werden in der Regel mit 2, 4 und 11 Monaten gegen Kinderlähmung geimpft. Jugendliche und Erwachsene, die nicht oder unzureichend grundimmunisiert sind, sollen dies nachholen bzw. Auffrischimpfungen gegen Polio erhalten. Die niedrigsten Impfquoten wurden 2021 übrigens in Baden-Württemberg (87 %) und Bayern (87,3 %) ermittelt.

Wer in Deutschland lebt, grundimmunisiert ist und eine Auffrischimpfung erhalten hat, benötigt keine weiteren Impfungen gegen Polio. In ihren jährlich erscheinenden Impfempfehlungen weist die STIKO darauf hin, was für nicht oder unvollständig geimpfte Personen verschiedener Altersgruppen empfohlen wird. Personen, die beruflich einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, sollen alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung bekommen. Vor Reisen in Gebiete mit Infektionsrisiko ist der Impfstatus dringend zu überprüfen. Das RKI betont: „Jeder Arztbesuch sollte daher genutzt werden, um den Impfausweis zu überprüfen und eventuelle Impflücken rasch zu schließen.“

Häufig gestellte Fragen zur Polio-Impfung beantwortet das RKI hier.

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