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So stoppen Sie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Fühlten Sie sich als MFA schon einmal durch einen Patienten sexuell belästigt? Dann sind Sie nicht allein. Anzügliche Gesten, schmutzige Witze, zweideutige Sprüche, unerwünschte Komplimente, aufdringliche Fragen und körperliche Berührungen sind für viele Frauen im Gesundheitswesen an der Tagesordnung. Lassen Sie ein solches Verhalten nicht zu! Nehmen Sie Ihren Praxisinhaber in die Pflicht. Wegschauen gilt nicht.

Eine Umfrage der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bringt es an den Tag: Sexuelle Belästigung und Gewalt durch Patientinnen und Patienten kommen häufig vor. Opfer sind häufig Frauen, doch auch Männer in Gesundheitsberufen werden sexuell belästigt. In der Umfrage gaben etwa 63 % der Befragten an, in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal nonverbale sexuelle Belästigung und Gewalt wie obszöne Gesten oder Entblößungen erlebt zu haben. 49 % berichteten von körperlichen Grenzüberschreitungen wie Umarmungen, Berührungen oder Küssen. In 3,8 % der Arztpraxen geschieht dies „alle paar Tage“.
 

Tabus helfen nicht, um den Missstand zu beenden

Sexueller Belästigung ausgesetzt zu sein hat für die Betroffenen schwere Folgen. Die Befragten gaben an, zum Teil unter psychosomatischen Beschwerden, emotionaler Erschöpfung oder Depressivität zu leiden. Das soll nicht sein! Niemand darf sexueller Belästigung und Gewalt ausgesetzt sein. Doch nur wenn das Thema aus der Tabuzone kommt, lassen sich sexuelle Übergriffe stoppen. In Ihrer Praxis können Sie dazu einiges tun:
 

  • Informieren Sie die Praxisleitung, sobald es einen konkreten Fall gibt, und sprechen Sie das Thema offen an. Es gibt keinen Grund zur Scham.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Leitung den Fall ernst nimmt. Hier müssen Ihre Vorgesetzten Haltung zeigen und Ihnen den Rücken stärken. Es hilft nichts, das Thema kleinzureden oder abzustreiten.
  • Weisen Sie übergriffige Personen eindeutig in ihre Schranken. Halten Sie dabei Blickkontakt und entschärfen Sie die Situation nicht durch einen Scherz. Humor würde das übergriffige Verhalten eher bestärken.
  • Machen Sie heftige Belästigungen sofort öffentlich, z. B. durch einen Satz wie „Nehmen Sie Ihre Finger da weg – sofort!“.
  • Werden Sie auch dann aktiv, wenn Sie einem Patienten keine böse Absicht unterstellen. Es geht um Sie und Ihre Gesundheit. Auch unabsichtliche Belästigungen müssen ernstgenommen werden.
  • Benennen Sie in der Praxis eine Vertrauensperson, an die sich alle wenden können.
  • Dokumentieren Sie jeden einzelnen Vorfall mit Datum, Uhrzeit und einer kurzen Beschreibung. So können Sie sich rechtlich absichern und ermitteln, wie hoch die Gefährdung in Ihrer Praxis ist.
  • Bringen Sie sexuelle Belästigungen zur Anzeige, wenn sie von strafrechtlicher Bedeutung sind. Das trifft z. B. zu, wenn jemand Gewalt anwendet.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Team nicht an der Belastung zerbricht. Das kann passieren, wenn eine Kollegin wiederholt belästigt wird, das Thema aber verschweigt und sich abkoppelt. Oder aber sie spricht darüber, wird aber von ihren Kolleginnen nicht ernst genommen. Noch schlimmer ist, eine Kollegin für die ihr widerfahrene Belästigung verantwortlich zu machen. „Selbst schuld“-Vorwürfe bringen nicht weiter, sondern zerstören ein Team.
  • Lassen Sie sich in einer Frauenberatungsstelle beraten. Dort gibt es auch Informationsmaterial.

Wir beraten Sie gerne

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E-Mail: info@pkv-institut.de

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