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Therapy Speech: Wenn Diagnosen zu Schlagwörtern werden

Trigger, Narzisst, Trauma - früher Fachbegriffe aus Psychotherapie und Psychiatrie, heute Teil der alltäglichen Sprache. Auf Social Media ebenso wie im persönlichen Gespräch. Doch welche Auswirkungen hat es, wenn klinische Begriffe inflationär und oft ungenau verwendet werden?

Viele leichtfertig genutzte Begriffe oder Formulierungen beschreiben ernsthafte psychische Zustände. Das hat zwei Seiten: Einerseits werden schwere Erkrankungen verharmlost und medizinische Laien drücken anderen ohne fachliche Kenntnisse einen Stempel auf. Andererseits übernehmen Sprechende schnell eine Opferrolle („Ich wurde von einem Narzissten verletzt“), ohne die komplexen Hintergründe solcher Diagnosen zu berücksichtigen. Beides kann den Blick auf echte psychische Belastungen verzerren.

Wie wir Dinge benennen, beeinflusst auch, wie wir sie sehen. Wenn schnell alles „traumatisch“ ist oder ungewöhnliches Verhalten direkt als „autistisch“ eingeordnet wird, geraten die Maßstäbe durcheinander.
 

Die echte Bedeutung

Viele psychologische Fachausdrücke werden im Alltag ganz selbstverständlich benutzt, oft verkürzt oder in falschem Zusammenhang. Manchmal geht dabei die ursprüngliche Bedeutung etwas verloren. Hier ein Überblick, was hinter oft gemachten Aussagen wirklich steckt:
 

„Das hat mich getriggert“

Ein Trigger ist in der Psychologie ein Reiz, der intensive emotionale Reaktionen auslöst, häufig im Zusammenhang mit belastenden Erfahrungen. Ein Beispiel: Eine Frau kommt an den Ort zurück, an dem sie sexuellen Missbrauch erfahren hat. Im Alltag wird der Begriff mittlerweile jedoch oft schon für leichte Verärgerung genutzt.
 

„Ich hab´ ein Trauma“

Ein Trauma bezeichnet eine seelische Verletzung durch extrem belastende Ereignisse, etwa Gewalt, Missbrauch, starkes Mobbing oder schwere Unfälle. Folgen sind oft tiefgreifende Ängste oder Depressionen. Heute sprechen viele schon von einem Trauma, wenn etwas nicht so ablief, wie sie es sich vorgestellt haben. 
 

„Da kriege ich direkt einen Flashback“

Von einem Flashback spricht man, wenn sich Betroffene plötzlich intensiv an ein traumatisches Erlebnis zurückerinnern. Meistens ist das verbunden mit starken körperlichen und emotionalen Reaktionen. Nur, weil man sich an eine unschöne Situation, z. B. einen Streit, erinnert, hat man noch lange keinen Flashback. 
 

„Die Beziehung ist so toxisch“

Dieser Begriff wird häufig verwendet, um belastende Beziehungen zu beschreiben. In der Fachsprache spielt er allerdings kaum eine Rolle, weil er wenig konkret ist. Gemeint sein kann vieles: von anstrengender Kommunikation bis hin zu emotional verletzendem Verhalten. Um eine Beziehung zu stabilisieren, ist eine genaue Betrachtung des Zusammenspiels aller Beteiligten wichtig. 
 

„Der ist doch ein Narzisst“

Narzissmus ist in der Psychologie ein Persönlichkeitsmerkmal, das in ausgeprägter Form Teil einer Persönlichkeitsstörung sein kann. Es gibt dafür ein spezielles Diagnoseverfahren. Im Alltag wird „Narzisst“ jedoch derzeit oft als Pauschalurteil für egoistisches Verhalten genutzt. 
 

„Die ist autistisch“

Autismus ist eine neurologische Entwicklungsbesonderheit. Menschen mit Autismus nehmen ihre Umwelt oft anders wahr, haben spezifische Bedürfnisse in der Kommunikation und zeigen mitunter besondere Interessen oder Routinen. Im Alltag wird „autistisch“ jedoch häufig verwendet, um vermeintlich unsoziales, zurückgezogenes oder „komisches“ Verhalten zu beschreiben. Das ist problematisch, weil es ein komplexes und sehr individuelles Spektrum auf ein Klischee reduziert und gleichzeitig abwertend wirkt. 
 

„Er verhält sich schizophren“

Anders als viele denken, bezeichnet Schizophrenie keine gespaltene Persönlichkeit, sondern ist eine schwere psychische Erkrankung. Sie geht mit Wahrnehmungsveränderungen, Denkstörungen oder Wahnvorstellungen einher. Im Alltag wird „schizophren“ häufig genutzt, um widersprüchliches Verhalten oder Meinungswechsel zu beschreiben. Diese Verwendung ist fachlich falsch und verharmlost die Realität von Menschen, die mit dieser Erkrankung leben.

 

MT

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