| Magazin

Von Blei bis Kokain – giftige Inhaltsstoffe vergangener Zeiten

Vegan, pflanzlich, ohne chemische Zusätze – viele Menschen achten heute genau auf die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, Arzneien und Beautyprodukten. Schließlich sollen sie nicht nur wirken, sondern möglichst auch keine unerwünschten Nebenwirkungen zeigen. Umso erstaunlicher, welche gefährlichen Substanzen in der Vergangenheit bedenkenlos angewendet wurden.

Nur einen Tag nachdem Ludwig van Beethoven gestorben war, wurde eine Autopsie durchgeführt. Dabei kam heraus, dass der berühmte Komponist eine zirrhotische Leber hatte, wahrscheinlich ausgelöst durch einen hohen Alkoholkonsum. Doch nicht nur der reine Alkohol hatte die Schädigung verursacht. Damals wurde der Wein häufig mit sogenanntem „Bleizucker“ gesüßt, eine chemische Verbindung aus Essigsäure und Blei. Sie löst sich gut in Flüssigkeiten auf und hat einen süßlichen Geschmack. Wie das Ärzteblatt berichtet, hat der Labormediziner Nader Rifai vom Boston Children´s Hospital nun eine echte Locke Beethovens untersuchen können und bestätigte einen hohen Bleigehalt. Dies könnte der Grund für die hartnäckigen Magen-Darm-Probleme des Komponisten sein. Eventuell ist damit sogar seine Taubheit zu erklären. Hohe Bleiwerte können auch Nieren- und Gehirnschädigungen verursachen.
 

Wer schön sein will …

Doch Blei war nicht nur im Wein enthalten. Lange Zeit wurde es auch für verschiedene Kosmetika verwendet. Schon die auffälligen Kajalstriche der alten Ägypter sollen Blei enthalten haben. Die Damen im Römischen Reich ebenso wie der britische Hochadel benutzten bleihaltiges Puder, um das Gesicht aufzuhellen. Dass dadurch auf lange Sicht die Zähne verfaulten und die Haare büschelweise ausfielen, wurde erst später bekannt.

Blässe galt auch noch in den USA des 19. Jahrhunderts als edel und vornehm. Dabei helfen sollten u. a. die sogenannten „Arsenic Complexion Wafers“. Diese dünnen Waffeln enthielten tatsächlich Arsen, waren also hochgiftig und wurden wahrscheinlich deshalb irgendwann nicht mehr produziert.

Giftig war auch das Quecksilbersulfid Zinnober, dass die alten Ägypter und Römer gerne in ihre Lippenfarben mischten, um einen schönen, glänzenden Rotton zu erzeugen.

Große, glänzende Augen – dieses Schönheitsideal gilt bis heute und war auch für die Damen in Italien während der Renaissance erstrebenswert. Sie träufelten sich zu diesem Zweck Präparate, die Tollkirsche enthielten, in die Augen. Daher der botanische Name der hochgiftigen Pflanze: Belladonna, zu Deutsch „Schöne Frau“. Tatsächlich findet Tollkirsche auch heute noch in geringem Maße Verwendung in Arzneien zur Pupillenerweiterung für Augenuntersuchungen. Doch die Dosis, welche die italienischen Damen einst regelmäßig verwendeten, dürfte bei vielen zur schrittweisen Vergiftung und zu Sehstörungen geführt haben.

Auch die Entfernung unerwünschter Körperhaare ist keine Erscheinung der Neuzeit. Im Mittelalter soll gebrannter Kalk zur Enthaarung verwendet worden sein, gerne in Kombination mit etwas Arsen. Das Problem: Gebrannter Kalk wirkt stark ätzend, vor allem in Verbindung mit Wasser. Die Folge sind Hautverätzungen und eine Reizung der Atemwege und Schleimhäute.
 

Noch ein Löffelchen Heroin?

Im 19. Jahrhundert wurde Kokain als Arznei eingesetzt. Es sollte u. a. beim Morphinentzug und bei Depressionen helfen, was sogar Sigmund Freud genutzt haben soll. Auch in Coca Cola soll Gerüchten zufolge zu Anfang Kokain enthalten gewesen sein, daher soll die Limonade auch als Heilmittel gegen Melancholie und Schmerzen beliebt gewesen sein. Der Konzern bestreitet den Kokain-Zusatz aber bis heute vehement.

1898 wurde beim Reichspatentamt ein neues Medikament namens „Heroin“ von den „Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co“ registriert. Es half gegen Keuchhusten und diente auch als Schmerzmittel. Angst vor Nebenwirkungen hatte man damals nicht, schließlich war das Medikament ausführlich an Werksangehörigen und Kindern getestet worden. Erst nach einigen Jahren erkannten Mediziner die stark abhängig machende Wirkung von Heroin und es wurde vom Markt genommen.

Vertiefen Sie Ihr Fachwissen

…und entdecken Sie das Online-Seminar-Programm für MFAs und ZFAs.


Newsletter

Regelmäßige Neuigkeiten für Ihren Praxisalltag und zu interessanten Fortbildungen. Melden Sie sich an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.