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Wenn Zocken zur Sucht wird: Warnsignale bei Kindern und Jugendlichen erkennen

Hunderttausende junge Menschen in Deutschland zeigen ein problematisches Gaming-Verhalten. Warum digitale Spiele süchtig machen können, welche Warnsignale ernst genommen werden sollten und wo Betroffene Hilfe finden.

Spielsucht ist im ICD-11 nicht klassifiziert. Nur die Glücksspielstörung (offline 6C50.0; online 6C50.1) und gefährliches Computerspielen (QE22) haben Diagnoseschlüssel. Der Bundesdrogenbeauftragte weist darauf hin, dass es momentan nur wenige repräsentative Erhebungen und Zahlen zu Verhaltenssüchten gibt (Verhaltenssüchte sind Störungen und Krankheiten, bei denen ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Tätigkeit zwanghaft ausgeübt wird) , was u. a. daran liegt, dass die Phänomene unzureichend definiert sind. Lediglich über die Glücksspielsucht ist bekannt, wie verbreitet sie ist oder welche Folgeschäden sie verursacht. Laut aktuellem Glücksspielsurvey zeigen geschätzt mehr als 4 Millionen Erwachsene in Deutschland ein riskantes Spielverhalten bzw. eine Störung durch Glücksspiele. Minderjährige dürfen laut Jugendschutzgesetz nicht an Glücksspielen teilnehmen. Wer dagegen verstößt, riskiert hohe Bußgelder.

 

Online versus analog – Regeln dienen der Prävention

Für Kinder besteht der Alltag vorwiegend aus Spielen. Sie lernen so die Welt und sich selbst begreifen. Ob sie einen Turm aus Bausteinen immer höher bauen oder in der Puppenküche kochen – Spielen macht Freude. Nachwuchs, der sehr intensiv ins Spiel vertieft ist, sollte nicht abrupt zum Spielende aufgefordert werden, sondern mit angemessenem zeitlichen Vorlauf. 

Bedenklich ist, wenn bereits Kleinkinder mit Tablet oder Smartphone ruhiggestellt werden. Sprache, Motorik und soziale Fähigkeiten werden dadurch nachteilig beeinflusst. Kinder brauchen menschliche Zuwendung. Für unter Zweijährige sollten digitale Geräte generell tabu sein. Auch wenn die Kleinen das bunte Treiben auf dem Bildschirm toll finden – verstehen können sie es noch nicht. Für Drei- bis Sechsjährige sollte der Bildschirmkonsum nicht länger als eine halbe bis maximal eine Stunde erlaubt werden. Die Mediencoachs von !Schauhin formulieren für diese Altersgruppe diese goldenen Regeln bezüglich (Online-)Spielen:

  • Elektronischer Spielspaß nicht unter 3 Jahren
  • Über altersgerechte Angebote informieren, z. B. bei Internet-ABC oder dem Medienexperten Thomas Feibel
  • Spielzeiten begrenzen
  • Verhalten des Kindes beobachten, Veränderungen ansprechen
  • Keine Spiele mit Kostenfallen erlauben
  • Gemeinsam spielen
  • Sicherheitseinstellungen von Apps prüfen
  • Spiele nicht als Babysitter, Belohnungs- oder Bestrafungsmittel einsetzen
  • Für körperlichen Ausgleich sorgen
  • Geeignete Spiele recherchieren und testen
  • Persönliche Daten schützen

 

Empfehlungen für andere Altersgruppen finden sich z. B. auf dieser Website.

 

Mehr internetbezogene Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Über exzessives Halma-, Skat- oder Domino-Spielen hört man nie. Sucht-Expertinnen und Experten bezeichnen Medien- und Internetabhängigkeit als „die Droge der Zukunft“. Süchtiges Verhalten ist insbesondere durch Kontrollverlust, Priorität im Leben und Fortsetzen trotz negativer Konsequenzen charakterisiert. Seit der COVID-19-Pandemie wird in Deutschland vermehrt ein problematisches und pathologisches Nutzungsverhalten sozialer Medien, Games und Streaming-Diensten auch bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. Begünstigt auch durch Lockangebote und finanzielle Anreize. Symptomatisch sind Schlafprobleme, eine niedrigere Lebenszufriedenheit sowie Auswirkungen auf Aktivitäten und Hobbies. 

Der Erlebnisbericht 2024/2025 Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) nennt alarmierende Zahlen. Demnach betreiben 700.000 Kinder und Jugendliche bundesweit problematisches Gaming, 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche nutzen Social-Media besorgniserregend und 900.000 Kinder und Jugendliche zeigen ein problematisches Video-Streaming-Verhalten. 3,4 % der 10- bis 17-Jährigen erfüllten im Jahr 2024 die Diagnosekriterien einer Computerspielstörung (CSS). Mit 4,8 % waren Jungen mehr als doppelt so häufig betroffen wie Mädchen (1,9 %).

Spielen, bis der Arzt kommt?

Menschen, bei denen sich alle Gedanken nur noch darum drehen, wie sie ein Spiel gewinnen können oder wie sie Geld dafür beschaffen, sind spielsuchtgefährdet oder -betroffen. Weitere Kriterien sind:

  • Spieleinsätze werden permanent gesteigert (Kontrollverlust)
  • Versuche, das Spielen zu reduzieren, gelingen nicht
  • Unruhe oder Aggressivität beim Versuch das Spielen einzuschränken oder aufzugeben
  • Spielen zur Problemlösung oder zur Erleichterung
  • Weiterspielen, um Geldverluste „auszugleichen“
  • Lügen bezüglich Spielfrequenz, Geldeinsätze etc.
  • Verstricken in illegale Angelegenheiten zur Geldbeschaffung
  • Verlust von privatem Besitz, Arbeitsplatz oder Partnerschaft

 

Wer hilft? Von Selbsttest bis Beratung

Check dein Spiel heißt ein Online-Kurztest, der in 3 Fragen herausfindet, ob es aktuell Hinweise auf problematisches Spielverhalten gibt. Mit 20 Fragen etwas umfangreicher ist der Selbsttest der Anonymen Spieler (GA) Deutschland. Präsenz- und Online-Treffen für alle, die auf pathologisches Spielen verzichten wollen, eine Telefonberatung und weitere Angebote sind verfügbar. 

Paradox klingt, dass es Spiele gibt, mit denen Verhaltensänderungen angestoßen, Wissen vermittelt oder die mentale Gesundheit gefördert werden. Mehr zu diesen DG4H – Digital Games for Health hat die Computerspielschule Stuttgart zusammengetragen. Einen typischen Spielsuchteinstieg und -ausweg beschreibt ein Artikel der Deutschen Rentenversicherung Digitale Junkies – Hilfe bei Spielsucht.

 

Weitere Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten:

Aktiv gegen Mediensucht e.V. – Selbsthilfeplattform

Caritas – Sucht- und Schuldnerberatung u.a.

Deutsche Rentenversicherung – Reha bei Abhängigkeitserkrankungen

DigiSucht – digitale Beratung bei Spielsucht

Erste Hilfe Internet-Sucht – Hilfsangebote finden

Landeskoordinierungsstellen Glücksspielsucht – interaktive Karte unabhängiger Präventions- und Beratungsangebote bundesweit

MedienSuchtHilfe – Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ)

Rehaportal – Rehakliniken für Glücksspielsucht 

Die aktuelle Broschüre „Digitale Spiele pädagogisch beurteilt“ kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

 

DM

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