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Abnehmpille statt Abnehmspritze?

Abnehmspritzen haben mittlerweile einen festen Platz in der Behandlung von Adipositas. Nun kommt eine weitere Option hinzu: Der Wirkstoff Semaglutid soll in Deutschland bald auch als Tablette erhältlich sein. Doch für wen kommt sie infrage?

Der Wirkstoff Semaglutid ist in der Abnehmspritze Wegovy enthalten, die einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt wird. Er sorgt u. a. dafür, dass das Sättigungsgefühl länger anhält und der Appetit abnimmt.

Künftig gibt es Wegovy auch als Tablette. Die Europäische Kommission hat sie im Juli 2026 zugelassen. Deutschland soll zu den ersten europäischen Ländern gehören, in denen sie auf den Markt kommt. Die Einführung ist noch für 2026 geplant.

 

Täglich statt wöchentlich

Die Tablette ist vor allem für Menschen interessant, die sich nicht selbst spritzen möchten. Dafür muss sie täglich morgens nüchtern nach mindestens 8 Stunden ohne Nahrung eingenommen werden. Danach dürfen Patientinnen und Patienten mindestens 30 Minuten lang nichts essen oder trinken und keine anderen Medikamente einnehmen.

Zugelassen ist sie für Erwachsene mit einem BMI ab 30 sowie ab einem BMI von 27, wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe vorliegt. Wie die Spritze ist die Tablette verschreibungspflichtig und sollte mit kalorienreduzierter Ernährung und Bewegung kombiniert werden.

 

Keine schnelle Lösung

Als Lifestyle-Medikament für ein paar Kilo weniger sind weder die Spritzen noch die Tabletten gedacht. Das zeigt auch eine Anfang 2026 veröffentlichte Metaanalyse mit mehr als 9.000 Teilnehmenden: Nach dem Absetzen von Medikamenten zur Gewichtsreduktion nahmen sie durchschnittlich etwa 0,4 kg pro Monat wieder zu. Rechnerisch könnte das Ausgangsgewicht nach rund 1,7 Jahren wieder erreicht sein. Bei neueren Wirkstoffen wie Semaglutid und Tirzepatid verlief die Gewichtszunahme sogar schneller.

Nebenwirkungen bleiben Thema

Wie andere Medikamente können auch die Abnehm-Präparate Nebenwirkungen verursachen. Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung. In den USA beschäftigen mögliche schwere unerwünschte Wirkungen inzwischen auch die Gerichte. Zahlreiche Klagen gegen Novo Nordisk und Eli Lilly wurden zu Sammelverfahren gebündelt. Dabei geht es u. a. um schwere Magen-Darm-Komplikationen und Schädigungen der Augen. Ob die Beschwerden tatsächlich auf den Gebrauch der Abnehmspritzen zurückzuführen sind, muss nun juristisch geklärt werden.

 

Wer bezahlt die Behandlung?

Die Kosten für Arzneimittel zur Gewichtsreduktion werden in Deutschland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Das gilt auch bei behandlungsbedürftiger Adipositas. Anders ist es, wenn ein Wirkstoff für eine andere zugelassene Indikation eingesetzt wird. Semaglutid kann beispielsweise in Form von Ozempic oder Rybelsus zur Behandlung eines Typ-2-Diabetes verordnet werden, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. In diesem Fall übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Als Selbstzahlende kommen Interessierte dagegen teilweise erstaunlich einfach an die Medikamente. Testkäufe der Verbraucherzentralen zeigten 2026, dass einige telemedizinische Anbieter verschreibungspflichtige Abnehm-Medikamente bereits nach einem Online-Fragebogen vermittelten, teilweise ohne persönliche ärztliche Untersuchung.

 

Was MFAs raten können

Geht es Patientinnen und Patienten lediglich um einige unerwünschte Kilos, können Sie als MFA auf bewährte Alternativen hinweisen. Strukturierte Abnehm-Programme setzen auf Ernährung, Bewegung und langfristige Verhaltensänderungen statt auf eine kurzfristige Gewichtsabnahme.

Auch digitale Angebote können dabei helfen. Für bestimmte Indikationen gibt es vom BfArM geprüfte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die ärztlich verordnet werden können. Sie können dabei unterstützen, Gewohnheiten langfristig zu verändern und das Gewicht nachhaltig zu stabilisieren.

 

MT

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