

Ärztetag unter Schock: Medizinstudentinnen berichten von sexuellen Übergriffen

Auch manchen MFAs ist das Thema nicht fremd. In vielen Bereichen des Gesundheitswesens spielen auch heute noch Hierarchien, Machtgefälle und Grenzüberschreitungen eine Rolle (wir berichteten).
Den Anstoß für die aktuelle Debatte gaben 5 Medizinstudentinnen der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bmvd). Während des 130. Deutschen Ärztetags in Hannover schilderten sie in einer persönlichen Erklärung vor Publikum, was ihnen in den Tagen zuvor widerfahren war.
Das Deutsche Ärzteblatt berichtete als erstes Medium über die Vorfälle und führte konkrete Beispiele der jungen Frauen auf:
- Kommentare über ihr „hübsches Auftreten“
- Bemerkungen über Ausschnitte
- Hände auf Rücken und Gesäß
- Einladungen auf Hotelzimmer oder nach Hause
- Gespräche über Kinderwunsch und Stillen statt über berufspolitische Themen
Besonders deutlich war die Botschaft der Studentinnen: Sie wollten ihre Erfahrungen ausdrücklich nicht als Einzelfälle verstanden wissen, sondern als Hinweis auf ein strukturelles Problem.
Standing Ovations
Die Schilderungen lösten im Saal große Betroffenheit aus. Die Studentinnen erhielten minutenlangen Applaus. Viele Delegierte änderten spontan ihre Wortbeiträge und berichteten von eigenen Erfahrungen mit Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen.
Kein Randproblem: Zahlen des Marburger Bundes
Dass sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch im Gesundheitswesen ein weit verbreitetes Problem sind, zeigen auch aktuelle Daten des Marburger Bundes. In einer Umfrage unter mehr als 9.000 Ärztinnen und Ärzten berichtete fast jede bzw. jeder Zweite, innerhalb der vergangenen 12 Monate Machtmissbrauch durch Vorgesetzte erlebt zu haben.
Verbände mit klarer Haltung
In einem gemeinsamen Pressestatement erklärten die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Blumenthal-Beier, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen: „Wir danken den Medizinstudierenden für ihren Mut, über sexualisierte Übergriffe beim Deutschen Ärztetag gegenüber Mitgliedern ihrer Delegation zu berichten.“ Gegenüber sexualisierter Gewalt gelte ausnahmslos: Null Toleranz, jede Tat sei eine zu viel. Man müsse Strukturen kritisch prüfen und notwendige Veränderungen einleiten.
Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, erklärte, sexuelle Belästigung und körperliche Übergriffe seien mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.
Der 130. Deutsche Ärztetag hat das Thema Machtmissbrauch und sexualisierte Belästigung mit deutlichen Worten aufgegriffen. Die Delegierten machten klar, dass respektloser Umgang, Mobbing, öffentliche Bloßstellung und sexuelle Übergriffe keine Einzelfälle, sondern Ausdruck struktureller Probleme sind.
Vorfälle werden Konsequenzen haben
Im Deutschen Ärzteblatt zeigte sich der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, erschüttert: „Es tut mir außerordentlich leid, dass Ihnen das passiert ist. Es ist zutiefst verstörend, und wir werden uns daran machen, die Vorfälle aufzuklären.“
Er betonte, dass Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt in keiner Form hinnehmbar seien und den Grundwerten des ärztlichen Berufs widersprächen. Betroffene sollten dabei unterstützt werden, ihre Rechte durchzusetzen.
Zugleich kündigte Klaus Reinhardt an, dass die Bundesärztekammer an Schutzkonzepten, Selbstverpflichtungen und verbindlichen Compliance-Regeln arbeiten werde. Der Vorstand werde sich intensiv mit den notwendigen Konsequenzen befassen. Klar sei: Ein solches Verhalten müsse Folgen haben und dürfe sich nicht wiederholen.
MT
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