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Arbeiten am Limit: Warum Quiet Cracking zunimmt

Die Fehlzeiten bleiben hoch – doch viele Beschäftigte arbeiten weiterhin über ihre Belastungsgrenze hinaus. Neben Atemwegs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen sorgen vor allem psychische Leiden für lange Ausfallzeiten. Nach aktueller Studienlage gewinnt deshalb das Phänomen „Quiet Cracking“ zunehmend an Bedeutung.

Ein wichtiges Thema der Pronova-BKK-Studie und des BKK-Gesundheitsreports sind die Entwicklungen bei Arbeitsunfähigkeitszeiten. Die Fehlzeiten bleiben auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Besonders häufige Ursachen sind weiterhin:

  • Atemwegserkrankungen
  • Psychische Erkrankungen
  • Muskel-Skelett-Beschwerden

Auffällig ist die Rolle psychischer Belastungen. Sie führen zwar nicht zu den meisten, aber zu den längsten Krankschreibungen. Stress, Erschöpfung und emotionale Überforderung schlagen sich deutlich nieder.

Als MFA oder als ZFA kann das für Sie gleich in zweifacher Hinsicht wichtig sein. Zum einen für sich selbst, denn Ihr Job ist häufig mit einem hohen Stresslevel verbunden. Andererseits spiegeln sich diese Entwicklungen in Ihrem Praxisalltag wider, etwa wenn es um das Ausstellen von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen geht.

 

Krank zur Arbeit? Zwischen Pflichtgefühl und Selbstschutz

Die Studien zeigen: Die Schwelle zur Krankschreibung hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Während früher häufig durchgezogen wurde, ist heute die Bereitschaft größer, bei deutlicher Symptomatik zu Hause zu bleiben, vor allem bei jüngeren Arbeitnehmenden.

Gleichzeitig bleibt Präsentismus – also Arbeiten trotz Krankheit – ein Thema. Viele Beschäftigte geben an, aus Pflichtgefühl oder Personalmangel mit Beschwerden wie Erkältung, Rückenschmerzen oder psychischen Beschwerden dennoch zur Arbeit zu erscheinen. Gerade im Gesundheitswesen ist das weit verbreitet.

In Fachkreisen gilt dies als sogenannte Bettkantenentscheidung. Der Arbeitnehmende sitzt morgens auf der Bettkante und überlegt, ob er arbeiten geht oder nicht. Wie diese Entscheidung ausfällt, liegt oft neben dem Alter an der Zufriedenheit im Job sowie der eigenen Frustrationstoleranz und Fähigkeit zur Resilienz.

 

Dauerstress als Dauerzustand: Wenn Belastung zur Normalität wird

Ein weiterer Schwerpunkt des Arbeitsberichts liegt auf der wahrgenommenen Arbeitsbelastung. Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit und wachsende Anforderungen führen bei vielen Beschäftigten zu einem Gefühl permanenter Anspannung.

Besonders kritisch: Belastung wird häufig als normal empfunden. Wer dauerhaft an der Grenze arbeitet, merkt oft erst spät, wie sehr die eigene Gesundheit leidet. Als Beschäftigte im Gesundheitswesen gehören Sie vielleicht zu dieser Gruppe. Daher sollten Sie auf Warnzeichen achten und diese ernst nehmen, etwa Schlafstörungen, Gereiztheit, depressive Verstimmungen oder anhaltende Erschöpfung.

 

Quiet Cracking: Der schleichende Motivationsverlust im Team

Im Arbeitsbericht taucht auch ein relativ neuer Begriff auf: Quiet Cracking. Damit ist kein plötzlicher Rückzug gemeint, sondern ein schleichender innerer Bruch. Beschäftigte funktionieren nach außen weiter, innerlich jedoch entstehen Risse: Die Motivation sinkt, die Identifikation nimmt ab und die Frustration wächst. Anders als bei der klassischen „inneren Kündigung“ steht hier weniger bewusste Abgrenzung im Vordergrund, sondern vielmehr ein Gefühl des „Nicht-mehr-Könnens“.

Typische Anzeichen von Quiet Cracking:

  • emotionale Erschöpfung
  • Zynismus oder Gleichgültigkeit
  • sinkende Leistungszufriedenheit
  • Gefühl, den Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden

Die Ursachen für Quiet Cracking sind häufig Dauerbelastung, fehlende Wertschätzung oder mangelnde Entwicklungsperspektiven.

Kommt es bei einem oder mehreren Teammitgliedern zum Quiet Cracking, kann sich das auf das gesamte Arbeitsklima auswirken. Unausgesprochene Überforderung führt zu Spannungen, Missverständnissen oder erhöhter Fehleranfälligkeit.

Den größten Einfluss darauf, dass es erst gar nicht zu diesem Phänomen kommt, haben die Arbeitgebenden. Fast ein Viertel der Befragten berichtet von Schwierigkeiten im Verhältnis zu Vorgesetzten oder zur Leitungsebene. Etwa die Hälfte hat den Eindruck, dass Führungskräfte Erwartungen formulieren, die sie selbst nicht erfüllen. Ähnlich viele erleben eine ungleiche Behandlung im Arbeitsalltag. In Teams, in denen Wertschätzung, individuelle Förderung und gegenseitiges Verständnis vorherrschen, sind die Arbeitsmotivation und die Einsatzbereitschaft höher. 

 

MT

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