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Arbeiten wir zu wenig? Warum Telefon-AU und Teilzeit auf dem Prüfstand stehen

Der hohe Krankenstand in Deutschland rückt arbeitsmarkt- und gesundheitspolitische Regelungen erneut ins Zentrum der politischen Debatte. Insbesondere die telefonische Krankschreibung und der gesetzliche Anspruch auf Teilzeitarbeit werden derzeit kontrovers diskutiert. Während Teile der Politik und Arbeitgeberverbände Reformbedarf sehen, warnen ärztliche Organisationen und Sozialverbände vor vorschnellen Schlüssen. In diesem Beitrag ordnen wir für Sie die zentralen Argumente ein und zeigen, dass strukturelle Faktoren wie Gesundheit, Care-Arbeit und Arbeitsbedingungen einen Einfluss darauf haben, wie oft und wie lange sich Menschen krankmelden und ob sie in Teil- oder Vollzeit arbeiten.

Seit gut 2 Jahren können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer telefonisch bis zu 5 Tage krankschreiben lassen. Hintergrund: Ärztliche Praxen sollen entlastet und das Ansteckungsrisiko soll minimiert werden. Doch nun steht diese Möglichkeit auf dem Prüfstand. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte jüngst angeregt, diese Möglichkeit abzuschaffen, da sie seiner Ansicht nach zu einem überdurchschnittlich hohen Krankenstand beitrage. Diese Forderung kommt u. a. auch immer wieder von verschiedenen Arbeitgeberverbänden.
 

Kritik und Zustimmung 

Zahlreiche Verbände und Akteursgruppen aus dem Gesundheitswesen haben darauf reagiert. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg wies darauf hin, dass die Vermischung von Krankenstandszahlen und der Telefon-AU „irreführend“ sei. Vorstandschef Dr. Karsten Braun verteidigte die Ärztinnen und Ärzte gegen den Vorwurf, „Gefälligkeitsatteste“ auszustellen. Weiter betont er: Die telefonische AU-Bescheinigung spielt mit einem Prozent der AU-Fälle jedenfalls keine Rolle im Zusammenhang mit den vergleichsweise tatsächlich hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten in Deutschland.“ Sie sei gut für kranke Patientinnen und Patienten und schütze andere im Wartezimmer. 

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband positionierte sich öffentlich gegen die Kritik an der Telefon-AU. Verbandsvorsitzender Markus Beier macht in einer Stellungnahme klar: „Die Telefon-AU schafft Entlastung für unsere überfüllten Praxen – insbesondere in der Infektsaison. Gleichzeitig belegen unzählige Untersuchungen, dass die Zahl der Krankschreibungen durch die Telefon-AU nicht steigt. Auch die Krankenkassen sind klare Befürworter.“

Besonders die Zustimmung zur Abschaffung von Seiten des Kassenärztlichen Bundesverbandes (KBV) sorgt für Ärger bei den ärztlichen Verbänden und ihren Mitgliedern. Die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes bezeichnen dies als „absolut inakzeptabel“ und als „unglaublichen Vorgang“. 
 

Hohen Krankenstand verringern

Die Bundesregierung hat angekündigt, die Regelung überprüfen zu wollen. Gesundheitsministerin Nina Warken sprach von einer Überprüfung im Kontext der hohen Fehlzeiten. 

Statistiken aus aktuellen Krankenkassenberichten zeigen weiterhin hohe Krankentage. Laut Krankenstands-Analyse der DAK ist jeder Beschäftigte 19,5 Tage pro Jahr krankgeschrieben. Atemwegsprobleme, psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen führen die Liste der Krankschreibungsgründe an und waren zusammen für rund die Hälfte aller Ausfalltage verantwortlich. 
 

Diskussion um das Recht auf Teilzeit

Parallel zur Telefon-AU-Debatte hat der Wirtschaftsflügel der CDU einen Antrag für den CDU-Bundesparteitag Ende Februar angekündigt. Titel: „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“. Demnach solle es den bisherigen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit nur noch bei „besonderen Gründen“ wie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder beruflicher Weiterbildung geben. Viele Vertreter anderer Parteien stellten sich dagegen. Sie betonen, dass es für die meisten Teilzeitarbeitenden nicht um eine Lifestyle-Entscheidung gehe, sondern viel öfter familiäre Verpflichtungen dahinter stünden. Für viele Menschen sei eine Teilzeitbeschäftigung zudem die einzig mögliche Form der dauerhaften Erwerbstätigkeit, z. B. für chronisch Erkrankte.

Laut dem Statistischen Bundesamt arbeiten etwa 31 % der Angestellten hierzulande in Teilzeit. Das sind 50 % der Frauen und 13 % der Männer. Auch viele MFAs und ZFAs arbeiten eine verringerte Stundenanzahl, häufig wegen der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. 
 

Die Frage „Arbeiten wir zu wenig?“ greift zu kurz

Die im politischen Raum erhobene Behauptung, Deutschland arbeite zu wenig, lässt sich anhand der dargestellten Fakten nicht eindeutig belegen. Der Anteil der telefonischen Krankschreibung erklärt jedenfalls nicht ausreichend den hohen Krankenstand. Vielmehr deuten die Höhe des Krankenstands und der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigten auf gesundheitliche Belastungen, demografische Entwicklungen sowie ungelöste Vereinbarkeitsprobleme hin. Die Debatte zeigt daher weniger ein Defizit an Arbeitsbereitschaft als einen Reformbedarf bei Prävention, Arbeitsbedingungen und sozialer Infrastruktur.

Wir halten Sie zum Stand der Diskussion bei diesen – für ihre Praxis so relevanten – Themen auf dem Laufenden.

 

MT

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