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Berlin: Mücken übertragen West-Nil-Fieber

Eine Studie der Berliner Charité sorgt derzeit für Aufsehen. Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass das West-Nil-Virus inzwischen in Berlin endemisch geworden ist. Bei Untersuchungen von rund 24.000 Stechmücken fanden die Wissenschaftler teilweise überraschend hohe Infektionsraten. Besonders betroffen waren Wohngebiete mit großen Grünflächen und Friedhöfe.
Heimische Mücken, exotische Krankheit
Das Virus wird vor allem von der in Deutschland weit verbreiteten Gemeinen Hausmücke (Culex pipiens) übertragen. Es zirkuliert hauptsächlich zwischen Mücken und Vögeln. Doch auch Menschen und andere Säugetiere können gestochen und somit mit dem Virus infiziert werden. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) kam es bisher überwiegend im Osten Deutschlands zu Infektionen. Einzelne Fälle konnten allerdings auch auf andere Bundesländer zurückgeführt werden.
Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt. Die Forschenden gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt als die offiziell gemeldeten Fälle. Denn nur etwa jeder fünfte Erkrankte entwickelt grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In seltenen Fällen kann es zu einer Entzündung von Gehirn oder Hirnhäuten kommen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Mücken als Krankheitsüberträger
Wussten Sie, dass Stechmücken sich gar nicht ausschließlich von Blut ernähren? Nur die weiblichen Tiere saugen Blut, weil sie die darin enthaltenen Eiweiße für die Entwicklung ihrer Eier benötigen. Für ihren eigenen Energiebedarf ernähren sie sich von Pflanzensäften.
Sticht eine Mücke einen infizierten Menschen oder ein infiziertes Tier, können Krankheitserreger in ihren Körper gelangen. Manche Viren oder Parasiten vermehren sich anschließend in der Mücke und wandern in deren Speicheldrüsen. Beim nächsten Stich werden die Erreger zusammen mit dem Speichel an einen neuen Wirt weitergegeben.

Tigermücke auf dem Vormarsch
Besonders aufmerksam verfolgen Experten die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke. Die ursprünglich aus Südostasien stammende Art hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Regionen Europas etabliert. Auch in Deutschland werden die Populationen größer.
2026 wurde die erste Tigermücke bereits im Februar im Raum Bonn nachgewiesen. Normalerweise werden die Tiere erst deutlich später im Jahr aktiv. Fachleute sehen darin einen weiteren Effekt von milden Wintern und steigenden Temperaturen.
Die Tigermücke kann laut RKI verschiedene Krankheitserreger übertragen, darunter Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren. Bisher konnte noch keine Infektion dieser Krankheiten nachgewiesen werden, die in Deutschland stattgefunden hat. Doch laut Experten ist das vermutlich nur eine Frage der Zeit. Denn es müsste nur ein infizierter Reiserückkehrer von einer Mücke gestochen werden. Im Anschluss könnte diese durch Stiche andere Menschen infizieren.
Malaria bleibt eine Ausnahme
Weniger bekannt ist, dass laut RKI auch in Deutschland Anopheles-Mücken vorkommen. Dabei handelt es sich um jene Mückengattung, die weltweit Malaria überträgt. Malaria-Übertragungen sind in Deutschland bisher jedoch extrem selten.
Helfen Mückensprays noch zuverlässig?
Zum Schutz vor Mückenstichen werden vor allem sogenannte Anti-Mücken-Sprays mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin empfohlen. Außerdem hilft lange Kleidung aus weitem, festem Stoff. Fliegengitter an den Fenstern halten das Zuhause mückenfrei. Zudem sollte man das Anlegen von Brutstätten vermeiden. Schon in kleinen, ruhigen Wasseransammlungen in Blumentopfuntersetzern, Regentonnen oder Vogeltränken setzen Mücken gerne ihre Eier ab.
MT
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