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Chronische Schmerzen: Verstehen, begleiten und behandeln

Schmerzen sollen normalerweise warnen und wieder verschwinden, wenn ihre Ursache behoben ist. Doch chronische Schmerzen bleiben dauerhaft bestehen. Für Betroffene kann das den gesamten Alltag verändern. Hausärztliche Praxen sind häufig die erste und langfristig wichtigste Anlaufstelle.

Als chronische Schmerzen bezeichnet man üblicherweise Beschwerden, die länger als 3 Monate bestehen oder immer wiederkehren. Besonders häufig sind Rücken- und Gelenkschmerzen, aber auch neuropathische Schmerzen. 

Es können sehr unterschiedliche Erkrankungen hinter den Beschwerden stecken. Typische Beispiele sind Arthrose, chronische Rückenschmerzen und rheumatoide Arthritis. Auch Nervenschädigungen, etwa infolge von Diabetes oder bei einer Polyneuropathie, können dauerhafte Schmerzen verursachen. Bei Erkrankungen wie Fibromyalgie spielt dagegen eine veränderte Verarbeitung von Schmerzreizen im Nervensystem eine wesentliche Rolle.

 

Wenn der Schmerz zum eigenen Problem wird

Bei manchen Patientinnen und Patienten lässt sich die ursprüngliche Ursache der Schmerzen behandeln, doch die Beschwerden bleiben bestehen. Das Nervensystem kann durch anhaltende Schmerzreize empfindlicher werden. Folglich werden Reize dann schneller oder stärker als schmerzhaft wahrgenommen. 

Deshalb reicht es häufig nicht aus, ausschließlich nach einer körperlichen Ursache zu suchen oder Schmerzmittel zu verordnen. Die aktuelle DEGAM-Handlungsempfehlung orientiert sich am biopsychosozialen Schmerzmodell. Dieses besagt, dass körperliche, psychische und soziale Faktoren sich gegenseitig beeinflussen und Schmerzen verstärken oder aufrechterhalten können.

 

Schmerzen verändern den Alltag

Wer jeden Tag Schmerzen hat, bewegt sich häufig weniger, schläft schlechter und kann gewohnte Aktivitäten möglicherweise nicht mehr ausüben. Manche Betroffene ziehen sich zurück oder vermeiden aus Angst vor stärkeren Schmerzen bestimmte Bewegungen. Andere versuchen, möglichst lange durchzuhalten und überschreiten dabei regelmäßig ihre Belastungsgrenzen. Auch die Arbeitsfähigkeit kann stark unter den Beschwerden leiden.

Hinzu kommt die psychische Belastung. Chronische Schmerzen gehen häufiger mit Ängsten, depressiven Beschwerden und Schlafstörungen einher. Gleichzeitig können Stress und psychische Belastungen wiederum die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen beeinflussen. So kann ein Kreislauf entstehen, in dem sich physische und psychische Beschwerden gegenseitig verstärken.

Gerade deshalb kann es für Patientinnen und Patienten wichtig sein, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden. Das gilt auch dann, wenn Untersuchungen keine eindeutige Erklärung für die Stärke der Schmerzen liefern. Schmerz ist ein subjektives Erleben und lässt sich nicht immer anhand von Laborwerten oder bildgebenden Befunden beurteilen.

 

Empfundene Schmerzen ernst nehmen

Psychologische oder psychotherapeutische Unterstützung gehört bei chronischen Schmerzen häufig zur Behandlung. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden psychisch verursacht oder gar eingebildet sind. Vielmehr können Betroffene lernen, mit Schmerzen und ihren Folgen besser umzugehen.

Verhaltenstherapeutische Ansätze können beispielsweise dabei helfen, Angst vor Bewegung abzubauen, ungünstige Gedankenmuster zu erkennen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Auch Stressbewältigung und Entspannungsverfahren können Teil der Behandlung sein. Bei Hinweisen auf Depressionen, Angststörungen oder andere psychische Erkrankungen sollte zudem geprüft werden, ob eine gezielte psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung notwendig ist.

 

Was die Hausarztpraxis leisten kann

Die Behandlung chronischer Schmerzen besteht meist aus mehreren Bausteinen. Neben Medikamenten können Physio- und Ergotherapie, psychotherapeutische Verfahren und Entspannungstechniken sinnvoll sein. 

Hausärztliche Praxen können dabei eine wichtige Rolle in der Koordination übernehmen. Durch regelmäßige Verlaufskontrollen können sie prüfen, ob angestrebte Behandlungsziele erreicht werden, Medikamente wirken und vertragen werden und die vorgesehenen Maßnahmen im Alltag tatsächlich umsetzbar sind. Auch eine Überweisung in eine schmerztherapeutische Praxis, in eine Psychotherapie oder eine Rehabilitationsmaßnahme kann sinnvoll sein.

 

MT

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