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Deutliche Arbeitsverdichtung in der ambulanten Versorgung

Was Praxen deutschlandweit seit Monaten leisten, wird betriebswirtschaftlich Arbeitsverdichtung genannt. In anderen Worten: Der Begriff beschreibt „die Veränderung der Arbeitsdichte infolge neuer Anforderungen“. Die betrifft zwar nicht nur das Gesundheitswesen, aber es lohnt sich, die erbrachten Mehrleistungen im ambulanten Bereich einmal anzuschauen.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland legte einen neuen Trendreport vor. Er gibt Auskunft darüber, wie sich die vertragsärztlichen Leistungsinanspruchnahme während der COVID-19-Krise bis einschließlich 1. Halbjahr 2022 veränderte. Die Auswertung erfolgte mit Abrechnungsdaten aus dem Zeitraum 1. Quartal 2019 bis 2. Quartal 2022, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (außer Mecklenburg-Vorpommern) zur Verfügung stellten. Rückschlüsse auf einzelne Patienten oder Patientinnen waren nicht möglich, deshalb auch keine analytischen Vergleiche des individuellen Behandlungsgeschehens.

Leitfragen und ausgewertete Kategorien

Wie haben sich die Fallzahlen und die Anzahl abrechnender Ärzte sowie die Häufigkeiten bestimmter Leistungskategorien im Jahr 2020, 2021 und 2022 im Vergleich zum Jahr 2019 verändert? „Die Leistungskategorien wurden so ausgewählt, dass

• allgemeine persönliche Arzt-Patienten-Kontakte (Versicherten- und Grundpauschalen),
• als verschiebbar eingestufte Leistungen (z. B. Früherkennungsleistungen),
• als nicht verschiebbar eingestufte Leistungen (z. B. Dialyse),
• mittelbare Arzt-Patienten-Kontakte (telefonische Beratung) und
• telemedizinische Leistungen (Videosprechstunde) enthalten waren“, erklärt der 95-seitige Trendreport einführend.

Zusätzlich wurden die ab dem 2. Quartal 2020 im Zusammenhang mit COVID-19 in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommenen Gebührenordnungspositionen ausgewertet. Ab dem 1. Quartal 2021 eingeführte GOPs für Impfungen gegen COVID-19 wurden nicht integriert, da es sich dabei um nicht ausschließlich vertragsärztliche Abrechnungen handelt.

Ambulante Gesamtfallzahlen stark gestiegen

Während die Fallzahlen für die stationäre Behandlung in Krankenhäusern 2021 um 14% zurückgingen, stiegen die Gesamtfallzahlen in der ambulanten Versorgung auch im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 zum Teil deutlich.

Persönliche Arzt-Patienten-Kontakte bei den Hausärztinnen und Hausärzten lagen im 1. Quartal um 3,7 % bzw. 1,9 % im 2. Quartal 2022 über den Ausgangswerten von 2019. In der Kinder- und Jugendheilkunde wurden im 1. Quartal 2022 fast genauso viele Leistungen in Anspruch genommen wie 2019, aber im 2. Quartal 2022 wurde ein Plus von 4 % festgestellt. Fachärztliche Behandlungen legten um 5,8 % im 1.Quartal 2022 zu, im 2. Quartal nochmals um 0,4 % gegenüber 2019.

Plus und Minus bei Prävention

Im 1. Quartal 2022 wurden 16,5 %, im 2. Quartal 2022 8,8 % mehr Früherkennungskoloskopien als 2019 durchgeführt. Auch die Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern stiegen im Vergleichszeitraum um 0,7 % bzw. 2,8 %. Deutlich unter Ausgangswerten von 2019 lagen die Fallzahlen für das Mammographie-Screening und das Hautkrebsscreening.

Videosprechstunden und Telefonberatungen legen massiv zu

Im 1. Halbjahr 2019 wurden bundesweit 804 Videosprechstunden abgerechnet. Im 1. Halbjahr 2022 waren es insgesamt rund 1,6 Millionen – ein deutlicher Zuwachs. Telefonische Beratungen stiegen im Vergleichszeitraum von 2,4 Millionen auf 4,3 Millionen.

Hohe Wertschätzung der ambulanten medizinischen Versorgung

Der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, Dr. Dominik von Stillfried, sieht in der aktuellen Datenauswertung eine fortgeschrittene Ambulantisierung der Medizin durch die Pandemiejahre 2020 und 2021. Er sagte: „Dank der über 183.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie deren hoch engagierten Praxisteams läuft die ambulante Versorgung auch nach Abflauen der Pandemie weiter unter Volllast. Dass die Inanspruchnahme der rund 100.000 Praxen in der auslaufenden Corona-Pandemie zweitweise bis zu 5 % im Mittel gestiegen ist, setzt ein starkes Zeichen für die vertragsärztliche Regelversorgung.“ Das bestätige das hohe Vertrauen der Menschen in die ambulante medizinische Betreuung und Behandlung.

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