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Die RSV-Welle bei Kleinkindern bringt Intensivstationen an ihre Grenzen

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist weit verbreitet und kann bei Säuglingen und kleinen Kindern Bronchiolitis und Lungenentzündungen verursachen. Es ist einer der Hauptgründe für Krankenhausaufenthalte bei Kleinkindern. Für diesen Winter zeichnet sich eine so hohe Infektionswelle ab, dass Krankenhäuser an ihre Grenzen kommen könnten.

Mehr RSV-Infektionen als vor der Pandemie

Bereits im Spätsommer 2021 gab es unüblich viele Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) bei kleinen Kindern. Nun zeichnet sich ab, dass die Infektionswelle in diesem Herbst vergleichbar hoch oder noch höher als 2021 werden könnte. Eine Grafik, die im Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu Atemwegserkrankungen enthalten ist, zeigt, wie sich die Infektionslage derzeit entwickelt: Die Kurve steigt steil an.

Die Inzidenz der schweren akuten respiratorischen Infektionen (SARI) übersteigt seit der 36. Kalenderwoche die der Jahre vor der Pandemie. Vor allem in der Altersgruppe zwischen 0 und 4 Jahren nahmen die Krankheitsfälle deutlich zu. Dieses Phänomen lässt sich auf der ganzen Nordhalbkugel beobachten. Nach Schätzungen liegt die Inzidenz von RSV-Infektionen bei 48,5 Fälle pro 1000 Kinder im ersten Lebensjahr und 5,6 schweren Verläufen.
 


Medizinische Versorgung der Kinder ist in Gefahr

Wie hoch die Infektionswelle wird, lässt sich noch nicht sagen, aber viele Kinderärzte rechnen mit so vielen Fällen, dass die medizinische Versorgung nicht mehr sichergestellt sein könnte. Besonders die intensivmedizinischen Kapazitäten könnten nicht ausreichen. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) will in den nächsten Tagen Lösungsvorschläge machen. „Die Kollegen landauf landab wissen nicht, wohin mit den kleinen Patienten,“ sagte der Generalsekretär des DIVI, Florian Hoffman gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Hoffmann, der selbst Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München ist, sprach von katastrophalen Zuständen. Familien mit kranken Kindern müssten in den Notaufnahmen auf einer Pritsche schlafen. „Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland“, so Hoffmann. Viele Kinder seien so krank, dass sie beatmet werden müssten.

Strukturen, mit denen man die Notsituation abmildern könnte, seien nicht vorhanden. Eigentlich müsse man nun Personal von Erwachsenenstationen abziehen, um die Kinderstationen funktionsfähig zu halten. Die Situation in den Kliniken ist auch wegen der insgesamt angespannten Personalsituation prekär. Auf den Kinderstationen greift in diesem Jahr die Pflegepersonaluntergrenze, sodass bei einer Unterbesetzung Kinder verlegt oder Stationen ganz geschlossen werden müssen.
 

Immunitätslücken als Erklärung für die hohe Welle

An RSV kann man in jedem Alter erkranken, aber vor allem für kleine Kinder und Menschen mit Lungenerkrankungen kann das Virus gefährlich sein. In den Pandemiejahren zirkulierte RSV fast nicht, sodass auch werdende Mütter keinen Kontakt mit dem Virus hatten und deshalb der Nestschutz für Säuglinge Lücken aufweist. Das seltene Auftreten von RSV in den Pandemiejahren lag zum einen daran, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch gegen andere Erreger wirksam waren, und zum anderen daran, dass ein Mensch sich nicht gleichzeitig mit konkurrierenden Viren anstecken kann. Wird das Immunsystem aufgrund einer Infektion mit einem Atemwegserreger aktiviert, schüttet es Stoffe aus, die ganz allgemein gegen Atemwegsviren wirken.

Das Immunsystem benötigt entgegen der landläufigen Meinung kein spezielles Training, um zu funktionieren. So sagte der Oberarzt der Pädiatrischen Interdisziplinären Notaufnahme am Klinikum Stuttgart, Friedrich Reichert, in einem Interview gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk: "Das Immunsystem funktioniert super, auch nach den Maßnahmen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass ausbleibende Infekte das Immunsystem irgendwie schwächen würden."

Trotzdem kann es zu Immunitätslücken kommen, wenn der Kontakt zu einem Erreger schon lange zurückliegt. Außerdem kann es eine Rolle spielen, in welchem Alter ein Mensch zuerst Kontakt zu einem bestimmten Erreger hat – mit unterschiedlichen Folgen, die vom Erreger abhängen. Treten diese Immunitätslücken bei vergleichsweise vielen Menschen gleichzeitig auf, kann es zu spürbaren Infektionswellen kommen – so wie jetzt bei RSV und wie immer wieder bei Sars-CoV-2, wenn eine neue Variante auftaucht, die den Immunschutz unterlaufen kann.

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