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Die Rufe nach einer Medizin, die zwischen Männern und Frauen unterscheidet, werden lauter

Frauen rauchen weniger als Männer, sie achten mehr auf ihre Gesundheit und haben eine höhere Lebenserwartung. So steht es im Bericht „Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland“ des Robert Koch-Instituts. Doch insgesamt unterscheidet die Medizin nur sehr selten zwischen Männern und Frauen. Weder in der Ausbildung noch in Forschung und Behandlung wird üblicherweise zwischen den Geschlechtern differenziert. Dabei könnte es dafür einen sehr guten Grund geben: die bessere Versorgung aller Patientinnen und Patienten.

Geschlechtsspezifische Medizin wird teilweise belächelt. Da sich vor allem Forscherinnen damit beschäftigen, wird sie schnell in die feministische Ecke gestellt. Ein Irrtum. Gendermedizin soll beiden Geschlechtern nutzen. Die Rufe, Gesundheitsdaten, Symptome oder Therapien getrennt für Frauen und Männer zu betrachten, werden lauter. Es geht um mehr als das Gendersternchen.
 

Im Notfall kann die mangelnde Unterscheidung fatal sein

Einige Fachdisziplinen wie die Kardiologie und die Geriatrie forschen bereits seit einigen Jahren zu Geschlechteraspekten. Beispiel Herzinfarkt: Frauen reagieren deutlich häufiger als Männer mit Übelkeit und Rückenschmerzen. Offenbar ist die Nervenversorgung des Herzens anders als bei Männern – wobei die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Fatal ist jedoch Forscherinnen zufolge, dass beim typischen Herzinfarkt lange an den übergewichtigen Raucher, der aus der Kneipe kommt und sich an die Brust fasst, gedacht wurde. Die Folge: Im Notfall erhalten Männer eher die richtige Behandlung – einen Koronarkatheter – als Frauen.
 

„Personalisierte Medizin“ könnte die Zukunft sein

Auch bei aktuellen Entwicklungen wie der Digitalisierung wird noch nicht zwischen Geschlechtern unterschieden. Ein Beispiel sind die Digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA. Bei der diesjährigen Medizin-Messe Medica in Düsseldorf ging es darum, dass DiGA bei Symptomen nicht geschlechtsspezifisch unterscheiden. Dabei könne es gut sein, dass Frauen nach einem Schlaganfall eine App zur Nachsorge anders nutzten als Männer. Es sei daher wichtig herauszufinden, wer eine DiGA wie nutzt. Dazu müssten die Daten von Männern und Frauen getrennt erhoben werden. Das Stichwort dazu lautet „personalisierte Medizin“. Noch ist es Zukunftsmusik, doch könnte dieser Ansatz dazu führen, dass später auch Alter und Ethnie einbezogen werden.
 

Frauen haben mehr Angst vor dem Zahnarzt als Männer

Auch in der Zahnmedizin gibt es Unterschiede. Studien zeigen, dass Frauen häufiger von Karies, Zahnverlust, Zahnlosigkeit und Kiefergelenkserkrankungen betroffen sind. Männer hingegen leiden häufiger unter Wurzelkaries, säurebedingten Zahnhartsubstanzdefekten, Parodontitis und bösartigen Tumoren. Die Unterschiede gelten auch bei den sogenannten weichen Faktoren: Frauen haben mehr Angst vor dem Zahnarzt und erwarten eher, dass die Behandlung weh tut. Dafür kommen sie rechtzeitiger zur Vorsorge als Männer. Zahnarztpraxen könnten also ihre Kommunikation und ihr Schmerzmanagement je nach Geschlecht anpassen. Sogar die Behandlung könnte unterschiedlich erfolgen. Denn bei Frauen spielen Hormone in der Pubertät, bei einer Schwangerschaft und nach der Menopause eine besondere Rolle. Dann ist das Zahnfleisch besonders anfällig. Allerdings ist auch die Forschung zu unterschiedlichen Therapien noch ganz am Anfang. 

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