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Frauengesundheit im Fokus: Neue Zahlen, neue Erkenntnisse

Frauengesundheit rückt seit einigen Jahren stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Aspekte immer noch zu wenig beachtet werden. Aktuelle Zahlen und Studien zu diesem Thema verdeutlichen, welche Erkrankungen besonders häufig auftreten und wo Prävention gezielt ansetzen kann.

Frauen in Deutschland erreichen im Durchschnitt ein höheres Lebensalter als Männer. Die Lebenserwartung liegt derzeit bei rund 83 Jahren und damit etwa 5 Jahre über der von Männern. 

Daran sterben Frauen

Mit Abstand häufigste Ursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so das Statistische Bundesamt. Rund 35 % aller Todesfälle von Frauen gehen darauf zurück. An zweiter Stelle folgen Krebserkrankungen mit etwa 21 % der Todesfälle. Dahinter liegen Erkrankungen des Nervensystems – vor allem Demenzen – sowie Krankheiten der Atemwege und Stoffwechselstörungen. Viele dieser Erkrankungen treten vor allem im höheren Lebensalter auf und spiegeln damit auch die gestiegene Lebenserwartung wider.

 

Gründe für Klinikaufenthalte

Zu den häufigsten Gründen für stationäre Aufenthalte von Frauen zählen Herzkrankheiten, Verletzungen oder Vergiftungen sowie Geburten. Gleichzeitig spielen gynäkologische Erkrankungen weiterhin eine wichtige Rolle. Ein Beispiel ist die Endometriose: 2024 wurden rund 37.700 Patientinnen wegen dieser Erkrankung stationär behandelt – rund 50 % mehr als noch 10 Jahre zuvor.

 

Brustkrebs: Vermeidbare Faktoren

Unter den Krebserkrankungen nimmt Brustkrebs weiterhin eine besondere Stellung ein. Er ist weltweit die häufigste Krebsdiagnose bei Frauen und zählt auch zu den wichtigsten Ursachen für krebsbedingte Todesfälle. Besonders häufig sterben Frauen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen und somit wenig Zugang zu Vorsorge und wirksamen Therapien an Brustkrebs.

Eine internationale Analyse im Fachjournal The Lancet Oncology zeigt jedoch auch ein großes Präventionspotenzial. Demnach könnten mehr als ein Viertel der Brustkrebstodesfälle weltweit vermieden werden. Entscheidend wären vor allem frühere Diagnosen, bessere Screeningprogramme und eine Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel. 

Neben den bekannten Risikofaktoren kursieren immer wieder Annahmen über mögliche Auslöser der Erkrankung, die wissenschaftlich nicht bestätigt sind. Dazu gehören etwa Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche. Eine große Analyse aus Finnland kommt zu einem klaren Ergebnis: Beides erhöht das Brustkrebsrisiko nicht. 

 

Entwarnung für Hormontherapie

Auch rund um die Wechseljahre bestehen bei vielen Frauen weiterhin Unsicherheiten. Besonders die Hormonersatztherapie wurde lange kontrovers diskutiert, nachdem ältere Studien mögliche Risiken – etwa für Brustkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – vermuteten.

Eine große Studie im British Medical Journal kommt nun jedoch zu dem Ergebnis, dass moderne Formen der Hormontherapie insgesamt als sicher gelten können, wenn sie individuell angepasst und ärztlich begleitet werden.

Damit rückt der Nutzen der Behandlung wieder stärker in den Vordergrund. Bei vielen Frauen können hormonelle Therapien typische Beschwerden der Menopause – etwa Hitzewallungen, Schlafstörungen oder starke Stimmungsschwankungen – deutlich lindern und damit die Lebensqualität verbessern.

 

Mehr Aufmerksamkeit für Frauengesundheit in der Forschung

Lange Zeit wurde medizinische Forschung überwiegend mit männlichen Probanden durchgeführt. Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Symptomen, Krankheitsverläufen oder Medikamentenwirkungen blieben dadurch teilweise unberücksichtigt.

Um diese Lücke zu schließen, hat das Bundesgesundheitsministerium Anfang 2026 ein neues Förderprogramm zur Forschung zur Frauengesundheit gestartet. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erklärte dazu in einer aktuellen Pressemitteilung: „Frauengesundheit darf kein Nischenthema sein. Wir brauchen mehr Forschung, damit Krankheiten bei Frauen früher erkannt und besser behandelt werden können.“

Gefördert werden u. a. Projekte zu geschlechtsspezifischen Krankheitsverläufen, Unterschieden bei Medikamentenwirkungen sowie zur Versorgung von Frauen in verschiedenen Lebensphasen – von der reproduktiven Gesundheit bis ins hohe Alter.

 

MT

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