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Hausärztemangel: Warum gut qualifizierte Praxisteams zum Schlüssel werden

Der Mangel an hausärztlichen Praxen ist in vielen deutschen Regionen schon längst deutlich spürbar. Neue Berechnungen zeigen, dass sich die Versorgung in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird, allerdings nicht überall gleichermaßen. Qualifizierte Praxisteams könnten die Lage deutlich verbessern.

Wer auf dem Land einen Hausarzt sucht, braucht vielerorts schon heute Geduld. Geht eine Praxis in den Ruhestand, findet sich oft kein Nachfolger. Eine aktuelle Prognose des IGES-Instituts zeigt: Bis 2040 wird sich der Hausärztemangel spürbar verschärfen. 

 

Der Mangel nimmt deutlich zu

Schon heute fehlen in Deutschland Hausärztinnen und Hausärzte. Nach Berechnungen des IGES-Instituts könnten bis zum Jahr 2040 rund 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben, also etwa jeder fünfte Sitz. Zum Vergleich: 2024 waren bundesweit rund 4.400 Stellen nicht besetzt.

Auch die Dichte der hausärztlichen Praxen wird voraussichtlich sinken. Während derzeit durchschnittlich 62 Praxen auf 100.000 Einwohner kommen, werden es 2040 nach der Prognose nur noch 58 sein.

 

Unterschiedliche Entwicklung

Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die einzelnen Regionen. Während viele Großstädte auch künftig vergleichsweise gut versorgt bleiben dürften, geraten zahlreiche ländliche Gebiete zunehmend unter Druck.

Nach der IGES-Prognose wird bis 2040 fast jeder fünfte Landkreis hausärztlich unterversorgt sein. Ein besonders hohes Risiko tragen nach derzeitiger Prognose mehrere Landkreise in NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen. Weitere Regionen bewegen sich bereits nahe an dieser Grenze. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das häufig längere Wege zur Praxis, längere Wartezeiten und stärker ausgelastete hausärztliche Praxen.

Dass die Lage regional so unterschiedlich ausfällt, hat verschiedene Ursachen. In manchen Regionen gelingt es besser, freie Praxen nachzubesetzen oder junge Ärztinnen und Ärzte für eine Niederlassung zu gewinnen. Andere Landkreise kämpfen dagegen seit Jahren mit einer überalterten Ärzteschaft und fehlendem Nachwuchs.

 

Positive Entwicklung

Das IGES-Institut hatte bereits 2021 ähnliche Berechnungen veröffentlicht. Die aktuelle Prognose fällt etwas günstiger aus als noch vor 5 Jahren.

So entscheiden sich inzwischen mehr Mediziner für die Allgemeinmedizin als damals erwartet. Außerdem bleiben viele Hausärztinnen und Hausärzte länger berufstätig. Dadurch fällt die Versorgungslücke geringer aus als ursprünglich prognostiziert.

 

Mehr Verantwortung für qualifizierte Fachkräfte

Nach Einschätzung der Forschenden wird die hausärztliche Versorgung künftig noch stärker von multiprofessionellen Teams getragen. Dass darin großes Potenzial steckt, zeigt auch eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Sie hat untersucht, wie sich Aufgaben innerhalb der hausärztlichen Versorgung künftig sinnvoll verteilen lassen.

Würden speziell qualifizierte Gesundheitsfachkräfte bestimmte Tätigkeiten übernehmen, könnten Hausärztinnen und Hausärzte durchschnittlich bis zu 65 % ihrer Arbeitszeit für andere Aufgaben gewinnen. Gemeint sind beispielsweise Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen, Routinehausbesuche, Wundkontrollen oder bestimmte diagnostische Leistungen.

Nach Berechnungen der Stiftung könnten theoretisch bundesweit rund 12.000 entsprechend qualifizierte Praxisassistentinnen und -assistenten ausreichen, um die bis 2030 erwartete Versorgungslücke von etwa 8.200 fehlenden Hausärztinnen und Hausärzten weitgehend auszugleichen.

 

Die Akzeptanz wächst

Interessant ist dabei: Die Idee stößt nicht nur bei Fachleuten auf Zustimmung. Laut Bertelsmann Stiftung befürworten rund drei Viertel der befragten Hausärztinnen und Hausärzte eine stärkere Aufgabenverteilung innerhalb des Praxisteams. Entscheidend sollte ihrer Ansicht nach künftig stärker die Qualifikation für eine Aufgabe sein und weniger die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe.

MT

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