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Immer mehr Kinder verhaltensauffällig

Viele Kinder fallen bereits vor der Einschulung durch Verhaltensauffälligkeiten auf, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Nicht alle ungewöhnlichen Verhaltensweisen sind behandlungsbedürftig. Doch in einigen Fällen stecken tieferliegende Ursachen dahinter, die möglichst früh diagnostiziert und behandelt werden sollten.

Der Erstklässler Leon hält kaum 5 Minuten still und platzt ständig mit Antworten heraus. Ayla dagegen sitzt im Kindergarten meist still in der Ecke und träumt vor sich hin. Beide Kinder fallen den Erzieherinnen und Erziehern auf. Doch was genau dahintersteckt, lässt sich durch pure Beobachtung oft nur schwer sagen. Verhaltensauffälligkeiten können jedoch der Hinweis sein, dass ein Kind Unterstützung brauchen könnte.

 

Mehr Auffälligkeiten, weniger Behandlungen

Dass solche Auffälligkeiten zunehmen, zeigt eine aktuelle Studie aus der Region Hannover, die im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht wurde. Verglichen wurden die Schuleingangsuntersuchungen der Jahrgänge 2021/2022 bis 2023/2024 mit denen der Jahre 2010 bis 2014. Der Anteil verhaltensauffälliger Kinder stieg aus ärztlicher Sicht von 9,4 auf 13,5 %, nach Einschätzung der Eltern von 7,9 auf 11,2 %. Gleichzeitig sank der Anteil der bereits behandelten Kinder von 6,0 auf 5,2 %.

 

Unterschiedliche Erkrankungen, gleiche Symptome

Einzelne Symptome reichen selten aus, um die Ursache zu erkennen. Eine der am häufigsten gestellten Diagnosen ist die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Viele denken dabei an zappelige Kinder. Tatsächlich gibt es aber auch die überwiegend unaufmerksame Form: Die Kinder wirken verträumt, vergessen vieles und verlieren schnell den Faden. Sie wird oft erst spät erkannt und wurde früher als ADS bezeichnet, heute zählt sie zum Oberbegriff ADHS. 

Auch eine Autismusspektrumstörung (ASS) kann sich zunächst durch Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen. Vielen betroffenen Kindern fällt es schwer, Mimik und Gestik anderer Menschen richtig einzuordnen. Manche meiden Blickkontakt, reagieren sehr empfindlich auf Geräusche, Berührungen oder Nahrungsmittel oder bestehen auf festen Abläufen im Alltag. 

 

Lernstörungen und psychische Erkrankungen

Nicht immer steckt hinter auffälligem Verhalten eine Entwicklungsstörung. Manchmal sind Lernschwächen der Auslöser. Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Dyskalkulie erleben häufig Misserfolge. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren mit Frust oder Unruhe. Was auf den ersten Blick wie fehlende Motivation aussieht, ist häufig Ausdruck einer ganz anderen Problematik.

Auch Angststörungen oder Depressionen können sich zunächst durch Veränderungen im Verhalten zeigen. Während manche Kinder starke Ängste entwickeln oder Situationen meiden, fallen andere vor allem durch Rückzug, Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit auf.

Viele Symptome kommen bei unterschiedlichen Erkrankungen vor. Konzentrationsprobleme finden sich nicht nur bei ADHS, sondern auch bei Angststörungen, Depressionen oder Lernstörungen. Sozialer Rückzug kann sowohl für eine Autismusspektrumstörung als auch für Depressionen oder soziale Ängste sprechen. Zudem treten mehrere Erkrankungen häufig gemeinsam auf. Deshalb zählt immer das Gesamtbild. Vor allem Mädchen fallen oft erst in höherem Kindes- oder Jugendalter auf, da sie sich in der Regel besser anpassen können und mehr zum Rückzug als zur Lautstärke neigen.

 

Äußere Umstände beachten

Die Studie zeigt außerdem, dass Kinder statistisch seltener Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, wenn sie mindestens 3 Jahre einen Kindergarten besuchen, wenig Medien konsumieren und regelmäßig Sport treiben. Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass diese Ergebnisse lediglich Zusammenhänge beschreiben und keine Rückschlüsse auf einzelne Familien zulassen.

 

Früh hinschauen statt abwarten

Je früher die Ursache erkannt wird, desto gezielter können Kinder unterstützt werden, etwa durch Ergo- oder Psychotherapie, Frühförderung oder Hilfen in der Schule. Eine Diagnose hilft außerdem Eltern und Lehrkräften, das Verhalten besser einzuordnen. Verhaltensauffälligkeiten sollten deshalb weder vorschnell dramatisiert noch als bloße Phase abgetan werden. Oft sind sie der erste Hinweis darauf, dass ein Kind Hilfe braucht. Je früher diese beginnt, desto größer sind die Chancen auf eine gesunde Entwicklung.

MT

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