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Länger arbeiten, aber auch länger gesund?

Wie lange können wir wirklich gesund arbeiten? Genau dieser Frage ist ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover nachgegangen. Für eine im „European Journal of Public Health“ veröffentlichte Studie untersuchten die Forschenden, wie sich die Zahl der gesunden Lebensjahre im erwerbsfähigen Alter zwischen 2002 und 2022 entwickelt hat.
Grundlage waren Daten von mehr als 230.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer seit Jahrzehnten laufenden repräsentativen Langzeitbefragung in Deutschland. Für die Studie betrachteten die Forschenden 3 verschiedene Aspekte von Gesundheit: die eigene Einschätzung des Gesundheitszustands sowie die körperliche und psychische gesundheitsbezogene Lebensqualität. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Zahl der gesunden Jahre im Erwerbsalter keineswegs durchgehend positiv entwickelt hat.
Vor allem Jüngere häufiger gesundheitlich eingeschränkt
Überraschend sind vor allem die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei älteren Menschen im Erwerbsalter hat sich die Gesundheit teilweise verbessert. Bei jüngeren Erwachsenen ging die Entwicklung dagegen in die andere Richtung. Besonders deutlich zeigte sich das bei Frauen zwischen 18 und 30 Jahren.
Das ist mit Blick auf eine längere Lebensarbeitszeit durchaus relevant. Denn die nachfolgenden Erwerbstätigen werden demnach nicht zwangsläufig gesünder in die späteren Berufsjahre kommen als die Generationen vor ihnen.
Auch die Bildung macht einen Unterschied
Wie viele gesunde Arbeitsjahre Menschen vor sich haben, hängt offenbar auch mit dem Bildungsniveau zusammen. Das zeigt eine weitere Studie aus derselben Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover, die 2025 in „PLOS ONE“ veröffentlicht wurde. Dafür wurden Daten von rund 40.000 Menschen ausgewertet und verschiedene Bildungsgruppen miteinander verglichen.
Die Unterschiede waren zum Teil erheblich. Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau konnten mit weniger gesunden Arbeitsjahren rechnen als Menschen mit höherer Bildung. Bezogen auf die körperliche Lebensqualität hatten Männer und Frauen mit niedriger Bildung im Jahr 2018 jeweils 7,5 gesunde Arbeitsjahre weniger als Menschen mit hoher Bildung. Zudem haben sich die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen im untersuchten Zeitraum teilweise vergrößert.


Länger leben heißt nicht länger gesund
Der Blick auf die gesamte Lebensspanne zeigt ein ähnliches Problem. Eine in „The Lancet Public Health“ veröffentlichte internationale Studie untersuchte anhand von Daten der Global Burden of Disease Study 2023, wie sich Lebenserwartung und gesundheitlich beeinträchtigte Lebensjahre seit 1990 entwickelt haben.
Die sogenannte Morbiditätslücke beschreibt die Differenz zwischen der gesamten Lebenserwartung und den Jahren, die Menschen bei guter Gesundheit verbringen. Diese Lücke hat sich zwischen 1990 und 2023 weltweit um rund 2 Jahre vergrößert. Zwar leben Menschen heute im Durchschnitt länger, doch ein Teil der gewonnenen Lebenszeit wird mit Krankheiten und gesundheitlichen Einschränkungen verbracht.
Wie groß diese Morbiditätslücke ausfällt, unterscheidet sich deutlich zwischen den Ländern und hängt unter anderem mit ihrem sozioökonomischen Entwicklungsstand zusammen. Zudem gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, verbringen aber auch mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen.
Zu den gesundheitlichen Beschwerden, die viele Jahre mit eingeschränkter Gesundheit verursachen, gehören unter anderem Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Erkrankungen und Hörverlust. Einige davon spielen zugleich für die Arbeitsfähigkeit eine wichtige Rolle.
MT
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