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Lange Wartezeiten, freie Arzttermine: Was läuft bei der Terminvermittlung schief?

Patientinnen und Patienten warten oft wochenlang auf einen Facharzttermin. Gleichzeitig bleibt fast die Hälfte der an die Terminservicestellen gemeldeten Termine ungebucht. Das zeigen aktuelle Zahlen des Zi. Trotzdem sollen Praxen künftig noch mehr Termine bereitstellen. Die KBV übt deutliche Kritik. Unterdessen wird die Rufnummer 116 117 auch noch von Betrügern missbraucht.

Ein gewohntes Problem für viele Patientinnen und Patienten: Wer einen Facharzttermin benötigt, muss sich häufig gedulden. Dabei gibt es durchaus noch freie Kapazitäten. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach haben ärztliche und psychotherapeutische Praxen zwischen Oktober 2025 und September 2026 insgesamt rund 3,58 Millionen Termine an die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen gemeldet. Gebucht wurden davon allerdings nur rund 2 Millionen. 
 

Große Unterschiede zwischen den Fachgruppen

Es liegt vor allem an der Fachrichtung, wie stark angebotene Termine nachgefragt werden. Besonders hoch waren die Buchungen in der Neurologie mit 91 % und in der Psychotherapie mit 84 %. Deutlich geringer fiel sie dagegen in der Allgemeinmedizin mit 25 % und in der HNO mit 28 % aus. In der Inneren Medizin wurden 65 % der gemeldeten Termine gebucht, in der Augenheilkunde 55 % und in der Frauenheilkunde 46 %.

Zi-Chef Dr. Dominik von Stillfried sieht darin das Signal, dass die vorhandenen Möglichkeiten zur Terminvermittlung noch nicht ausreichend genutzt werden. Seiner Ansicht nach sollten diese zunächst besser ausgeschöpft werden, bevor weitere Maßnahmen zur Verkürzung der Wartezeiten beschlossen werden.
 

Wenn Patientinnen und Patienten nicht erscheinen

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das viele MFAs aus ihrem Praxisalltag kennen: Patientinnen und Patienten vereinbaren einen Termin, erscheinen dann aber nicht oder sagen kurzfristig ab.

Laut Zi wurden 5,7 % der über die Terminservicestellen gebuchten Termine wieder abgesagt. Weitere 2,1 % wurden ohne vorherige Absage nicht wahrgenommen. Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen, da nicht alle ausgefallenen Termine von den Praxen systematisch erfasst werden. 

Dominik von Stillfried fordert deshalb mehr Verbindlichkeit bei der Terminbuchung. Er regt außerdem an, dass die Krankenkassen prüfen sollten, ob ein unentschuldigtes Fernbleiben finanzielle Konsequenzen haben könnte.

KBV kritisiert strengere Meldepflicht

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht die Ergebnisse auch vor dem Hintergrund der aktuellen Gesundheitspolitik kritisch. Denn obwohl bereits zahlreiche Termine ungebucht bleiben, sollen ärztliche und psychotherapeutische Praxen künftig verpflichtet werden, feste Terminkontingente an die Terminservicestellen zu melden (wir berichteten).

KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen hält das für den falschen Weg: „Hier werden von den Praxen Kapazitäten freigehalten, die nicht genutzt werden.“

Die KBV sieht in festen Terminkontingenten einen erheblichen Eingriff in die Berufsausübungsfreiheit. Zudem sei nicht geregelt, welche finanziellen Folgen es für Praxen habe, wenn gemeldete Termine nicht gebucht werden.

Gassen befürchtet außerdem, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten darunter leiden könnte. Denn je mehr Termine für die Vermittlung reserviert werden müssen, desto weniger Spielraum bleibt möglicherweise für die eigene Terminplanung.
 

Warnung vor Betrugsanrufen mit der 116117

Unterdessen warnen mehrere Kassenärztliche Vereinigungen, u. a. die KV Sachsen, vor einer Betrugsmasche rund um die Telefonnummer 116 117. Kriminelle geben sich offenbar bundesweit als Mitarbeitende des Patientenservices oder des ärztlichen Bereitschaftsdienstes aus. Besonders perfide: Auf der Rufnummernanzeige erscheint durch Manipulation tatsächlich die 116 117. 

Ziel der Anrufe ist es, an Bankdaten oder andere vertrauliche Informationen zu gelangen. Die KVen stellen deshalb klar: Mitarbeitende des Patientenservices fragen niemals nach Bankverbindungen, PINs, TANs oder anderen Zahlungsdaten. Als MFA können Sie Patientinnen und Patienten auf diese Betrugsmasche aufmerksam machen. Persönliche Daten sollten nie am Telefon herausgegeben werden.

 

MT

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