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Medizinalcannabis verbessert Symptomatik und Lebensqualität

Seit 5 Jahren dürfen in Deutschland Cannabisarzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Praxen, in denen solche Arzneimittel verschrieben werden, waren gesetzlich verpflichtet, Verordnungsdaten zu wissenschaftlichen Zwecken zu melden. Nur etwa ein Viertel hielt sich daran.

Cannabis als Medikament verschrieben zu bekommen, davon erhoffen sich vor allem schwer kranke Patienten eine Besserung ihrer Beschwerden. In Deutschland ist die ärztliche Verordnung in begründeten Fällen seit März 2017 erlaubt. Sie muss auf einem Betäubungsmittel-Rezept verordnet werden und die Krankenkasse muss die Therapie genehmigen. Vor 2017 erhielten bundesweit nur rund 1.100Patientinnen und Patienten über eine Ausnahmeerlaubnis nach § 3 Abs. 2 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) Cannabis zu medizinischen Zwecken.

Laut Handelsblatt wurden bei AOK, Barmer und Techniker Krankenkasse bis Ende 2020 etwa 70.000 Anträge auf Genehmigung einer Therapie mit Cannabisarzneimitteln zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung gestellt, mehr als 46.000 wurden genehmigt. Verordnende Ärztinnen und Ärzte waren gesetzlich verpflichtet, Daten für eine Begleiterhebung an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu melden. Rund 21.000 anonymisierte Fälle von gesetzlich Krankenversicherten wurden gemeldet. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht. Sie bilden eine wertvolle Grundlage für die Planung und Durchführung weiterer Forschung. Dies betonte auch die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin, die zu dem Schluss kommt, dass Cannabinoide nicht jedem Patienten helfen können. Zudem wurde betont, dass Verordnende von Medizinalcannabis besonders geschult werden müssen.


Wer am häufigsten Cannabisarzneimittel verordnet

16.809 vollständige Datensätze konnten ausgewertet werden. Durchschnittlich waren die mit Cannabisarzneimitteln behandelten Patientinnen und Patienten 57 Jahre alt. Etwas mehr als die Hälfte waren weiblich, rund 46 % männlich. Bei mehr als drei Viertel der Behandelten erfolgte die Verordnung von Medizinalcannabis wegen chronischer Schmerzen. Weitere behandelte Symptome waren Spastik (9,6 %), Anorexie/Wasting (5,1 %) und Übelkeit/Erbrechen (2,2 %). In 14,5 % der Fälle lag eine Tumorerkrankung vor, in 5,9 % eine Multiple Sklerose. Vor dem Therapiebeginn mit einem Cannabisarzneimittel waren die Beschwerden durchschnittlich bereits seit 8 Jahren behandelt worden. Die meisten Rezepte wurden in den Fachrichtungen Anästhesiologie, hausärztliche Versorgung und Neurologie ausgestellt.


Die wichtigsten Ergebnisse der Begleiterhebung:

  • 76,4 % Einsatz bei chronischen Schmerzen
  • 75 % der Fälle Verbesserung der Symptomatik
  • 70 % der Fälle Verbesserung der Lebensqualität
  • Nebenwirkungen waren häufig, aber in der Regel nicht schwerwiegend (Müdigkeit und Schwindel, insbesondere bei Frauen)
  • Mit Cannabisblüten Behandelte bewerten den Therapieerfolg höher


Große Vielfalt – keine Therapie für alle

Für Uneingeweihte ist die Vielfalt von medizinischem Cannabis kaum überschaubar. Was sind Cannabisblüten, Cannabis-Extrakte oder synthetische Cannabinoide? Auf der Website Cannabis Ärzte findet sich dazu eine Übersicht, die stetig aktualisiert wird. Welche Cannabis-Medikamente in Deutschland legal sind, ist auf dem unabhängigen Wissensportal für Cannabis in der Medizin Leafly zu erfahren. Dort können zudem hilfreiche Adressen, Neuigkeiten und Studien gesucht und gefunden werden.

Die Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte macht jedoch auch deutlich, dass Medizinalcannabis nicht jedem Patienten helfen kann: Etwa ein Drittel der Behandelten brach die Therapie vor Ablauf eines Jahres ab, bei knapp 40 %, weil keine Wirkung eintrat. Bei einem Viertel der Fälle führten Nebenwirkungen zum Abbruch. 20 % verstarben.


Für mehr als 2 Drittel besserte sich die Lebensqualität

70 % der Fälle berichteten von einer Besserung ihrer Lebensqualität. Wer Cannabisblüten bekam, schätzte den Therapieerfolg grundsätzlich höher ein, brach die Therapie seltener ab und gab seltener Nebenwirkungen an. Allerdings war die Nebenwirkung „euphorisierende Wirkung“ dreimal häufiger zu beobachten als bei den anderen Cannabisarzneimitteln. „Bei gleichzeitig sehr hohen THC-Dosen, dem hohen Männeranteil und dem geringen Durchschnittsalter sollten Ärztinnen und Ärzte die Gefahr von Missbrauch und Abhängigkeit bei der Therapieplanung mit Cannabisblüten beachten“, so die Begleiterhebung.


Was ist THC?

Tetrahydrocannabinol (abgekürzt THC) ist eine chemische Verbindung, die zu den psychoaktiven Cannabinoiden zählt.


Was sind Cannabinoide?

Als Cannabinoide [von latein. cannabis = Hanf], werden aus Hanf isolierte Inhaltsstoffe bezeichnet. In Extrakten der Cannabispflanze hat man bisher mehr als 60 verschiedene Cannabinoide gefunden.


Schon gewusst?

  • Die am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) errichtete Cannabisagentur ist für den kontrollierten Anbau, die Ernte, die Verarbeitung, die Qualitätsprüfung, die Lagerung, die Verpackung und die Abgabe an Apotheken der medizinischen Cannabisblüten in Deutschland verantwortlich.
  • Momentan dürfen 3 deutsche Unternehmen Cannabis zu medizinischen Zwecken (10.400 kg für vier Jahre) anbauen, ernten und verarbeiten.
  • Bestellungen des in Deutschland angebauten Cannabis zu medizinischen Zwecken können ausschließlich Apotheken tätigen.

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