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Mental Load: Entlastung durch die „Let Them Theory“

Fühlen Sie sich auch oft für alle und jeden verantwortlich? Das kann auf Dauer belastend sein und zu Mental Load führen. Viele der Gedanken, die wir uns um andere machen, gehören jedoch gar nicht in unseren Aufgabenbereich. Genau hier setzt die „Let Them Theory“ an.

Mental Load beschreibt die unsichtbare Denkarbeit hinter dem Alltag. Es geht um das Planen, Organisieren, Erinnern und Vorausdenken. Wer muss noch zurückgerufen werden? Ist genug Material bestellt? Hat die Kollegin morgen Frühdienst? Muss der Patient noch an den Termin erinnert werden? MFAs haben oft unzählige Kleinigkeiten gleichzeitig im Blick und versuchen, den Praxisbetrieb möglichst reibungslos am Laufen zu halten. 

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Viele Menschen übernehmen gedanklich Verantwortung für Dinge, die sie gar nicht beeinflussen können. Auch diese Gedankenschleifen beanspruchen Aufmerksamkeit und Energie, obwohl sie meist nichts an der Situation ändern. Genau dadurch wächst der mentale Ballast weiter an.

 

Das steckt hinter der „Let Them Theory“ 

Bekannt gemacht wurde die „Let Them Theory“ durch die US-amerikanische Autorin und Podcasterin Mel Robbins. Ihr gleichnamiges Buch entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zum internationalen Bestseller.

Die Grundidee ist verblüffend einfach: Menschen treffen ihre eigenen Entscheidungen und das dürfen sie auch. Statt ständig zu versuchen, andere zu durchschauen, zu überzeugen, zu kontrollieren oder ihr Verhalten zu beeinflussen, lautet der erste Schritt: „Let them“ zu Deutsch „Lass sie“.

 

Nicht alles hinterfragen

Gerade im Praxisalltag gibt es viele Situationen, in denen sich die Theorie anwenden lässt.

Nehmen wir an, eine Kollegin kommt schlecht gelaunt in die Praxis. Sie ist wortkarg und würdigt niemanden eines Blickes. Ihre intuitive Reaktion: Sie grübeln, ob sie am Vortag etwas Falsches gesagt haben. Die „Let Them“-Theory rät hier: „Let her. Lass die Kollegin schlecht gelaunt sein. Sie müssen nicht die Detektivin spielen und die Gründe für ihre Stimmung herausfinden. Wenn es Sie wirklich betrifft, wird die Kollegin es ansprechen müssen.

Der Chef bestellt trotz Sparmaßnahmen wieder das teure Druckerpapier? „Let him.“ Lass ihn machen. Die wirtschaftliche Verantwortung liegt ganz allein bei ihm, nicht in Ihrem persönlichen Aufgabenbereich als MFA. Das Gleiche gilt beispielsweise für Unpünktlichkeit im Team: Eine Kollegin kommt ständig 5 Minuten zu spät zum Dienst? „Let her.“ Solange die Praxisleitung dieses Verhalten toleriert, ist es nicht Ihre Aufgabe, die Kollegin zu erziehen oder sich insgeheim darüber zu ärgern. 

Es kann entlastend sein, nicht jede Handlung anderer Menschen verstehen oder korrigieren zu wollen. Entscheidend ist, zwischen Dingen zu unterscheiden, die Sie beeinflussen können, und denen, die außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen. Das bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden oder alles gleichgültig hinzunehmen. Es geht vielmehr darum, zwischen den Dingen zu unterscheiden, die wir beeinflussen können, und denen, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen.

 

Und was bedeutet „Let me“?

Auf das befreiende „Let them“ folgt im Konzept der entscheidende zweite Schritt: das „Let me“ (Lass mich). Sobald Sie innerlich akzeptieren, dass Sie andere Menschen nicht ändern können, lenken Sie den Fokus wieder zurück auf sich selbst und Ihren eigenen Handlungsspielraum. Sie ersetzen die Frage: „Wie bringe ich die anderen dazu, sich richtig zu verhalten?“ durch: „Wie schütze ich meine eigene Energie?“ 

Das kann bedeuten: Lass mich eine klare emotionale Grenze zum Verhalten des anderen ziehen. Lass mich nach einem schweren, unhöflichen Patientengespräch kurz durchatmen, statt den Ärger den restlichen Tag mitzuschleppen. Im Kern geht es um aktive Selbstfürsorge und gesunde Abgrenzung. Statt Energie in unlösbare Gedankenschleifen zu investieren, nutzen Sie sie für Dinge, die tatsächlich in Ihrem Einflussbereich liegen, ohne dabei Empathie oder Verantwortungsbewusstsein zu verlieren.

MT

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