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Polymedikation – Hausarztpraxen haben eine Schlüsselrolle

Wenn ein Patient 5 oder mehr Arzneimittel gleichzeitig einnimmt, spricht die Medizin von Poly- oder Multimedikation. Von Hyper-Polypharmazie ist die Rede, wenn 10 oder mehr Präparate chronisch verordnet werden. Brauchen ältere, multimorbide Patienten so viele Medikamente? Ja, es könnte sein. Und nein, einiges könnte überflüssig sein. Es hängt vom Patienten ab.

Patienten mit Polymedikation erhalten häufig Herz-Kreislauf-Mittel, Antidiabetika, Lungenmedikamente, Psychopharmaka und Schmerzmittel. Die Kombinationen können wegen Wechsel- und Nebenwirkungen negative Folgen haben. Patienten können zunehmend verwirrt sein. Das Risiko von Stürzen steigt. Manchen fällt es mit jedem Medikament schwerer, ihre Therapie einzuhalten. Auch Einweisungen ins Krankenhaus sind auf zu viele, nicht aufeinander abgestimmte Medikamente zurückzuführen. Möglich ist, dass die unerwünschten Wirkungen sich langsam einschleichen. Andere Patienten berichten, dass sie sich plötzlich schlechter fühlen.
 

Polymedikation hat viele Gründe

Ein Grund für die Polymedikation liegt auf der Hand: Ältere Patienten leiden häufig unter mehreren chronischen Erkrankungen, die medikamentös behandelt werden müssen. Das können Sie in Ihrer Praxis anhand der Dokumentation nachvollziehen. Doch je nach Kommunikation mit anderen Fachärzten wissen Sie nicht immer, welche Medikamente dem Patienten noch verordnet wurden. Zudem kann es sein, dass er apothekenpflichtige Präparate ohne Rücksprache mit Ihrer Praxis einnimmt. Auch was im Drogeriemarkt erhältlich ist, kann in Kombination mit verordneten Medikamenten zu Nebenwirkungen führen.
 

Risiko eines Teufelskreises

Hinzu kommt, dass ältere Patienten diese Nebenwirkungen nicht immer gut schildern können. So entsteht die Gefahr einer ungenauen Diagnose. Der Arzt erkennt die Nebenwirkungen nicht als solche, sondern geht von einem zusätzlichen Krankheitsbild aus. Werden dann weitere Medikamente verschrieben, kommt es zur sogenannten Verordnungskaskade. Es besteht das Risiko eines Teufelskreises, weil weitere unerwünschte Wirkungen eintreten können. Die Überversorgung kann also zu vielen Problemen führen, nicht nur für den Patienten. Angehörige und das Pflegepersonal leiden mit.
 

Die Medikationsreview hilft, unerwünschte Wirkungen zu vermeiden

Muss das sein? Gilt nicht vielmehr die Devise „Weniger ist mehr“? Um diese Frage zu beantworten, sollten Fachärztinnen, Apotheker, Pfleger, Angehörige und vor allem der Patient oder die Patientin selbst gehört werden. So kann es durchaus sein, dass ein multimorbider Patient zu seinem Lebensende auf Medikamente mit starken Nebenwirkungen verzichten möchte, wenn ihm die Lebensqualität wichtiger erscheint als die Lebensdauer.

Auch ist es nicht immer ein Patentrezept, Präparate zu streichen. Es gibt Patienten, die medikamentös gut eingestellt sind und jedes verordnete Arzneimittel brauchen. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Mit jedem zusätzlichen Medikament steigt die Wahrscheinlichkeit einer Kontraindikation. Hilfreich ist eine sogenannte Medikationsreview, bei der der Hausarztpraxis eine Schlüsselrolle zukommt. Dem Deutschen Hausärzteverband zufolge geht es um

  • das Vermeiden unangemessener Medikation und unbeabsichtigter Verordnungskaskaden
  • das Vermeiden unerwünschter arzneimittelbezogener Ereignisse
  • das Erkennen von Fehlanwendungen
  • das Erkennen von Über-, Fehl- oder Unterversorgung bei Vorliegen von Multimorbidität und
  • die Anzahl aller Medikamente für den Patienten überschaubar zu halten.
     

Unnötige Polymedikation zu verhindern, kann zu einer spürbar besseren Versorgung der Patienten führen. Hinzu kommen eingesparte Kosten, für die die Solidargemeinschaft nicht aufkommen muss.

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