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So suchen und finden Sie neue Kolleginnen und Kollegen

An einem beliebigen Beispieltag Mitte Oktober 2022 waren bei der Arbeitsagentur mehr als 13.000 Stellengesuche für Medizinische Fachangestellte geschaltet. Mehr als 5.000 Praxen oder Einrichtungen suchten bereits länger als 4 Wochen. Neue Sichtweisen sind gefragt.

Bewerberinnen auf der Suche nach einer neuen Herausforderung wissen sehr genau, was sie wollen und was sie nicht (mehr) wollen. Was nicht passt, kommt gar nicht erst in die nähere Auswahl. Allerdings ist die Wunschliste potenzieller Arbeitgeber oft lang und sehr speziell. Verschenken Praxen damit Möglichkeiten? Und muss das so sein? Aus empathischer Sicht einer Praxismanagerin gelingen möglicherweise mehr einladende Stellengesuche als wenn sie wie ein angekreuzter Katalog aussehen.
 

Persönliche Ansprache und flexible Modelle

Wer heute noch „Sprechstundenhilfen“ oder „Arzthelferinnen“ sucht, wird zu Recht lange auf Bewerbungen warten. Praxisinhaberinnen, die „flexible Arbeitszeitmodelle je nach persönlicher Lebenssituation“ anbieten, zeigen mehr Wertschätzung als starre Kategorien wie „Minijob, Teilzeit, 42,5 Wochenstunden oder Schichtdienst“.

Anonyme Gesuche schrecken Interessierte ab. In den meisten Fällen gibt es kommunizierbare und verständliche Gründe für eine Stellenausschreibung: Wechsel in den Ruhestand, Umzug einer Kollegin, notwendige Vertretung im Krankheits- oder Schwangerschaftsfall. Vor allem bei Eilgesuchen sollte das bedacht werden. Von 5.156 Offerten am oben genannten Beispieltag waren 4.201 sofort zu besetzen, 635 ab dem nächsten Monat, 117 ab Dezember, 103 ab Januar und je 5 in 4 bzw. 5 Monaten. Letztere sprechen für eine vorausschauende Suche. Ist der Arbeitsmarkt leergefegt, kann die Sofortsuche kaum erfolgreich sein, denn wechselbereite MFAs und ZFAs haben in der Regel eine Kündigungsfrist einzuhalten.
 

Und ewig grüßt das Murmeltier?

Schalten Praxen immer wieder die gleichen Annoncen, suchen Bewerbende den Haken: Harmoniert das Team nicht? Ist der Chef cholerisch? Sind die Erwartungen zu hoch? Liegt das Gehalt im inakzeptablen Mindestlohnbereich? Stellt eine Praxis immer nur „befristet“ ein? Warum? Von den Beispielstellenanzeigen war immerhin die große Mehrheit (3.180) als unbefristet ausgeschrieben.

Eine berufserfahrene Kollegin wird sich vermutlich nicht bewerben, wenn ein Text zu salopp formuliert ist. Zwischen den Zeilen ist zu ahnen, wie es um die Bereitschaft zu Vielfalt bestellt ist. Auch die Anrede „Du oder Sie“ kann ausschlaggebend sein, ob sich jemand angesprochen fühlt. In einer aktuellen Umfrage des Berliner TAGESSPIEGEL gaben 82 % von 3.000 Befragten an, es nicht zu mögen, geduzt zu werden.

Haben Sie schon darüber nachgedacht, ein neugierig machendes, witziges Praxisvideo zu drehen? Dafür muss kein Profi-Equipment angeschafft oder ein Regisseur verpflichtet werden – es kommt auf authentische Darstellung an, für die ein Smartphone genügt. Lassen Sie sich beispielsweise inspirieren von einer gesungenen Stellenanzeige eines Pflegedienstes in Mecklenburg-Vorpommern (https://lewitz-pflegedienst.de/jobs/). Sie müssen das nicht nachmachen, es soll Ihnen nur zeigen, dass Sie gut und gerne eingetretene Pfade bei der Suche nach neuen Mitarbeitenden verlassen dürfen.
 

Sympathie schlägt Perfektion

Ist es wirklich notwendig, auf ein bestimmtes Computerprogramm zu pochen? MFAs und ZFAs beherrschen den PC und lernen spielend eine neue Praxissoftware, die sie gegebenenfalls noch nicht kannten. Die neue potenzielle Kollegin oder der vielleicht interessierte Kollege hat in der Fachrichtung noch nie gearbeitet? Möglicherweise hat sie oder er private Pflegeerfahrungen oder im Ausland gelebt und kann ganz neue Sichtweisen einbringen? Im persönlichen Gespräch lassen sich vorhandene Kompetenzen, Lernpotenzial und Wünsche ausloten. Geben Sie Bewerbenden diese Chance!
 

Alles ist heute digital

Unternehmen ohne aussagekräftigen Online-Auftritt sind öffentlich unsichtbar. Allerdings verfügen längst noch nicht alle Niedergelassenen über eine eigene Internetpräsenz. Digital Natives als potenzielle Bewerberinnen werden so verprellt. So wie Patienten Arztbewertungsportale nutzen, um einen passenden Mediziner oder eine passende Medizinerin zu finden, suchen änderungswillige MFAs und ZFAs nach Informationen über ihre Wunscharbeitgeber.
 

Basics gelten auch für Arbeitgeber

Viele Praxen berichten, auf Stellengesuche für Auszubildende oder ausgebildete MFAs/ZFAs wenig oder keine Resonanz zu erhalten. Bewerbende klagen wiederum, dass ihnen nicht geantwortet wird. Das passt nicht zusammen. Sollte der Stress in der Praxis noch so groß sein – eine ignorierte Antwort auf eine Bewerbung zeugt von wenig Respekt. Manchmal führen jedoch unklare Bewerbungswege zu vermeidbaren Missverständnissen. Was Sie als Praxismanagerin tun können:

  • Stellenausschreibungen klar und verständlich formulieren
  • Geeignete Kanäle für Bewerbungsaufrufe auswählen (Website mit QR-Code, Social Media, YouTube, Fachmagazin, Straßenbahn-Fernsehen etc.)
  • Gewünschten Bewerbungsweg klar benennen (Karriereportal, telefonisch, E-Mail, Post)
  • Ansprechpartnerin und Erreichbarkeit prüfen
  • Gewünschte Dokumente klar benennen
  • Fristen thematisieren
  • Nur Versprechen aufführen, die eingehalten werden können

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