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Unterschätztes Risiko Darmkrebs: So können Praxen zur Vorsorge motivieren

Der Darmkrebsmonat März endet und wieder haben aktuelle Studien gezeigt, dass die Darmgesundheit eine höhere Aufmerksamkeit verdient. Denn zunehmend sind auch jüngere Menschen von Darmkrebs betroffen. Doch woran liegt das und wie können Praxen zu Vorsorgeuntersuchungen motivieren?

Darmkrebs galt lange als Erkrankung höheren Alters. Doch aktuelle Analysen zeigen eine gegenläufige Entwicklung. Eine Auswertung des Universitätsklinikums Freiburg auf Basis internationaler Daten von rund 117.000 Patientinnen und Patienten weist darauf hin, dass die Erkrankungszahlen bei unter 50-Jährigen steigen.

Als zentrale Risikofaktoren nennt die Studie vor allem Stoffwechselveränderungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. So erhöht Adipositas das Risiko für frühen Darmkrebs um rund 45 %. 

In Deutschland erkranken laut Robert-Koch-Institut (RKI) jährlich rund 55.000 bis 60.000 Menschen an Darmkrebs, etwa 24.000 sterben daran. Damit gehört Darmkrebs – trotz leicht rückläufiger Zahlen - zu den 3 häufigsten Krebsarten in Deutschland. 
 

Früherkennung rettet Leben

Doch viele der Darmkrebsfälle wären durch Früherkennung vermeidbar oder besser behandelbar. Das Deutsche Krebsforschungszentrum macht darauf aufmerksam, dass sowohl regelmäßige Stuhltests wie auch die klassischen Darmspiegelungen die Zahl der Todesfälle deutlich senken können. 

Aktuell sind die Deutschen jedoch noch Vorsorgemuffel, auch wenn die Zahlen in den letzten Jahren leicht steigen. Die Teilnahmequoten liegen noch deutlich hinter den Zahlen aus Ländern wie den Niederlanden, Dänemark oder den USA zurück. Um diese zu erhöhen, bräuchte es laut den Präventionsexpertinnen und -experten besser organisierte Vorsorgeprogramme, z. B. mit persönlichen Einladungen oder der direkten Zusendung von Stuhltests. 
 

Präventionsmaßnahmen aktuell

Frauen und Männer haben in Deutschland ab 50 Jahren Anspruch auf eine Vorsorgekoloskopie. Ist der Befund unauffällig, wird sie in der Regel nach 10 Jahren wiederholt. Bei familiärer Belastung oder bestimmten Vorerkrankungen kann eine frühere Untersuchung sinnvoll sein. Der entscheidende Vorteil: Polypen lassen sich dabei direkt erkennen und entfernen, noch bevor sie entarten.

Für Menschen, die eine Darmspiegelung nicht in Anspruch nehmen möchten, stellen immunologische Stuhltests eine niedrigschwellige Alternative dar. Wichtig ist hier vor allem die regelmäßige Anwendung, je nach Angebot jährlich oder alle 2 Jahre.
 

Zur Vorsorge motivieren

Viele Patientinnen und Patienten zögern aus Unsicherheit oder Angst eine Darmkrebs-Prävention hinaus. Praxisteams können an dieser Stelle viel bewirken.

Das Thema kann beispielsweise durch Infomaterial im Wartezimmer und am Empfang ins Bewusstsein gerückt werden. Aber auch durch Gespräche bei anderen Vorsorgeterminen. Wichtig: Hilfreich ist eine ruhige, entlastende Kommunikation, die weder drängt noch beschönigt oder Ängste schürt.

  • Erklären Sie den Ablauf der Untersuchungen wie das Abführen vor einer Koloskopie und die Schlafnarkose während der Untersuchung.
  • Erwähnen Sie, wie hoch der Nutzen sein kann (Vorstufen können sofort entfernt werden) und wie lange man sich nach einem unauffälligen Befund keine Sorgen mehr machen muss.
  • Bieten Sie die Möglichkeit des Stuhltests an, wenn die Koloskopie abgelehnt wird.
  • Vermitteln Sie Adressen von fachärztlichen Praxen zum Beratungsgespräch.
     

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützt ärztliche Praxen durch kostenfreies Infomaterial, etwa mit dem Plakat „Große Probleme fangen oft klein an“. 
 

Antibiotika verändern Darmmikrobiom

Die Zusammensetzung und Arbeit der Darmbakterien (Mikrobiom) ist u. a. an Immunprozessen, Stoffwechselvorgängen und entzündlichen Reaktionen im Körper beteiligt.

Wie sensibel dieses System ist, zeigt eine aktuelle große Beobachtungsstudie aus Schweden, veröffentlicht im Fachjournal Nature Medicine. Die Forschenden analysierten Daten von knapp 15.000 Personen und verknüpften diese mit Antibiotikaverordnungen der vergangenen Jahre. Das Ergebnis: Antibiotika können die Zusammensetzung des Darmmikrobioms langfristig verändern – teils noch 4 bis 8 Jahre nach der Einnahme. Bestimmte Wirkstoffe wie Clindamycin oder Fluorchinolone waren mit besonders ausgeprägten Veränderungen verbunden. 

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass sich das Mikrobiom zwar teilweise erholt, jedoch nicht immer vollständig in den ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Ob und wie ein verändertes Darm-Mikrobiom mit Darmkrebs in Zusammenhang steht, wird noch untersucht.

 

MT

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