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Veränderung meistern: So fällt Neues leichter

Kaum hat sich im Praxisalltag eine Routine eingespielt, steht schon die nächste Veränderung an: eine neue Kollegin, eine andere Software oder geänderte organisatorische Abläufe. Solche Umstellungen können uns viel Kraft kosten. Doch mit dem richtigen Umgang lassen sie sich entspannter bewältigen.

Unser Gehirn liebt Vorhersehbarkeit. Gewohnheiten sparen Energie, weil wir viele Abläufe automatisch erledigen können. Veränderungen dagegen zwingen uns, umzudenken. Wir müssen neue Informationen verarbeiten, Entscheidungen treffen und mit Fehlern fertigwerden. Das kostet Kraft.

In Ihrem Praxisalltag kommt ein weiterer Faktor hinzu: Der Arbeitsdruck bleibt meist gleich hoch. Während Sie neue Abläufe kennenlernen, warten trotzdem Patientinnen und Patienten, klingelt das Telefon und laufen Termine weiter. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, allem gleichzeitig gerecht werden zu müssen.
 

Das Tal der Veränderung

Psychologen beschreiben Veränderungsprozesse häufig als eine Art Kurve. Zu Beginn stehen Neugier, Überraschung oder Ablehnung. Danach folgt oft eine Phase der Verunsicherung: Gewohnte Abläufe funktionieren nicht mehr, neue Routinen haben sich aber noch nicht entwickelt.

Erst nach und nach wächst die Sicherheit. Dass sich Veränderungen anfangs schwierig anfühlen, bedeutet nicht, dass sie gescheitert sind. Es ist vielmehr ein normaler Teil des Anpassungsprozesses.

Ein typisches Beispiel ist die Einführung einer neuen Praxissoftware. In den ersten Tagen dauert plötzlich alles länger, z. B. finden sich Funktionen schwerer, Arbeitsabläufe stocken und kleine Fehler häufen sich. Einige Wochen später läuft vieles bereits selbstverständlich, oft sogar effektiver als zuvor.
 

Den Blick auf das Beeinflussbare richten

Hilfreich ist ein Gedanke aus der Psychologie, der auch in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) eine wichtige Rolle spielt: Nicht alles, was passiert, können wir kontrollieren. Wohl aber können wir entscheiden, wie wir darauf reagieren.

Ob eine Praxis umzieht oder ein neues Dokumentationssystem eingeführt wird, liegt meist außerhalb des eigenen Einflussbereichs. Einfluss haben wir dagegen darauf, wie wir uns vorbereiten, welche Fragen wir stellen oder wie wir mit Fehlern umgehen.

Statt immer wieder zu denken: „Warum muss das jetzt sein?“, kann die Frage helfen: „Was kann ich heute tun, damit mir die Umstellung etwas leichter fällt?“

Kleine Schritte statt Perfektion

Viele Menschen erwarten von sich, neue Aufgaben sofort fehlerfrei zu beherrschen. Das setzt unnötig unter Druck. Lernforscher wissen jedoch, dass unser Gehirn neue Fähigkeiten am besten in kleinen Schritten aufbaut.

Wer sich beispielsweise in eine neue Software einarbeitet, muss nicht am ersten Tag jede Funktion kennen. Oft reicht es, zunächst die wichtigsten Abläufe sicher zu beherrschen und den Rest nach und nach zu ergänzen. 
 

Gedanken überprüfen

Nicht selten verstärken unsere eigenen Gedanken den Stress. Aus „Das ist neu“ wird schnell „Das schaffe ich nie“ oder „Bestimmt mache ich alles falsch“. Solche automatischen Bewertungen wirken oft überzeugend, entsprechen aber nicht unbedingt der Realität.

Es kann helfen, sich bewusst zu fragen: Gibt es konkrete Hinweise darauf? Oder ist das gerade nur meine Befürchtung?
 

Was im Praxisalltag konkret helfen kann

Nicht jede Veränderung lässt sich angenehm gestalten. Einige Strategien können den Übergang jedoch erleichtern:

  • Teilen Sie neue Aufgaben in möglichst überschaubare Einzelschritte ein.
  • Stellen Sie aufkommende Fragen möglichst zeitnah, anstatt Unsicherheiten für sich zu behalten.
  • Unterstützen Sie sich gegenseitig im Team und tauschen Sie Erfahrungen aus.
  • Gestehen Sie sich Fehler zu und sehen Sie sie als Teil des Lernprozesses an.
  • Machen Sie sich bewusst, welche früheren Veränderungen Sie bereits erfolgreich gemeistert haben.
     

In ärztlichen Praxen gehören Veränderungen inzwischen zum Berufsalltag. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist erstaunlich anpassungsfähig. Was heute noch ungewohnt wirkt, kann schon in wenigen Wochen selbstverständlich sein.

 

MT

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