

Verzeihen und Vergeben: Ein wichtiger Schritt für inneren Frieden

Jeder kennt Situationen, in denen Verletzungen, enttäuschte Erwartungen oder harte Worte lange in uns nachklingen. Selbst nach Jahren können wir dann den Stich spüren, den uns Worte oder Taten von anderen zugefügt haben. Diese Erinnerungen können zu einer echten Qual werden, wenn wir sie immer wieder durchleben. Die Lösung: Wir müssen uns entschließen, die Situation gehen zu lassen. Das gelingt durch Verzeihen und Vergeben.
Verzeihen, Vergeben, Vergessen
Obwohl die Begriffe oft durcheinandergeraten, beschreiben sie nicht dasselbe:
- Verzeihen bedeutet, den Schmerz anzuerkennen und bewusst zu entscheiden, nicht länger an der Kränkung festzuhalten. Es ist ein innerer Prozess, durch den wir uns selbst von den belastenden Gefühlen befreien, indem wir dem anderen verzeihen.
- Vergeben geht einen Schritt weiter: Man schenkt dem anderen – und sich selbst – eine Art Neubeginn. Vergeben heißt nicht gutheißen, was passiert ist, doch man entlässt den anderen aus seinem inneren „Gerichtssaal“. Dabei müssen wir gar nicht persönlich mit dem Widersacher sprechen, es genügt, ihn gedanklich freizugeben.
- Vergessen hingegen ist kein aktiver Akt. Erinnerungen verschwinden nicht einfach, und das müssen sie auch nicht. Gesundes Vergeben braucht kein Vergessen. Es reicht, wenn die Erinnerung ihren Schmerz verliert. Verdrängen ist die aktive Form des Vergessens. Das gelingt jedoch meistens nur vorübergehend. Irgendwann holt die Erinnerung uns ein.
Gedanklicher Schlussstrich
Viele Menschen glauben, Verzeihen und Vergeben seien Geschenke an den anderen. Doch in Wahrheit ist es vor allem ein Geschenk an uns selbst.
Wut, Enttäuschung oder verletzter Stolz binden Energie und Kraft. Sie lassen unser Gedankenkarussell kreisen und können irgendwann sogar körperliche Symptome hervorrufen. Wer nicht verzeiht, trägt den Konflikt wie ein Gewicht mit sich herum – schlimmstenfalls über Jahre.
Verzeihen und Vergeben bedeuten, sich selbst von diesem Gewicht zu befreien. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge: Man schafft inneren Frieden, weil man nicht länger zulässt, dass eine vergangene Situation das eigene Wohlbefinden im Jetzt beeinträchtigt. Es geht nicht darum, was richtig oder gerecht ist oder dass es einen fairen Ausgleich gibt. Es geht darum, selbst wieder frei zu werden.
Wie kann Verzeihen gelingen?
Verzeihen gelingt nicht auf Knopfdruck. Doch es gibt Schritte, die helfen können:
- Die Gefühle anerkennen
Schmerz, Wut oder Trauer zuzulassen ist der Anfang. Verzeihen funktioniert nicht, wenn man die eigenen Emotionen wegschiebt. - Prioritäten setzen
Das Tröstliche: Wir sind oft widerstandsfähiger, als wir denken. Mit der Zeit flauen die Gefühle ab und geraten immer öfter in den Hintergrund. Anstatt sie absichtlich immer wieder hervorzuholen und anzufachen, dürfen wir ihnen erlauben, im Hintergrund zu bleiben.
- Verstehen statt rechtfertigen
Es geht nicht darum, das Verhalten des anderen gutzuheißen. Doch zu verstehen, warum etwas passiert ist, kann helfen, die Situation einzuordnen. - Sich selbst verzeihen
Viele Konflikte richten sich im Inneren gegen uns selbst: „Ich hätte anders reagieren müssen“ oder „Ich hätte mich wehren müssen“. Selbstvergebung ist oft der wichtigste Baustein, um inneren Frieden zu finden. - Loslassen üben
Verzeihen und Vergeben bedeuten nicht, wieder Vertrauen zu schenken oder Kontakt zu halten. Beides bedeutet, die emotionale Bindung an die Verletzung zu lösen. Manchmal hilft ein Ritual, z. B. einen Brief schreiben, den man nicht abschickt, sondern verbrennt. - Geduld haben
Verzeihen ist ein Weg, kein Wettlauf. Jedes Mal, wenn man an den Vorfall denkt und etwas weniger Wut, Trauer oder Rachegefühle empfindet, ist ein Fortschritt.
MT
© 2025 PKV Institut GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Sämtliche Texte und Bilder in unserem Online-Magazin sind urheberrechtlich geschützt. Bitte beachten Sie, dass auch dieser Artikel urheberrechtlich geschützt ist und nur mit schriftlicher Genehmigung des PKV Instituts wiederveröffentlicht und vervielfältigt werden darf. Wenden Sie sich hierzu bitte jederzeit unter Angabe des gewünschten Titels an unsere Redaktionsleitung Silke Uhlemann: redaktion(at)pkv-institut.de. Vielen Dank!
Die Nutzung der Inhalte des Online-Magazins für Text und Data Mining im Sinne des § 44b UrhG ist ausdrücklich vorbehalten (§ 44b Abs. 3 UrhG) und daher verboten. Die Inhalte dieses Werkes dürfen nicht zur Entwicklung, zum Training und/oder zur Anreicherung von KI-Systemen, insbesondere von generativen KI-Systemen, verwendet werden.
Gewinnen Sie den MFA-Award oder ZFA-Award!
Erzählen Sie uns, welche Rolle digitale Helfer in Ihrer Praxis spielen und bewerben Sie sich bis zum 27. Februar 2026.

