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Wenn Hitze krank macht

Hitze ist ein Gesundheitsrisiko. Bei Hitze sterben mehr Menschen. Doch niemand zählt die Hitzetoten. Die veröffentlichten Zahlen beruhen auf Schätzungen und statistischen Modellen.

Bedingt durch den Klimawandel gibt es nicht nur in Südeuropa mehr Hitzeperioden als früher, Nach Angaben des Robert Koch Instituts gehört Deutschland nach Italien und Spanien zu den 3 Ländern mit der höchsten Anzahl an hitzebedingten Todesfällen in der Europäischen Union. 

 

Hitze und Übersterblichkeit hängen zusammen

Immer wenn es heiß ist, steigen die Sterbezahlen. In Deutschland melden das Statistische Bundesamt und das Robert Koch Institut (RKI) regelmäßig entsprechende Daten. Bei den im Sommer wöchentlich gemeldeten Zahlen muss ein Verzug zur Kalenderwoche berücksichtigt werden: 9 Tage beim Statistischen Bundesamt, 11 Tage beim RKI. Die aktuell gemeldeten 12.500 hitzebedingten Sterbefälle beruhen auf Schätzungen zwischen der 15. und 31. Kalenderwoche.

 

Stirbt ein Mensch beispielsweise infolge eines Hitzschlags, kann die Diagnose so auf dem Totenschein stehen. Solche Ereignisse sind aber relativ selten. 2021 werden 12 Fälle berichtet. Viel öfter kommt es zum Tod, wenn Hitze auf Vorerkrankungen, vor allem des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge oder der Nieren, trifft. Forschende schätzen hitzebedingte Todesfälle anhand der Übersterblichkeit und Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes. Dabei vergleichen sie u. a., wie sich Sterbezahlen im Sommer über verschiedene Jahre entwickelt haben und welcher Zusammenhang zwischen der Durchschnittstemperatur einer Woche besteht.

 

Was ist eigentlich heiß?

Hitze definieren Forschende unterschiedlich. Liegt die Wochenmitteltemperatur inklusive Tag und Nacht über 20°C (RKI-Schwellenwert), wird von Hitze gesprochen. In einer europäischen Studie wurde die Wochenmitteltemperatur von etwa 17–18°C mit hitzeassoziierten Todesfällen verbunden. In solch heißen Wochen sterben kontinuierlich mehr Menschen, vor allem Ältere. 

 

Fakt ist: Je höher die Hitzebelastung ist, desto mehr hitzeassoziierte Sterbefälle gibt es. Es kommt jedoch vor, dass das Modell zur geschätzten Hitze-Mortalität weniger Sterbefälle angibt, als es tatsächlich sind. So war es beispielsweise in den extrem heißen letzten Juni- und ersten Juli-Wochen 2026. Zudem werden Unterschiede zwischen den Bundesländern erst mit einem zeitlichen Verzug von 5 Wochen sichtbar. Perspektivisch sollen auch mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Risikokarten entwickelt werden, um hitzebedingte Gesundheitsrisiken besser zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können.

 

Wer ist bei Hitze besonders gefährdet?

Alle Menschen sind durch den Klimawandel gesundheitlich belastet, sei es durch veränderte UV-Strahlung, häufigere allergische Erkrankungen, durch Insekten übertragene Krankheiten, durch verschmutztes Wasser oder psychische Belastungen. Besonders gefährdet durch Hitze sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere und Personen mit Vorerkrankungen sowie Menschen in besonderen Lebenslagen wie Obdachlose. Hitze belastet vor allem das Herz-Kreislauf-System. Dehydrierung und Temperaturregulationsstörungen sind nur 2 mögliche Folgen. Zahlreiche Erkrankungen können sich verschlimmern, beispielsweise der Atemwege, des Stoffwechsels, neurologische Krankheiten sowie psychische Störungen.

 

Hitze kann auch indirekt krank machen, etwa weil das Unfallrisiko steigt oder sich Krankheiten über Wasser und Lebensmittel verbreiten.Medizinisches Personal ist durch hitzebedingte Notfälle mehr als üblich belastet. Störungen der Wasser- oder Stromversorgung können die Infrastruktur gefährden und zusätzlichen Stress verursachen. Ebenfalls wichtig: Medikamente können anders als üblich wirken und ungewünschte Nebenerscheinungen verursachen.

 

Wie MFAs und ZFAs sich und ihre Patientinnen und Patienten schützen können

Die Website hitzeservice.de ist eins von mehreren Informationsangeboten zum Thema Klimawandel und Gesundheit. Es enthält z. B. Kommunikationsleitfäden für verschiedene Zielgruppen wie Menschen im höheren Lebensalter, Kinder, Frauen oder Menschen mit Behinderungen.

 

Ein wertvolles Instrument ist die CALOR-Liste zur Arzneimittel-Therapiesicherheit bei Hitze. Sie wurde in einem Forschungsprojekt unter Leitung der Universität zu Köln mit mehreren Partnern entwickelt. CALOR leitet sich vom lateinischen Wort calor für Hitze oder Wärme ab. Die CALOR-Liste für medizinisches Personal (hier zum Download) bietet eine nach Anwendungsklassen geordnete Übersicht hitzerelevanter Medikamente. Sie soll Unsicherheiten im Umgang mit Medikamenten abbauen und Gesundheitsfachkräften eine fundierte Grundlage für Beratung und Versorgung bei Hitze bieten. Bis Ende 2026 soll noch eine laienverständliche Version für Patientinnen und Patienten entwickelt werden.

 

DM

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