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Wie sinnvoll ist Blutzuckeroptimierung für Nichtdiabetiker?

11 Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes. Bei den meisten, rund 9 Millionen, wurde ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von 2 Millionen Personen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Als Risikofaktoren sind eine familiäre Veranlagung, Bewegungsmangel und Übergewicht hinlänglich bekannt.
Diabetes in Zahlen
Jede Hausarztpraxis in Deutschland betreut durchschnittlich 100 Personen mit Diabetes. Außerdem gib es bundesweit rund 1100 diabetologische Schwerpunktpraxen. Während Menschen mit Typ-1-Diabetes lebenslang Insulin zuführen müssen, werden etwa die Hälfte aller Typ-2-Diabetiker nichtmedikamentös behandelt: mit Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme, speziellen Schulungen und Bewegung. Blutzuckersenkende Medikamente wurden 4 bis 5 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes verordnet und etwa 1,5 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes spritzen Insulin. (Quelle: Factsheet DDG 2026)

Risiko metabolisches Syndrom
Je höher der Körperfettanteil und je größer das Übergewicht, desto weniger reagieren Fett- und Muskelzellen auf Insulin. Vom unheilvollen Quartett aus zu viel Bauchfett, hohen Blutzuckerwerten, Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen wird in medizinischen Kreisen als das metabolische Syndrom gesprochen. Es ist als Risiko für chronische Erkrankungen, insbesondere Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt.
Wenn 50 % der Menschen Typ-2-Diabetes konservativ behandelt werden, können diese Behandlungsansätze auch präventiv eingesetzt werden: Dickmacher in der Ernährung meiden, weniger sitzen, mehr bewegen, Bauchfett und Übergewicht abbauen. Diese mantraartig wiederholten Verhaltensregeln fruchten mehr, wenn die Mechanismen der Zuckerverarbeitung im Körper bewusst sind. Wird permanent Zucker konsumiert, schüttet die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin aus. Insulin versorgt die Zellen mit Zucker. Sind die Zellen gesättigt, kann kein Zucker mehr aufgenommen werden, der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht und die Bauchspeicheldrüse produziert noch mehr Insulin. Professor Dr. med. Stephan Martin nennt das einen Teufelskreis, der zum Typ-2-Diabetes führt.
Übergewichtige Menschen haben auch nüchtern einen erhöhten Insulinspiegel. Nach einer Mahlzeit schütten sie mehr Insulin aus als schlanke Personen. Die Fettverbrennung wird stärker und länger blockiert. Je höher das Übergewicht, desto mehr Insulin schüttet der Körper aus und desto stärker wird die Fettverbrennung blockiert.
Verhaltenskonzept statt Diät: Die Stable-Low-Insulin-Methode
Der Diabetologe und Endokrinologe Stephan Martin hat die Stable-Low-Insulin-Methode entwickelt, mit der auch Gesunde den Insulinspiegel senken und die Fettverbrennung ankurbeln können. Mit ihr wird das Stoffwechselsystem optimiert und das Wunschgewicht erreicht, ohne Kalorien zählen zu müssen. Wichtiger ist, welche Lebensmittel gegessen werden. Es handelt sich daher nicht um eine Diät, sondern um ein Verhaltenskonzept mit dem Ziel, den Insulinspiegel zu senken und auf einem niedrigen Niveau zu halten.
Von jetzt auf gleich beginnen
Mit der Low-Insulin-Methode soll nicht allmählich, sondern von jetzt auf gleich begonnen werden. Dazu muss man lernen, welche Lebensmittel Insulin ausschütten – alle, die Traubenzucker und Kohlenhydrate enthalten.
Menschen mit Typ-1-Diabetes nutzen Kohlenhydrat-(KE)-Tabellen, um ihren Insulinbedarf auszurechnen. Das empfiehlt Professor Martin auch Menschen, die mit der Low-Insulin-Methode abnehmen möchten. Sie sollten alle Produkte mit vielen Kohlenhydrateinheiten meiden. Keine Kohlenhydrate sind beispielsweise in Quark, Eiern, Käse, Gemüse oder Fleisch enthalten.
Den Blutzucker kontrollieren
Bei allen Menschen, nicht nur bei Menschen mit Diabetes, steigen die Blutzuckerwerte innerhalb einer Stunde nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit an – bei stark Übergewichtigen bis zu 11 mmol/l (oder über 200 mg/dl). Auch Gesunde messen den Blutzucker, um zu testen, auf welche Nahrungsmittel sie mit einem Blutzuckeranstieg reagieren. Lanzette oder Sensor, obliegt der freien Entscheidung. Wer nachhaltig abnehmen möchte, darf keinen nennenswerten Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit verzeichnen. Mogelpackungen, die Fleisch anpreisen, aber versteckten Zucker enthalten, werden so entlarvt und sollten künftig gemieden werden. Auch auf Obst und Brot sollte beim Start der Low-Insulin-Methode verzichtet werden.
Wissenschaftlich getestete Methode
Professor Stephan Martin hat seine Methode wissenschaftlich untersucht. Nach 12 Wochen konsequenter Anwendung sanken die durchschnittlichen Insulinwerte der Teilnehmenden um 3,8 µU/ml. Sie verloren etwa 8 kg Gewicht und bauten hauptsächlich Fett ab. Der Body-Mass-Index verbesserte sich und der Taillenumfang nahm um etwa 8 cm ab. Auch der Jo-Jo-Effekt blieb aus.
Mit der Stable-Low-Insulin-Methode können Insulinwerte dauerhaft niedrig gehalten werden. Dies beugt nicht nur einer Erkrankung von Typ-2-Diabetes vor, auch bereits diagnostizierte Typ-2-Diabetiker können bei konsequenter Einhaltung zu einem normalen Alltag zurückkehren.
Allerdings ist zu betonen, dass die Methode für abnehmwillige Menschen entwickelt wurde, nicht für Normalgewichtige. Die DEGS1-Studie des RKI wertete aus, dass 53 % der Frauen und 67 % der Männer in Deutschland zum Zeitpunkt der Erhebung übergewichtigwaren und je etwa ein Viertel aller erwachsenen Frauen und Männer an Adipositas erkrankt waren. All jene könnten mit der Niedrig-Insulin-Methode Gewicht reduzieren.
DM
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