

Zuckersteuer: Was bringt die „Limo-Abgabe“?

Deutschland gehört beim Zuckerkonsum über Getränke zu den Spitzenreitern in Westeuropa. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt der Zuckerverbrauch pro Kopf und Jahr bei 41,2 kg. Ein großer Teil davon wird allein durch zuckerhaltige Getränke aufgenommen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 7,7 Milliarden Liter zuckerhaltige Cola, Limonaden und andere Erfrischungsgetränke hergestellt. Das entspricht knapp 93 Liter pro Kopf. Aus Sicht von Gesundheitsexperten ist das problematisch, denn zuckerhaltige Getränke gelten als wichtiger Risikofaktor für Übergewicht und Adipositas. Nach Angaben der Adipositas-Gesellschaft sind inzwischen 67 % der Männer und 53 % der Frauen übergewichtig. Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
Was ist konkret geplant?
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, eine Abgabe auf stark gezuckerte Erfrischungsgetränke einzuführen. Geplant ist eine gestaffelte Abgabe: Je mehr Zucker ein Getränk enthält, desto höher fällt die Steuer aus. Diskutiert wird u. a. eine Abgabe von etwa 26 Cent pro Liter, wenn Getränke mehr als 5 g Zucker pro 100 ml enthalten. Hersteller sollen dadurch motiviert werden, ihre Rezepturen zu überarbeiten und den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken.
Großbritannien als Vorbild
Als wichtigstes Beispiel wird häufig Großbritannien genannt. Dort wurde bereits 2018 die sogenannte Soft Drinks Industry Levy eingeführt. Wie foodwatch berichtet, haben dort zahlreiche Hersteller ihre Rezepturen angepasst, um die Steuer zu vermeiden. Dadurch sank der durchschnittliche Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken innerhalb weniger Jahre um rund 35 %.

Kinderprodukte oft wahre Zuckerbomben
Besonders brisant: Vor allem Produkte für Kinder weisen oft einen sehr hohen Zuckergehalt auf. Foodwatch hat dazu einige der beliebtesten zuckerhaltigen deutschen Getränke gecheckt. Das Ergebnis: Die Hersteller der 10 Getränke im Test müssten den Zuckergehalt im Schnitt um die Hälfte senken, um keine Abgabe zu zahlen. Dazu Luise Molling von foodwatch: „Das zuckrigste Getränk im Check, der Gönrgy-Drink Apfelringe, enthält pro Dose fast 22 Zuckerwürfel. Das ist keine Erfrischung, das ist Körperverletzung!“
Viele der Getränke werden kindgerecht beworben, z. B. mit bunten Verpackungen oder Comicfiguren. Nach Ansicht von foodwatch trägt dies dazu bei, dass Kinder schon früh an sehr süße Geschmacksprofile gewöhnt werden. Eine Zuckersteuer könnte deshalb gerade im Bereich der Kindergetränke einen besonders großen Effekt haben, weil Hersteller ihre Produkte anpassen müssten.
Sind Zuckerersatzstoffe eine sinnvolle Alternative?
Wenn Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte senken, greifen sie häufig auf Süßstoffe oder andere Zuckerersatzstoffe zurück. Dazu gehören beispielsweise Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose oder Steviolglykoside.
Diese Stoffe enthalten deutlich weniger oder gar keine Kalorien und führen nicht zu den starken Blutzuckeranstiegen, die nach dem Verzehr von Zucker auftreten können. Sie ermöglichen es Herstellern, den Geschmack ihrer Produkte weitgehend beizubehalten und gleichzeitig den Zuckergehalt zu reduzieren.
Ob Süßstoffe langfristig die optimale Lösung darstellen, wird in Fachkreisen allerdings kontrovers diskutiert. Zwar gelten die in der Europäischen Union (EU) zugelassenen Süßstoffe innerhalb der festgelegten Höchstmengen als sicher. Einige Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass sie die Vorliebe für sehr süße Lebensmittel und Getränke aufrechterhalten könnten. Doch sie können ein wertvoller Zwischenschritt sein, um sich stark gezuckerte Getränke abzugewöhnen und langfristig möglichst auf Wasser umzusteigen.
MT
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