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In Haus- und Facharztpraxen steigt die Zahl der Notfallpatienten

In deutschen Kliniken sinkt die Zahl der Notfallpatienten. Sie ging zwischen 2016 und 2019 um 265.000 Fälle zurück. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite: In den Praxen niedergelassener Haus- und Fachärzte – meist sind es Bereitschaftspraxen – steigt die Zahl der Notfallpatienten. Zwischen 2016 und 2018 ging die Zahl um 290.000 behandelte Patienten nach oben. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) spricht von einer Trendumkehr.

Das Video ging viral: Bei Nacht wird ein Patient mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren, atemlose Krankenpfleger rollen ihn auf einer Liege in den OP, dort warten OP-Schwestern, Anästhesisten und die Notärztin. Es muss schnell gehen! Die Notärztin beugt sich über den anscheinend Schwerverletzten – und schneidet ihm einen Fußnagel.

Die Botschaft: Es ist lächerlich, für jedes Wehwehchen die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufzusuchen. Nicht ganz so zugespitzt, doch mit großem Nachdruck warnten auch die Kassenärztlichen Vereinigungen im vergangenen Jahrzehnt vor einer Überlastung der Notfallambulanzen in den Kliniken. Patienten würden selbstständig die Notaufnahmen aufsuchen, statt bis zum nächsten Morgen zu warten und ihren Hausarzt aufzusuchen.

Gute Gründe für den kurzen Weg zum Arzt

Diese Entwicklung wurde auf ganz unterschiedliche gesellschaftliche Strömungen zurückgeführt:
 

  • Wegen der gesetzlichen Krankenversicherung sei eine hohe Erwartungshaltung entstanden. Ohne zu wissen, was ihre Versorgung eigentlich kostet, möchten die Bundesbürger jederzeit gut und ausgiebig behandelt werden.
  • Das Internet habe die Menschen verwöhnt. Wo man rund um die Uhr seine Einkäufe und Bankgeschäfte erledigen könne, müsse auch rund um die Uhr ein Arzt zur Verfügung stehen.
  • Zuwanderer aus Ländern ohne gutes Versorgungssystem würden bei den ersten Symptomen einer Erkrankung nicht den Hausarzt aufsuchen, weil sie gar nicht von dieser Möglichkeit wüssten. Erst wenn es zu einem schweren Verlauf komme, gingen sie zum Arzt – allerdings zu einem Arzt oder einer Ärztin im Krankenhaus, wie sie es aus ihrer Heimat kennen.

Umsteuern der KVen zeigt Wirkung

Nun also die Trendumkehr. In Zahlen: Waren es 2016 noch 10,67 Millionen ambulante Behandlungsfälle im Krankenhaus, ist diese Zahl bis 2019 auf 10,27 Millionen zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen die durch niedergelassene Haus- und Fachärzte behandelten ambulanten Notfälle von 8,76 Millionen im Jahr 2016 auf 9,05 Millionen Fälle in 2018 um rund 290.000 Fälle an. 2019 gab diese Zahl dann wieder leicht nach auf insgesamt 8,82 Millionen Behandlungsfälle. So das Zi.

Doch wie kommt es zu dieser umgekehrten Entwicklung? Offenbar hat das Umsteuern der KVern bewirkt, dass Patienten seltener in die Notaufnahme des Krankenhauses gehen. Zwei Maßnahmen wirkten sich besonders aus:

  • Die KVen richteten 830 Bereitschaftspraxen ein, von denen sich 660 an einem Krankenhaus oder ganz in dessen Nähe befinden. Inzwischen haben 58 % der deutschen Krankenhäuser, die an der gestuften Notfallversorgung teilnehmen, eine Bereitschaftspraxis.
  • Die telefonische Servicenummer 116117 der KVen ist deutlich bekannter geworden. Das ist u.a. auf die vielen Plakate zurückzuführen, die in Arztpraxen am Empfang oder im Wartezimmer hängen. Zwischen 2016 und 2019 stieg die Zahl der Anrufe um mehr als 25 %. Fachleute beurteilen im Telefonat, wie akut ein Notfall tatsächlich ist. Während der Pandemie wurde die Nummer, die auch über die Impfzentren informiert, noch bekannter.
     

An den Zahlen ist außerdem erkennbar, welche Patienten das Krankenhaus und welche die Bereitschaftspraxis aufsuchen: Bei Unfällen und Verletzungen geht es eher ins Krankenhaus, bei Infektionskrankheiten, chronischen Erkrankungen und kleineren Wunden suchen Patienten die Bereitschaftspraxis auf.

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