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Kinderarztpraxen für Pilotprojekt TriaKi gesucht

Das gemeinnützige Unternehmen Triaphon rief im Jahr 2017 eine Dolmetsch-Hotline für medizinische Einrichtungen ins Leben. Diese ist rund um die Uhr erreichbar und ermöglicht, dass nicht-deutschsprachigen Patientinnen und Patienten vor allem in Notsituationen geholfen werden kann.

Dolmetschdienste via Telefon-Hotline

Im Vorjahr ermöglichte das Sozialunternehmen, dass Arztpraxen, die Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine in medizinischen Notfällen behandelten, den Sprachmittlungsdienst kostenlos in Anspruch nehmen konnten. Ansonsten können kooperierende Einrichtungen zu jeder Zeit die Triaphon-Hotline anrufen und die benötigte Sprache auswählen. 130 geschulte Sprachmittlerinnen und Sprachmittler übersetzen momentan in Arabisch, Bulgarisch, Dari/Farsi, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch, Ukrainisch und Vietnamesisch Gespräche zwischen Hilfesuchenden und dem Praxispersonal.

 

40 pädiatrische Praxen nehmen an Pilotprojekt teil

In Kinderarztpraxen ist eine schnelle und unkomplizierte Verständigung zwischen Eltern, Kindern und Ärzten und Praxispersonal besonders wichtig. Seit Juli 2022 konnten pädiatrische Praxen in Berlin und Hamburg im Rahmen eines Pilotprojektes rund um die Uhr die Sprachmittlungs-Hotline nutzen. In diesem Jahr konnte der Dienst bereits in 500 Fällen helfen. Die Berliner Kinderärztin Dr. Anja Ingwers nutzt die Triaphon-Hotline seit einigen Monaten und berichtet, dass seitdem viele Missverständnisse vermieden werden konnten. Zudem lobt sie: „Es ist einfach und unkompliziert und die Patienten sind begeistert. Die Übersetzer sind fast immer sofort am Telefon und übersetzen sehr kompetent.“ Doch nicht nur Ärzte nutzen den medizinischen Dolmetschdienst. Medizinische Fachangestellte überbrücken am Empfang Sprachbarrieren mit den Eltern und erleichtern so die Kommunikation.

 

Weitere Bewerbungen für TriaKi möglich

Die Auridis Stiftung fördert „TriaKi – Triaphon in Kinderarztpraxen“. Bis Juni 2025 können pädiatrische Praxen – aktuell nur in Berlin und Hamburg – am Modellprojekt teilnehmen und die Sprachmittlungs-Hotline bei Bedarf kostenfrei nutzen. Folgende Bedingungen müssen erfüllt werden:

  • Praxis mit hohem Bedarf an telefonischer Sprachmittlung
  • Interesse an einer kostenlosen Nutzung des Dolmetsch-Service (24/7) während der Projektlaufzeit
  • Beteiligung an Evaluation mit wenig Aufwand am Ende der Projektlaufzeit.

 

Teilnahme-Bewerbungen werden online entgegengenommen.

 

Langfristig flächendeckender Einsatz geplant

Der Kommunikationsbedarf ist in der Kinderheilkunde durch mehr Verständnisnachfragen groß. Ob medizinischer Notfall, akute Erkrankung oder Vorsorgeuntersuchung – was Ärzte erklären, müssen Eltern verstehen. Im Durchschnitt dauern Sprachmittlungsgespräche 8 Minuten, in pädiatrischen Praxen rund 10 Minuten. Am häufigsten werden derzeit Russisch, Arabisch und Ukrainisch in Anspruch genommen. Perspektivisch planen die Triaphon-Gründer Dr. med. Korbinian Fischer und Dr. med. Lisanne Knop den flächendeckenden Einsatz von Sprachmittlung im pädiatrischen Bereich.

 

Alternativen für die ambulante Gesundheitsversorgung

Noch immer gibt es keine gesetzliche Regelung für die unkomplizierte Kostenübernahme von Sprachmittlung im deutschen Gesundheitswesen. Wer nicht von einem Modellprojekt profitieren kann, ist weiterhin auf Improvisation und Alternativen angewiesen, um Sprachbarrieren zu überwinden. Einen Überblick über Sprach- und Integrationsmittler im Gesundheitswesen bietet die in Köln ansässige bikup gGmbH. In deren Gesamt-Sprachmittlerpool sind derzeit 90 Sprachen und Dialekte verfügbar.
 

 

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